Die neuen Stellen in der Frauenfelder Stadtverwaltung sollen ihr Geld wert sein – Dafür braucht es aber noch das Ja des Gemeinderats 

Im Budget 2020 beantragt der Stadtrat erstmals seit 2015 eine grössere Aufstockung im Stellenplan. Netto um 5,8 Vollzeitstellen soll der Personalbestand wachsen.

Mathias Frei
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Sparen ist angesagt bei der Stadt. Aber es ist kein Sparen wider die Vernunft. So stellt der Stadtrat dem Gemeinderat den Antrag, den Stellenplan der Stadtverwaltung und ihrer Betriebe für das kommende Jahr anzupassen, nämlich netto um insgesamt 5,8 Vollzeitstellen aufzustocken. Bei einem Ja des Gemeinderats umfasst der Planzustand des städtischen Stellenplans 2020 entsprechend 444,9 Vollzeitstellen (inklusive Lernende und Praktikanten).

«Dieser Antrag ist wohlüberlegt.»
Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld.(Bild: Andrea Stalder)

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld.(Bild: Andrea Stalder)

So erklärt es Stadtpräsident Anders Stokholm – und ergänzt, dass es die erste grössere Aufstockung seit 2015 ist. Im Übrigen liege die Entwicklung des städtischen Stellenetats klar hinter der Frauenfelder Bevölkerungsentwicklung, sagt der Stadtpräsident. «Seit 2015 ist Frauenfeld bevölkerungsmässig um sechs Prozent gewachsen, der Personalbestand indes um vier Prozent.»

Drei neue Stellen für die Liegenschaftenstrategie

Der stadträtliche Antrag ist aber nicht statistischer Natur. Denn Haupttreiberin hinter der Stellenaufstockung ist die städtische Liegenschaftenstrategie, woran der Stadtrat schon länger arbeitet. Dabei musste laut Stokholm festgestellt werden, «dass die vorhandenen personellen Ressourcen bei weitem nicht vorhanden sind». Das Erarbeiten der Liegenschaftenstrategie und die entsprechende Umsetzung stelle eine Herausforderung dar. So entfallen denn auch drei der insgesamt 5,8 neuen Vollzeitstellen in den besagten Themenbereich.

«Die Aufstockung für die Liegenschaftenstrategie wird sich mittelfristig auf jeden Fall auszahlen.»

Das sagt Stokholm. Denn mit einer nachhaltigen Strategie und Bewirtschaftung der städtischen Liegenschaften würden diese ihren Wert halten können, was letztlich auch einen Mehrwert für den Steuerzahler darstelle.

Weitere Aufstockungen sind bei den Werkbetrieben vorgesehen: je eine halbe Stelle für strategische Projekte und IT-Support. Im Alterszentrum Park gibt es neu 30 Prozent mehr für den Aufbau eines Qualitätsmanagement-Systems und die Koordination der Aufnahmen. Für die Assistenz des Case-Managements im Amt für Alter und Gesundheit sollen neu 70 Prozent geschaffen werden. Im den Sozialen Diensten kommen 60 Prozent hinzu. Auch im Finanzamt wird aufgestockt, nämlich netto um 20 Prozent. Einerseits wird bei der Sachbearbeitung Kreditorenbuchhaltung um 20 Prozent reduziert, andererseits bei der Sachbearbeitung Lohnbuchhaltung/Pensionskasse und bei der Assistenz Amtsleitung/Stadtbuchhaltung um gesamthaft 40 Prozent aufgestockt.

(Bild: Mathias Frei)

(Bild: Mathias Frei)

Wie Stadtpräsident Stokholm sagt, werden die personellen Belastungen im Bereich der Liegenschaftenstrategie neu verteilt. Beim Finanzamt fallen die Liegenschaftenverwaltung (100 Prozent) und die Hauswartungen der Wohnobjekte (70 Prozent) weg. Die Liegenschaftenverwaltung kommt neu zum Amt für Hochbau und Stadtplanung, die Hauswartungen werden zukünftig beim Amt für Freizeitanlagen und Sport angesiedelt. Gleichenorts wird neu ein Facility-Management (100 Prozent) geschaffen. Je eine neue Vollzeitstelle gibt es im Amt von Stadtbaumeister Christof Helbling, nämlich für das Portfolio-Management und für die Projektleitung für Bauherrschaften.

Fast 51 Vollzeitstellen für Lernende/Praktikanten

Einen wichtigen Teil im städtischen Stellenplan nimmt die Ausbildung ein. Seit 2016 werden Lernende und Praktikanten auch darin geführt (deshalb der grössere Sprung in der Grafik). Für 2020 wird unverändert mit 50,92 Vollzeitstellen im Bereich Lernende/Praktikanten gerechnet. Anders Stokholm sagt:

«Die Stadt muss ausbilden. Das ist wichtig. Denn wir brauchen diese Fachkräfte später.»

Seit 2017 werden zusätzlich einige Beschäftigungsverhältnisse mit Sonderstatus (etwa Privatbeistände oder Pilzkontrolle) in den Stellenplan gerechnet. Zudem weist Personalamtchefin Barbara Wiederkehr darauf hin, dass die Ist-Zahlen jeweils den Stichtag 31. Dezember abbilden. Doppelbelegungen, zum Beispiel bei längerer Krankheit oder wenn eine Person von ihrem Vorgänger eingearbeitet wird, seien damit möglich, würden eingerechnet und so die effektive Anzahl Vollzeitstellen verfälschen.

Kommentar

Budget Stadt Frauenfeld: Höchstleistungen ohne Kreislaufkollaps

Die Stadt Frauenfeld rechnet im Budget 2020 gesamthaft zwar mit einem positiven Ergebnis, aber nur dank Überschüssen bei den Werken und dem Alterszentrum Park. Die Stadtverwaltung rechnet mit einem Verlust in Höhe von 2,11 Millionen Franken. Deshalb muss sich der Waffenläufer namens Frauenfelder Finanzhaushalt bemühen, will er nicht weiter auf dem Zahnfleisch laufen.
Samuel Koch