Frauenfeld feiert die Wurzel der Musik

Das Blues Festival Frauenfeld findet heuer zum zehnten Mal statt und gilt als das grösste seiner Art in der Schweiz. Festivalgründer Ruedi Laubacher hat doppelten Grund zum feiern, denn er wird 80 und hofft auf eine Nachfolge.

Stefan Hilzinger
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Konzertatmosphäre am Blues Festival in der Rüegerholzhalle. (Bild: PD/Daniel Tscharner)

Konzertatmosphäre am Blues Festival in der Rüegerholzhalle. (Bild: PD/Daniel Tscharner)

Die Summen sind beträchtlich. «Sehen Sie», sagt Ruedi Laubacher und zeigt auf eine Liste mit Zahlen. Jahr für Jahr seit 2010 hat der Gründer und Organisator des Blues Festival Frauenfeld die Defizite des Anlasses aus dem eigenen Sack bezahlt. Mehrere zehntausend Franken insgesamt. «Aber wissen Sie, wenn ich Golf spielen würde, müsste ich dafür jährlich auch einige tausend Franken aufwenden», sagt er.

Doch der bald 80-Jährige lebt eben für den Blues und für das von ihm lancierte Festival in der Thurgauer Hauptstadt. Es nennt sich mittlerweile «Grösstes Blues Festival der Schweiz», gemessen an den 800 bis 900 Gästen pro Abend in der Rüegerholzhalle.

Als junger Mann Tanzmusik gemacht

Musik genoss in Laubachers Leben schon in jungen Jahren einen hohen Stellenwert. Er spielte als kaum 20-Jähriger Tenorsaxofon und Klarinette im Sextett von Paul Weber. «Wir machten Tanzmusik, wie es damals üblich war. Paul Weber wurde übrigens später Mitglied der Pepe Lienhard Big Band.» Lienhard, wie Laubacher ein gebürtiger Aargauer, ist Laubachers Stargast am Jubiläumsfestival.

Ruedi Laubacher. (Bild: PD)

Ruedi Laubacher. (Bild: PD)

«Pepe spielt wie die anderen Bands 50 Minuten plus Zugabe», sagt Laubacher. Vielleicht gebe es noch eine zweite Zugabe, weil Lienhard an dem Abend seinen 73. Geburtstag feiert. Doch viel Spielraum ist nicht, denn Laubachers Festival ist durchgetaktet. Er blättert in einem Ordner. «Sehen Sie, hier sind die Zeiten für den Soundcheck notiert», sagt er. Von Musikern erwartet er Pünktlichkeit.

Alles ist in einem dicken Handbuch geregelt

«Für mich gibt es nichts Ärgerliches, als wenn ich an einem Konzert auf den Auftritt der Band warten muss», sagt Laubacher. Der Ordner mit Ablaufplänen und Materiallisten – «meine Festival-Bibel» – sollte einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin an der Spitze des Festivalvereins die Arbeit erleichtern. Er ist guter Hoffnung, das Festival in jüngere Hände übergeben zu können. Laubacher sagt:

«Es müsste einfach jemand mit Herzblut und Begeisterung sein.»

Zu Beginn fand das Festival im Casino statt. «Der Saal war für unseren Anlass leider nicht optimal.» Dann wechselte der Anlass in die Rüegerholzhalle. «Hier mussten wir punkto Akustik Lehrgeld bezahlen», sagt Laubacher. Seit einigen Jahren sorgt professionelle Ton- und Lichttechnik für Konzertatmosphäre. Das Geschehen auf der Bühne wird auf Bildschirme übertragen. «Da sieht das Publikum die Finger des Pianisten im Grossaufnahme», sagt Laubacher.

Die Stadt Frauenfeld hat den Anlass von Beginn weg unterstützt, auch finanziell, was Laubacher dankend anmerkt. Etwas harziger war es, die Gunst des hiesigen Publikums zu gewinnen. «Rund zwei Drittel der Gäste kommen von auswärts», sagt er. Viele dächten wohl zu sehr an Jazz, wenn sie Blues hörten. «Dabei ist der Blues doch die Wurzel der Musik, die von Herzen kommt und zu Herzen geht.»

Big Band und Balalaika-Blues

Das 10. Blues Festival Frauenfeld wartet am kommenden 23. März in der Rüegerholzhalle mit einem besonderen Leckbissen auf: Als Stargast konnte Festival-Organisator Ruedi Laubacher Pepe Lienhard mit Big Band und Sängerin gewinnen. Laubacher und Lienhard sind Nachbarn im Kurzdorf. «Die Big Band wird uns eine Blues-Show präsentieren, die für alle unvergesslich bleiben wird», verspricht das Programmheft. Ebenfalls am Hauptabend auf der Bühne stehen Rosedale mit Sängerin Amandyn Rose aus Frankreich und Big Blues & Soul Revue featuring Mike Anderson aus Dänemark.
Der Auftakt zum Jubiläum findet am Samstag, 16. März, im Eisenwerk statt. Dort spielt die Band Moscow Beatballs aus Russland den Blues auf der Balalaika. Gleichenorts sind an dem Abend auch Get the Cat aus Deutschland zu hören. Am Sonntag, 17. März, gastiert der Schweizer Blueser Dominik Schoemaker in der Esse Musicbar in Winterthur.
Vielfältig ist auch das Programm am Freitag, 22. März, in der Rüegerholzhalle, wo unter anderem Gisele Jackson & Raphael Wressnig’s Soul Gift zu hören sind. Der Grazer Wressnig gilt als einer der beste Blues-Hammond-Spieler weltweit. (hil)

Hinweis: 
Weitere Informationen unter www.bluesfestival-frauenfeld.ch

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