Frauenfeld
«Irgendwie schaffe ich es immer»: Fitnesszentrum Body Gym und die Ludothek Frauenfeld kämpfen gegen die Folgen des heftigen Unwetters

Das Fitnesszenturm Body Gym sowie die Ludothek in Frauenfeld sind Beispiele dafür, was grosse Wassermassen anrichten können. Während die Ludothek schon einer baldigen Wiedereröffnung entgegenfiebert, rechnet das Body Gym mit einem sehr hohen Schaden und einer verlängerten Sportpause.

Janine Bollhalder
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Cristina Famiglietti mit dem Wasserstaubsauger im Fitnesszentrum Body Gym.

Cristina Famiglietti mit dem Wasserstaubsauger im Fitnesszentrum Body Gym.

Bild: Olaf Kühne

Er liegt in der Luft, der modrige Geruch abgestandenen Wassers. Das Unwetter vom vergangenen Mittwoch hat für Überschwemmungen gesorgt. Davon betroffen ist auch das Fitnesszentrum Body Gym in Frauenfeld. «Etwa fünf Zentimeter hoch stand das Wasser», erzählt Cristina Famiglietti. Sie führt das Fitnesszentrum, dass es seit 35 Jahren gibt, zusammen mit ihren beiden Söhnen.

Cristina Famiglietti, Fitnesstrainerin und Gym-Inhaberin.

Cristina Famiglietti, Fitnesstrainerin und Gym-Inhaberin.

Bild: Olaf Kühne

Derzeit stehen für Famiglietti allerdings keine Fitnesskurse auf der Tagesordnung. Sie arbeitet sich mit einem Wassersauger durch das Studio. Es ist nicht der erste Vorfall, schon vor drei Jahren wurde das Fitnesszentrum an der Langfeldstrasse von Wassermassen überschwemmt. Damals mussten sämtliche Böden neu gemacht werden und auch jetzt kann Famiglietti schon mit Sicherheit sagen, dass das Laminat ersetzt werden muss und die Wände teilweise einem neuen Anstrich bedürfen. Ob der Teppich das Unwetter überlebt hat, steht noch in Frage. Elektronik wurde keine beschädigt und, soweit sie das bis jetzt beurteilen kann, auch keine Fitnessgeräte.

Geschätzte Schadenshöhe von 55'000 Franken

Nach der Pandemie ist das Unwetter für Famiglietti ein zweiter, herber Schlag. Sie rechnet damit, dass die Aufräum- und Wiederherstellungsarbeiten bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen und sie das Fitnesszentrum erst dann wieder für die Mitglieder öffnen kann. Die Kosten der Schäden durch die Überschwemmung kann Famiglietti derzeit noch nicht genau abschätzen. Sie erinnert sich, dass sich die Schäden vor drei Jahren auf rund 40'000 Franken summierten. Bei den aktuellen Schäden rechnet sie mit bis zu 15'000 Franken mehr. Sie sagt:

«Inzwischen muss ich nebenbei Teilzeitjobs nachgehen, um finanziell über die Runden zu kommen.»

Die Situation trifft sie sehr, das sieht man. Doch ihren Optimismus scheint die Fitnesstrainerin nicht verloren zu haben. «Ich habe tolle Mitglieder. Als ich Bilder der Verwüstung auf den sozialen Medien veröffentlicht habe, meldeten sich unzählige Leute, die mir helfen wollten.» Hilfe, die Famiglietti derzeit noch nicht annehmen kann. Erst müsse sich der Versicherungsvertreter ein Bild von der Lage machen. Aber dann könne sie richtig loslegen mit dem Wiederaufbau. «Irgendwie schaffe ich es immer. Ich gebe nicht auf», sagt Famiglietti.

Spielsachen haben grösstenteils überlebt

Eine ähnliche Situation präsentiert sich an der Schlossmühlestrasse. «Erst dachte ich, dass das Unwetter bei uns keine Spur hinterlassen hat», sagt Bettina Baltensperger, Vorstandsmitglied der Ludothek Frauenfeld. Doch dann habe sie die Tür geöffnet und sei eingetreten – und prompt auf einem durchweichten Teppich gestanden. Von wo überall das Wasser in die Liegenschaft eingedrungen ist, darüber kann sie nur mutmassen. Sicher aber zum Teil durch die alten Fenster.

Das Team der Ludothek Frauenfeld hat die Spielwaren in die Höhe stellen müssen.

Das Team der Ludothek Frauenfeld hat die Spielwaren in die Höhe stellen müssen.

Bild: Olaf Kühne

Im Raum stehen drei Entfeuchtungsgeräte. Auch hier liegt ein modriger Geruch in der Luft. Die grobe Arbeit habe aber bereits die Feuerwehr gemacht, die das Schmutzwasser abgesogen hat. Dies ist allerdings nicht das erste Mal, dass die Ludothek Opfer einer Überschwemmung wurde, erinnert sich Baltensperger. Das sei bereits vor ein paar Jahren schon einmal der Fall gewesen, im Juni 2018.

Bettina Baltensperger, Vorstandsmitglied Ludothek Frauenfeld.

Bettina Baltensperger, Vorstandsmitglied Ludothek Frauenfeld.

Bild: Olaf Kühne

Messbar hoch stand das Wasser in der Ludothek nach dem vergangenen Mittwoch zwar nicht, dennoch hat das Team sämtliche Spiele in die Höhe stellen müssen. Der Schadensbetrag könne derzeit noch nicht geschätzt werden. «Das kommt ganz darauf an», sagt Baltensperger, «welchen Schaden die Computer genommen haben.» Die Spielsachen haben den Wassermassen grösstenteils getrotzt. Nur wenige Spiele seien aufgeweicht worden. Ob der Teppich ersetzt werden muss, wird sich noch zeigen. Er bedürfe aber sicher einer Reinigung, das steht schon klar.

Wiedereröffnung bereits am Mittwoch geplant

Weder das Coronavirus, noch das Unwetter würden die Ludothek jedoch langfristig schädigen. Baltensperger sagt:

«Natürlich ist dies aber wieder ein Dämpfer und je nach dem, wie lange wir brauchen, um wieder öffnen zu können, haben wir ein finanzielles Loch. Doch können wir damit umgehen.»

Wie bereits in den sozialen Medien sowie auf der Website veröffentlicht, plant das Team um Baltensperger, die Ludothek bereits am Mittwoch wieder zu eröffnen. Ob das klappt oder ob noch weitere Tage für den Wiederaufbau notwendig sind, werde sich erst noch zeigen. Baltensperger sagt: «Ich hoffe aber, wir können am Mittwoch zumindest einen Minimalbetrieb starten.»