Frauenfeld feiert Nationalfeiertag ausgelassen mit viel Tanz und Tradition

Trotz Corona liess sich die Stadt Frauenfeld ihre Nationalfeier nicht nehmen – mit Feuerwerk, Funken und den notwendigen Schutzmassnahmen.

Samuel Koch
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Genau hingeschaut: Kinder beobachten einen Auftritt der Rock Academy mit Argusaugen.

Genau hingeschaut: Kinder beobachten einen Auftritt der Rock Academy mit Argusaugen.

Bild: Reto Martin

Lange Zeit herrschte Ungewissheit. Ungewissheit, wie viele Besucherinnen und Besucher am Freitagabend trotz brütender Hitze und aufflammenden Coronastatistiken tatsächlich den Weg zur Rüegerholzhalle auf sich nehmen würden.

Gestartet war der Reigen dann auch mit mässigem Besucherandrang, als der Thundorfer Alleinunterhalter Reto Eigenmann mit etwas besserer Play-back-Show unter anderem Stadtpräsident Anders Stokholm und seine Gattin Vera zum Klatschen und Wippen animieren konnte. Ein älteres Paar spielte Eisbrecher für alle Tanzwilligen. «100 Prozent Power» stand auf seinem T-Shirt. Versprochen hatte der Spruch nicht zu viel beim Anblick, wie er seine Tanzpartnerin über den Parkplatz führte. Etwas abseits derweil sassen Kinder im Kreis und schleckten kühlende Glace.

Die Besucher stimmen zur Nationalhymne an.
24 Bilder
Dank Liedtexten können alle Besucher sämtliche Strophen mitsingen.
In dieser Hitze steht Glace hoch im Kurs.
Alleinunterhalter Reto Eigenmann fokussiert auf sein Kerngeschäft.
Gemeinderatspräsident Elio Bohner tritt als Festredner auf.
Mitglieder der Rock Academy begeistern mit ihrem Auftritt.
Sobald dunkel, brennt der riesige Augustfunken.

Die Besucher stimmen zur Nationalhymne an.

Bild: Reto Martin

Von der Tradition zu heutigen Säulen

Zunächst rund 70, später bis zu 120 Gäste verköstigen sich an den Verpflegungsständen des organisierenden EHC Frauenfeld. Stets allgegenwärtig: Die Coronaschutzmassnahmen, sei es mit Absperrgittern bei der Fassstrasse oder auf den Tischen, an denen maximal sechs Personen sitzen durften und zwecks Rückverfolgbarkeit die Kontaktdaten hinterlassen werden mussten.

Passend zu den Eishockeyanern trat später der frisch gewählte EHC-Präsident Elio Bohner als amtierender Gemeinderatspräsident ans Mikrofon. Stadtpräsident Stokholm begrüsste ihn auf der kleinen Bühne, bei Bohners «doppeltem Heimspiel».

Gemeinderatspräsident Elio Bohner während seiner Festrede.

Gemeinderatspräsident Elio Bohner während seiner Festrede.

Bild: Reto Martin

Zunächst in Erinnerungen an die drei Rütlischwurherren mit ihren drei Fingern in der Luft anno 1291, rückte Bohner seine persönlichen Sinnbilder als drei Säulen in den Fokus seiner Rede, welche die Schweiz und ihren Nationalfeiertag ausmachen: Pioniergeist und Stolz, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit sowie Solidarität und Gemeinsinn. Im Beisein von Frau und Familie sagte Bohner:

«Die Tradition sorgt dafür, dass wir bisher noch mit allem zurechtgekommen sind.»

Als Ökonom müsste er in diesem Krisenjahr eigentlich sagen, dass sich die Bevölkerung auf die freie Wirtschaft und den Kapitalismus verlassen könne. «Aber darauf war in diesem Fall absolut kein Verlass», sagte Bohner.

«Dafür aber auf Selbstständigkeit, Zusammenhalt, Solidarität und Gemeinsinn, gekoppelt mit einem gewissen Stolz und dem nötigen Pioniergeist.»

Das Zusammenstehen – in Zeiten von Abstandsregeln nur bildhaft gesprochen – sei wichtig für ein funktionierendes Land wie die Schweiz. Es gelte, die Demokratie als grosses Privileg und den gelobten Gemeinsinn auszuleben, sagte Bohner, ehe er in breitem Bärndütsch Troubadour Mani Matters Lied «Dynamit» zitierte: «En Augustred het ghaute, dases es Ross patriotisch het gmacht. Z Rütli u d Freyheyt u d Demokratie.»

Das obligate Singen der Nationalhymne verlief bis auf ein kleines Missverständnis zum Schluss gesittet. Bei der dritten Strophe aber divergierten plötzlich die Texte der beiden einzigen Herren mit Mikrofon: Stapi Stokholm und Reto Eigenmann. Für nachtragende Worte oder deshalb gar hitzige Gemüter war es dann doch zu warm.

Riesige Holzbeige brennt innert kürzester Zeit

Bereits während der akrobatischen Einlagen der Tänzerinnen und Tänzern der Rock-Academy zündeten einige ungeduldige Jungspunde auf der Wiese erste Leuchtstäbe und Raketen, stets unter Beobachtung von Feuerwehrmann Vicente Ceballos.

Kaum dunkelte es ein, entflammte innert Kürze die riesige Holzbeige auf der angrenzenden Wiese. Obwohl Stokholm eingangs in seiner Ansprache ermahnte, für einmal den Funken aus der Ferne zu betrachten, zog es Schaulustige in die Nähe wie Mücken ins Licht. «Wir wollten trotz Corona an unserer Bundesfeier festhalten», sagte Stokholm mit dem Wermutstropfen, dass zur Feier am Samstag im Alterszentrum Park für einmal keine Gäste zugelassen waren. Deshalb blies er am Freitag zum Angriff:

«Jetzt erst recht.»

Und dazu passte auch das Schlussbouquet mit dem lodernden Funken, der bis in die frühen Morgenstunden weiter glühte.

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