Frauenfeld
«Ich spüre manchmal eine Angst, über den Glauben zu sprechen»: Premiere von Alphalive-Onlinekursen über Sinn- und Glaubensfragen bewegt die Teilnehmenden

Virtuelle Gespräche über den Glauben: Die Evangelische Kirchgemeinde bot am Montagabend den ersten Alphalive-Onlinekurs an. Diskussionen entstanden via Videokonferenz.

Amina Mvidie
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Tanja Ammann führt als ehrenamtlich tätige Leiterin durch die Diskussion mit mehreren Personen, die jedoch aufgrund der Vertraulichkeit nicht zu sehen sind.

Tanja Ammann führt als ehrenamtlich tätige Leiterin durch die Diskussion mit mehreren Personen, die jedoch aufgrund der Vertraulichkeit nicht zu sehen sind.

Bild: Printscreen

«Man soll sich wohlfühlen dürfen», sagt Kursleiterin Tanja Ammann gleich zu Beginn des Abends. Zwei Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich für den Alphalive-Onlinekurs angemeldet, um offen und kritisch über Glaubensfragen allerart zu diskutieren und dabei neue Personen kennen zu lernen. Am Montagabend haben sich die Kursteilnehmenden online in einer Zoom-Videokonferenz getroffen. Schmunzelnd ergänzt Ammann:

«Da es sich hoffentlich alle zu Hause gemütlich gemacht haben, dürfte das Wohlfühlen etwas weniger schwerfallen.»

Zusammen mit Pfarrer Samuel Kienast und Anina Schwarz bildet sie das Alphalive-Team der Evangelischen Kirchgemeinde Frauenfeld.

Anstoss für anschliessende Besprechung

Am ersten Abend soll die Bedeutung des Lebens im Mittelpunkt stehen. Die Teilnehmenden erhalten zwei Links: Einer führt zu einem Lied und der andere zu einem 20-minütigen Video. Der kurze Film beschäftigt sich mit der Frage, ob das Leben mehr zu bieten hat. Menschen aus der ganzen Welt sprechen darin über ihre Lebenserfahrungen und über die Rolle, die ihr Glaube dabei spielt. Sowohl das Video als auch das Lied soll den Teilnehmenden als Anstoss für die anschliessende Besprechung in den Kleingruppen dienen.

Samuel Kienast, Pfarrer Evangelische Kirchgemeinde Frauenfeld.

Samuel Kienast, Pfarrer Evangelische Kirchgemeinde Frauenfeld.

Bild: PD

Bereits beim Abspielen des Videos kämpfen weniger technikaffine Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Problem. Doch das Alphalive-Team hat vorgesorgt und eine technische Unterstützung für den Abend organisiert. Für den nächsten Kurs in zwei Wochen bestehe aber noch Optimierungspotenzial, sagte Pfarrer Samuel Kienast am Ende des Abends und nimmt die Verbesserungsvorschläge von den Anwesenden dankend entgegen.

Ein Bild, eine Teetasse oder eine Spielzeugfigur

Nachdem die erste Hürde geschafft ist und alle ihre Kleingruppe gefunden haben, geht die Diskussionen los. Um die Stimmung etwas aufzulockern und seine Gegenüber kennen zu lernen, folgt eine kurze Vorstellungsrunde. Jede Person stellte sich mit seinem Vornamen und einem persönlichen Gegenstand vor. Ein Bild, eine Teetasse oder eine Spielzeugfigur – die Teilnehmenden strecken unterschiedliche Gegenstände in die Kameras.

Zunächst ist eine gewisse Zurückhaltung spürbar, doch dann erzählen einige, dass sie bereits das zweite Mal an einem Alphalive-Kurs teilnehmen. Sie hätten gute Erfahrungen gemacht und wollten sich nun mit neuen Leuten austauschen. Eine Person, deren Namen aus Vertraulichkeitsgründen anonym bleibt, erzählt:

«In meinem Umfeld spüre ich manchmal eine Angst, über den Glauben zu sprechen.»

Genau dieser Angst wolle Alphalive entgegenwirken. In der Diskussion sollen alle Fragen offen und kritisch besprochen werden dürfen, sagt Pfarrer Kienast. Auch Nichtgläubige seien herzlich willkommen, so seien die Diskussionen noch spannender. Auf die Frage, was würdest du Gott fragen wollen, folgen zugleich auch kritische Aussagen aus der Runde. Die Anwesenden würden nämlich wissen wollen, wieso es so viel Leid und Ungerechtigkeit auf der Welt gibt. Im Verlauf des Gesprächs konkretisiert Kienast seine Frage:

«Vielleicht müsste die Frage eher lauten, was würden Sie ihn oder sie fragen wollen?»

Die Gruppe schmunzelt, äussern möchte sich aber niemand dazu, ob Gott nun eine Frau oder ein Mann ist. Mit einem Schweigen geht der erste Kursabend nach rund anderthalb Stunden zu Ende. «Eine wichtige Regel ist, dass wir pünktlich aufhören», sagt Kienast. Dies, obwohl die Diskussionsrunde wegen technischer Probleme an diesem Abend kurz ausgefallen ist. In zwei Wochen jedenfalls geht das nächste Online-Treffen über die Bühne. Interessierte dürfen sich laut Kienast noch melden.