Frauenfeld
«Halle mit starkem Leuchtturmcharakter und minimalem Risiko»: Stadtrat legt dem Gemeinderat den Baurechtsvertrag für das geplante Athletikzentrum ans Herz

Nächste Hürde bis ins Ziel: Auf der Kleinen Allmend soll dank eines Baurechtsvertrags der Stadt eine Halle für Leichtathleten entstehen. Ob das Projekt ins Ziel kommt, darüber entscheidet der Gemeinderat.

Samuel Koch
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Diese Visualisierung zeigt das geplante «Athletics-Center» von aussen.

Diese Visualisierung zeigt das geplante «Athletics-Center» von aussen.

Bild: PD/Architektur Innoraum

Die Ziellinie ist sichtbar, doch sind beim gegenwärtigen Hürdenlauf noch nicht ganz alle Hindernisse gemeistert. Der Sprung über die nächste Hürde fürs geplante Athletikzentrum in der Kleinen Allmend liegt in den Händen des Gemeinderates, der über den Baurechtsvertrag entscheidet. Dazu legt der Stadtrat dem Parlament jetzt eine Botschaft vor, denn fürs «Athletics-Center» benötigt der Leichtathletikclub Frauenfeld (LCF) eine knapp 2100 Quadratmeter grosse Parzelle auf der Sportanlage Kleine Allmend, parallel zur Autobahn A7.

Geht es nach dem Stadtrat, soll das selbstständige Baurecht auf der Parzelle 50'338 zwischen Thur- und Hummelstrasse 33 Jahre bestehen und mit einem jährlichen, indexierten Baurechtszins von 2824 Franken abgegolten werden. Dieser ergibt sich durch einen Landwert von rund 690'000 Franken und einen errechneten Zins von 1,35 Franken pro Quadratmeter, den die Stadt im Sinne der Gleichbehandlung mit anderen Baurechtsnehmern auf der Kleinen Allmend wie der Turnfabrik oder der geplanten Sandhalle übernommen hat. In seiner Botschaft schreibt der Stadtrat, dass «mit dem Bau einer Leichtathletikhalle ein Mehrwert für die Sportstadt Frauenfeld generiert werden kann». Und weiter:

«Diese Leichtathletikhalle-Halle wird einen starken Leuchtturmcharakter aufweisen und in der Leichtathletik-Szene in der ganzen Schweiz wirken.»

Gibt der Gemeinderat grünes Licht, will der LCF für 2,2 Millionen Franken eine eingeschossige Trainings- und Wettkampfhalle aus einer Stahlkonstruktion bauen, um seinen rund 300 Mitgliedern auf einem Kunststoffbelag für die verschiedenen Disziplinen Sprint, Hürden oder Stabhochsprung übers ganze Jahr optimale Bedingungen zu ermöglichen. Den Grossteil der Finanzierung ist gesichert, wie die Verantwortlichen bei einer Medienorientierung Anfang April sagten.

Die fürs Projekt vorgesehene Stiftung soll die Halle dem LCF sowie dem Leichtathletikverein Winterthur (LVW) als Partner zur Miete überlassen, um die jährlichen Betriebskosten von rund 90'000 Franken zu decken. Eine Eingliederung in die im benachbarten Auen bestehende Sportschule für die Sportart Leichtathletik ist vorgesehen. Zudem sollen auch andere Vereine zum Handkuss kommen, um der angespannten Turnhallensituation entgegenzuwirken.

Marginale Auswirkungen auf Finanzhaushalt

Die Auswirkungen auf den städtischen Finanzhaushalt bezeichnet der Stadtrat als marginal. «Durch das Bauprojekt fallen keine Einnahmen aus der Vermietung weg, weil die Randfläche bisher nicht vermietet werden konnte», schreibt der Stadtrat. Ausserdem sei das Risiko mit der privatwirtschaftlichen Finanzierung minimal. So muss die nichtprofit-orientierte Stiftung «Athletics-Center» die Halle über die Laufzeit des Baurechtsvertrages selbstständig amortisieren und baulich unterhalten. In der Botschaft ebenso geregelt ist der Heimfall, der entweder ordentlich nach Ablauf der vertraglichen Laufzeit oder vorzeitig entschädigt wird.

Diese Visualisierung zeigt, dass in der Halle in Zukunft auch Stabhochsprünge unter einem Dach stattfinden können.

Diese Visualisierung zeigt, dass in der Halle in Zukunft auch Stabhochsprünge unter einem Dach stattfinden können.

Bild: PD/Architektur Innoraum

Die Anlage darf erst dann realisiert werden, wenn die komplette Finanzierung des Projektes sichergestellt ist. Und sollte die Halle nicht zwei Jahre nach Erteilung des Baurechts in Betrieb gehen, entfällt das Baurecht wieder. Geht alles nach Plan, sollen die Bauarbeiten noch diesen Herbst beginnen und bereits im Winter abgeschlossen sein.

Die Erschliessung erfolgt mit umliegenden Stadtbus- und Postautohaltestellen sowie mit bestehenden Parkplätzen. Energetisch verpflichtet sich der LCF, die Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien in Minergie-P zu gewährleisten, unter anderem mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Hallendach. Der Anschluss ans Fernwärmenetz indes hat sich als «unwirtschaftlich» herausgestellt.

Ohne Einschränkungen für andere Vereine

Unabhängig vom jetzigen LCF-Projekts hat die Stadt unlängst ein Gesamtkonzept Sportanlagen aufgegleist, wozu derzeit eine Bestandsaufnahme aller Nutzer gemacht wird. Die Fläche fürs Athletikzentrum jedoch hat der Stadtrat bereits einer Sondernutzung zugesprochen, die den bestehenden Betrieb nicht tangiert. Mit dem jetzigen Baurechtsvertrag will der Stadtrat dem Gesamtkonzept somit nicht vorgreifen.

Die Visualisierung zeigt das geplante Athletikzentrum hinter der Tartanbahn auf der Kleinen Allmend.

Die Visualisierung zeigt das geplante Athletikzentrum hinter der Tartanbahn auf der Kleinen Allmend.

Bild: PD/Architektur Innoraum

Die Halle ist auf einem «kaum mehr bespielten Fussballplatz respektive heute ungenutzten Platz für Faustballturniere» geplant. Der Stadtrat schreibt:

«Deshalb beeinträchtigt die neue LCF-Halle die bisherige Nutzung durch die Vereine nicht.»

Gemäss dem zuständigen Amt für Freizeitanlagen und Sport jedenfalls kann der restliche Trainings- und Spielbetrieb weiterhin ohne Einschränkungen stattfinden, obwohl die Wurfanlage für Hammer und Diskus leicht nach Süden versetzt werden muss.

Der Stadtrat glaubt, dass die Leichtathletikhalle das Angebot der Kleinen Allmend bereichert und die Standortattraktivität ganzjährig erhöht. Die neue Anlage füge sich städtebaulich und funktionell sehr gut ins Gesamtkonzept ein, weshalb der Stadtrat dem Gemeinderat die Genehmigung des Baurechtsvertrags beantragt. Übrigens: Stadtrat und LCF-Vorstandsmitglied Andreas Elliker befand sich bei diesem Geschäft im Ausstand.