Frauenfeld
Im Strafvollzug gefällt es ihm besser als im Wohnheim: 36-Jähriger wird der Brandstiftung schuldig gesprochen

Der Angeklagte hat in seiner Wut versucht, mit selbst fabrizierten Molotowcocktails das Wohnheim Adler in Frauenfeld in Brand zu setzen. Es gelang ihm, Feuer zu legen und einen Sachschaden zu verursachen. Er wird vom Bezirksgericht der Brandstiftung schuldig gesprochen und hat eine Freiheitsstrafe von fast zwei Jahren abzusitzen.

Janine Bollhalder
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Der Angeklagte wollte mit Molotowcocktails im Wohnheim Adler in Frauenfeld einen Brand legen.

Der Angeklagte wollte mit Molotowcocktails im Wohnheim Adler in Frauenfeld einen Brand legen.

Reto Martin

Der Angeklagte betritt in Handschellen in den Verhandlungssaal. Der 36-jährige gebürtige Aargauer ist der Brandstiftung angeklagt und derzeit im Kantonalgefängnis inhaftiert. Privatklägerin ist die Allianz Suisse Versicherung, Geschädigte das Wohnheim Adler, in welchem der Angeklagte von Dezember 2019 bis zur Tat wohnte. Die Verhandlung vor dem Bezirksgericht Frauenfeld findet im abgekürzten Verfahren statt.

Er sei schon länger unzufrieden mit seiner Wohnsituation gewesen, sagt der Angeklagte vor Gericht.

«Ich habe mich unwohl gefühlt und wollte weg. Einen Ausweg hatte ich jedoch nicht.»

Er habe sich immer mehr zurückgezogen. Als dann seine Wohnzeit im Frauenfelder Wohnheim verlängert wurde, rastete der 36-Jährige aus. Mit selbst fabrizierten Molotowcocktails wollte er im Adler Brände legen.

Am Morgen des 21. April 2020 schritt er zur Tat. Der Angeklagte kaufte sechs Bierflaschen sowie Benzin. Er füllte das Benzin in die Bierflaschen ab und wartete, bis die Heimbewohner ihr Mittagessen eingenommen hatten. Er betrat das Wohnheim und sagte zu einem anderen Bewohner, er solle so viele Personen wie möglich aus dem Gebäude holen. In einem der Büros zündete er den ersten Molotowcocktail. Ein Misserfolg, denn die Flasche drehte sich lediglich, zerbarst aber nicht. Die zweite Flasche warf er ebenfalls und wie beabsichtigt begann diese zu brennen.

Angeklagter stellte sich der Polizei

Nachdem der Brandalarm einsetze, kletterte der Angeklagte aus dem Fenster eines Büros. Im Garten verlangte er von der Heimleiterin sein Methadon. Weil es ja brannte, konnte sie ihm dieses nicht aushändigen. Daraufhin stieg der 36-Jährige auf eine Mauer, rief den Umstehenden zu, dass sie zur Seite gehen sollten, und zündete einen weiteren Molotowcocktail. Auch dieser verursachte wie geplant Feuer. Danach verliess der Angeklagte den Tatort und stellte sich der Polizei. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 7500 Franken.

Es ist nicht das erste Vergehen des Angeklagten. Vom Verfahren bezüglich der Brandstiftung wurde ein Verfahren wegen Pornografie abgetrennt. Ausserdem wurde er unter anderem bereits wegen mehrfacher sexueller Handlung mit Kindern, Vergehens gegen das Waffengesetz sowie mehrfachen Betäubungsmittelkonsums verurteilt.

Gemäss Anklageschrift hat der Angeklagte mit 13 Jahren zum ersten Mal Cannabis konsumiert, wenig später sei Alkohol hinzugekommen und dann Amphetamin. Nachdem seine Freundin ihn im Jahr 2012 verlassen habe, konsumierte er auch Heroin. Der Drogenkonsum sei neben der räumlichen Distanz auch ein Grund, weshalb der Kontakt zu seiner Familie im Aargau einen Riss bekommen habe. An der Verhandlung sagt er aus, dass er nun keine Drogen mehr nehme:

«Ich habe wieder zugenommen und nehme nur das Methadon.»

Auf die Frage des Gerichts, wie es ihm derzeit im Strafvollzug gehe, antwortet der Angeklagte: «Es geht mir gut – besser als im Wohnheim Adler.» Die Tagesstruktur schätze er, derzeit arbeite er in der Küche. Eine Arbeit, die er auch in Zukunft gerne weiter ausführen würde. Notfalls könne er sich aber auch eine Arbeit als Landschaftsgärtner vorstellen. Während seines vierjährigen Aufenthalts im Massnahmenzentrum Kalchrain hat der heute 36-Jährige eine Lehre als Ziergärtner abgeschlossen.

Der Angeklagte wurde im Juli 2019 auf eine einjährige Probezeit aus dem Strafvollzug entlassen. Da er aber nun während dieses Probejahrs ein weiteres Vergehen beging und bereits mehrere Einträge im Vorstrafenregister aufweist, steht es nicht gut um seine Prognose. Das Gericht spricht den 36-Jährigen der Brandstiftung schuldig. Aus der Reststrafe sowie der neuen Strafe resultiert eine neue Gesamtstrafe von 22 Monaten zu vollziehender Freiheitsstrafe. Er sei froh, dass bei seinem Wutausbruch niemand zu Schaden gekommen sei, sagt der Angeklagte. «Ich werde jetzt meine gerechte Strafe absitzen.» Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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