Frauenfeld
Keine Rendite an den Finanzmärkten: Stadtrat überarbeitet Reglement für Kulturförderung

Das Reglement des Frauenfelder Kulturfonds stammt aus einer Zeit, als Bankguthaben noch Zinsen abwarfen. Eine Teilrevision des Reglements ist deshalb angezeigt, ist der Stadtrat überzeugt.

Olaf Kühne
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«Musig i dä Stadt» ist einer der Anlässe, welche regelmässig durch den städtischen Kulturfonds unterstützt werden; zuletzt 2019 mit 20'000 Franken.

«Musig i dä Stadt» ist einer der Anlässe, welche regelmässig durch den städtischen Kulturfonds unterstützt werden; zuletzt 2019 mit 20'000 Franken.

Bild: Andrea Stalder

Dass selbst ein stattlicher Betrag auf dem Konto spätestens seit der Bankenkrise keine Zinsen mehr abwirft, wissen nicht nur Kleinsparer. Auch die Frauenfelder Kultur ist davon betroffen.

2003 sah die Sache noch anders aus. Damals rief die Stadt Frauenfeld ihren Kulturfonds ins Leben. Das Jahr war nicht zufällig gewählt. Der Kanton Thurgau feierte sein 200-jähriges Bestehen, ergo konnte Frauenfeld auf zwei Jahrhunderte als Kantonshauptstadt zurückblicken. Ein guter Zeitpunkt also, etwas Nachhaltiges zu schaffen.

Da Frauenfeld zuvor zwei grosszügige Nachlässe zugeflossen waren, genügte ein Zuschuss von 360'000 Franken, um über einen Kulturfonds in der Höhe von just einer Million Franken zu verfügen. Die Idee war, dass der jährliche Zinsertrag dieses kleinen Vermögens jeweils in die Kulturförderung fliessen soll – was auch einige Jahre funktionierte.

2020 erstmals kein Ertrag mehr

Indes immer schlechter. Wie der Stadtrat in seiner Botschaft zuhanden des Gemeinderates schreibt, warf der Fonds 2011 noch 10'000 Franken ab, 2019 noch 2000 Franken und vergangenes Jahr dann erstmals gar nichts mehr.

Sein Reglement schreibt dem Fonds vor, dass sein Bestand nicht unter 600'000 Franken sinken darf. «Es ist fraglich, ob ein brachliegender Sockelbetrag noch einen Sinn macht, wenn daraus kein Mehrwert, kein Zins, resultiert», schreibt nun der Stadtrat in seiner Botschaft und erinnert daran, dass der Kulturfonds bereits 2011 mit 327'000 Franken aus der Stadtkasse aufgestockt werden musste – nun stünden wieder 300'000 Franken an. Bliebe aber der Sockelbetrag im Reglement, wäre eine städtische Kulturförderung nur für die kommenden zehn Jahre gesichert.

In seiner Teilrevision des Reglementes über die Kulturförderung und den Kulturfonds will die Behörde den Sockelbetrag deshalb streichen – weil:

«In diesem Fall würde der Kulturfonds bei einer Beanspruchung im bisherigen Rahmen noch mindestens 20 Jahre lang weiter bestehen.»

Anstelle eines Sockelbetrages will der Stadtrat, dass er und der Gemeinderat künftig eine «erneute Äufnung des Fonds prüfen», sollte sein Bestand auf 100'000 Franken gesunken sein.

Wann die Botschaft zur Teilrevision des Reglements in den Gemeinderat gehen wird, ist derzeit noch offen.

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