Frauenfeld

Kürzer und anonymer als sonst stimmt die evangelische Kirchgemeinde dem Budget trotz kritischer Stimmen zu

Physisch in der Stadtkirche sagt die evangelische Kirchgemeinde Ja zum Budget und zu neuem Personal.

Samuel Koch
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Mit genügend Abstand ausnahmsweise maskenfrei: Wolfgang Ackerknecht, Heinz Wilhelm, Raimondo Branca, Theodor Herzog, Heinz Stübi und Stefan Hilzinger.

Mit genügend Abstand ausnahmsweise maskenfrei: Wolfgang Ackerknecht, Heinz Wilhelm, Raimondo Branca, Theodor Herzog, Heinz Stübi und Stefan Hilzinger.

Bild: Samuel Koch

«Der Pfarrer geht nach der katholischen Zeit.» So hat Heinz Stübi, Präsident der Kirchenvorsteherschaft, zum Auftakt der Versammlung der evangelischen Kirchgemeinde in der Stadtkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit für Lacher gesorgt. Denn die physisch abgehaltene Versammlung am Montagabend startete mit einer knappen Minute Verspätung, wie grosso modo der zeitliche Unterschied des Glockenschlags zwischen der evangelischen und der katholischen Stadtkirche.

Trotz Pandemie sollte die Versammlung mit 47 anwesenden Kirchbürgern, mit Maskenpflicht, genügend Sicherheitsabstand und Contact-Tracing in sicherer Umgebung stattfinden, sagte Stübi und ergänzte:

«Heute wollen wir uns kürzer halten.»
Heinz Stübi, Präsident der Kirchenvorsteherschaft, führt durch die Traktanden.

Heinz Stübi, Präsident der Kirchenvorsteherschaft, führt durch die Traktanden.

Bild: Samuel Koch

Haupttraktanden waren Zahlen und Wahlen. Nach der Präsentation des Budgets 2021 fürs laufende Jahr durch Raimondo Branca, der den per Ende März in den Ruhestand gehenden Wolfgang Ackerknecht ablöst, stellte ein Kirchbürger kritisches Votum zur Senkung der Steuererträge gegenüber dem Vorjahresbudget. «Da kann etwas nicht stimmen», sagte der Votant angesichts der bevorstehenden Auswirkungen durch die Pandemie.

Trotzdem sagte die Versammlung grossmehrheitlich Ja zum Voranschlag, der bei Gesamtausgaben von 4,56 Millionen Franken von einem Verlust von rund 146'000 Franken ausgeht. «Nach der Meinung der Kirchenvorsteherschaft handelt es sich um ein statthaftes und vertretbares Defizit», sagte Branca. Einstimmiges Echo hingegen erntete der Antrag über den unveränderten Steuerfuss von 16 Prozent.

Kritisches Votum zu geplantem Umbau

Bei den Wahlen waren ein Sitz in der Rechnungsprüfungskommission (RPK) sowie einer in der Evangelische Synode neu zu besetzen. Nach einer kurzen Präsentationsrunde von Heinz Wilhelm wählten die Kirchbürger sowohl Theodor Herzog (pensionierter Elektroingenieur, Jahrgang 1955) in die RPK als auch Stefan Hilzinger (Journalist, 1969) in die Synode.

Die Infos von Heinz Stübi zu den Bauplänen zum Kirchgemeindehaus an der Freiestrasse 10 stiessen nicht nur auf Wohlwollen. Für letzteres Vorhaben will die Kirchenvorsteherschaft im Mai über einen Projektierungskredit von 100'000 Franken abstimmen lassen. Dafür stellte sie zwei Varianten gegenüber, eine Minimalvariante für 1,2 Millionen Franken und eine Visionsvariante für rund 2 Millionen Franken.

Umrahmt wurde die Versammlung eingangs und am Schluss je mit einem Stück von Christoph Lowis an der Orgel. Und nach knapp 90 Minuten endete eine kürzere und anonymere Versammlung als sonst.