Frauenfeld
«Die Sinnhaftigkeit kehrt endlich zurück»: Voller Vorfreude blicken die Museen und der Plättli Zoo auf die Wiedereröffnung

Mit dem Entscheid des Bundesrates können die Museen und Zoos ihre Türen für Besucher ab nächster Woche wieder öffnen. Obwohl die Arbeit auch in den vergangenen zwei Monaten nicht ausging, fehlte ihnen das Publikum.

Sophie Ade
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Archäologe Urs Leuzinger rüstet die Mondhornausstellung im Museum für Archäologie mit dem Schutzkonzept aus.

Archäologe Urs Leuzinger rüstet die Mondhornausstellung im Museum für Archäologie mit dem Schutzkonzept aus.

Bild: Andrea Stalder

Sie können aufatmen. Bis gestern mussten die Verantwortlichen der Frauenfelder Museen und des Plättli Zoos bangen. Doch nun erhielten sie definitiv grünes Licht für die Wiedereröffnung am Montag, 1. März. Mit den Betreibern können auch die Familien und Interessierte aufatmen, für deren Freizeitgestaltung wieder mehr Optionen offenstehen. Nun laufen die Vorbereitungen für die Wiedereröffnung auf Hochtouren. Wobei diese gar nie heruntergefahren worden sind, wie Gabriele Keck, Direktorin des Historischen Museums im Schloss Frauenfeld, sagt.

«Die vorherrschende Meinung ist, dass das Museum während der Schliessung für die Öffentlichkeit nichts zu tun hat», sagt sie und führt durch das Schloss, das aussieht wie immer. Nur ohne Besucher. Dem sei aber nicht so. Im Gegenteil:

Gabriele Keck, Direktorin des Historischen Museum Thurgau.

Gabriele Keck, Direktorin des Historischen Museum Thurgau.

Bild: PD
«Die Züge fahren im Hintergrund weiter, viele Projekte konnten vorangetrieben werden.»

Das liegt daran, dass Ausstellung und Vermittlung nur ein Bereich der Museumsarbeit ausmachen. Die Planung für eine Ausstellung übersteigt den Zeitraum von einem Jahr, sodass es viel vorzubereiten gibt.

Ausserdem müsse in den Räumen regelmässig geputzt sowie die Raumtemperatur und Feuchtigkeit im Auge behalten werden, damit die Ausstellungsstücke keinen Schaden nehmen. «Daneben sind wir mitten in den Vorbereitungen für die Wiedereröffnung der Sonderausstellung ‹Thurgauer Köpfe – Tot oder lebendig› im Alten Zeughaus und der Saisonstart im Schaudepot St.Katharinental steht auch vor Tür», sagt Keck und steigt über Holzplatten, die am Boden liegen. «Die müssen bis Montag auch noch weg.»

Das Historische Museum Thurgau im Schloss Frauenfeld.

Das Historische Museum Thurgau im Schloss Frauenfeld.

Bild: Donato Caspari (18.11.2016)

Derselbe Ablauf und doch nicht dieselbe Arbeit

Die vergangenen zwei Monate bedeuteten für die Mitarbeiter des Historischen Museums also keine grossen Umstellungen. «Wir sind uns das teilweise Arbeiten vom Homeoffice aus gewohnt, und so haben sich auch die Tagesabläufe nicht gross verändert», sagt Keck. Doch ganz nach normalem Museumsalltag fühlte sich die Zeit trotzdem nicht an. Keck fasst ihre Gefühle zusammen:

«Ein Museum ohne Publikum ist kein Museum. Es war, als hätten wir gekocht und keiner ist zum Essen an den Tisch erschienen.»

Ein Museum würde von Applaus, Publikum und von positiver als auch negativer Kritik leben. Diese Aspekte ihrer Arbeit haben gefehlt. Im gleichen Zug wurde auch den Besuchern ein Begegnungsort genommen. «Hier trifft man eigentlich Menschen. Das fehlt sowohl den älteren Menschen als auch den Familien», sagt Keck, für die leuchtende Kinderaugen der schönste Lohn für ihre Arbeit sind.

Ebenfalls in den Startlöchern steht das Museum für Archäologie. Der Archäologe Urs Leuzinger erzählt:

Urs Leuzinger, Archäologe im Museum für Archäologie.

Urs Leuzinger, Archäologe im Museum für Archäologie.

Bild: Andrea Stalder
«Die Freude ist riesig und ich bin voller Tatendrang und Motivation.»

Obwohl die letzten Monate nicht von Langeweile geprägt waren und die Arbeit nie ausging, sei es schade gewesen, die Begeisterung nicht an die Leute weitergeben zu können.

Bedauern löste ebenfalls die Tatsache aus, dass die Funde der Mondhornausstellung beinahe niemand zu Gesicht bekommen hat, da diese erst unmittelbar vor dem Lockdown für die Öffentlichkeit zugänglich gewesen ist und wenige Tage nach der Wiedereröffnung bereits endet. «Für die Ausstellung haben wir mit Biel, Zug, Liestal und Lenzburg zusammengearbeitet. So viele Stücke auf einen Schlag gab es noch nie», sagt Leuzinger, der diese mangelnde Aufmerksamkeit zwar bedauert, allerdings gleichzeitig freudig auf die kommende Mittelalter-Ausstellung blickt.

«Dadurch, dass alle Mitarbeiter viel Herzblut und Zeit in die nächste Ausstellung investieren konnten, bin ich der festen Überzeugung, dass diese hervorragend wird.»

Die Nase voll von Netflix und Co

Die Besucherzahlen schätzt er als zunehmend gross ein, wie seine Erfahrungen aus dem letzten Lockdown untermauern. «Die Leute sind vorerst etwas zaghaft, aber je länger, je mehr wird es sie in die Museen ziehen, da sie genug von Netflix und Youtube haben», meint Leuzinger.

Das Museum für Archäologie an der Promenade darf ab Montag, 1. März 2021, wieder Besucher empfangen.

Das Museum für Archäologie an der Promenade darf ab Montag, 1. März 2021, wieder Besucher empfangen.

Bild: Andrea Stalder

Seit einigen Monaten ist das Museum bereit, um wieder Besucher zu empfangen. Doch diese blieben aufgrund der Covid-19-Bestimmungen aus. So war Zeit da, um sich Arbeiten zu widmen, die bei Normalbetrieb nicht möglich gewesen wären. «Die Maler waren beispielsweise da, oder unser Parkett wurde neu versiegelt.»

Jetzt aber gehe es vor allem darum, den Leuten zu sagen, dass die Museen wieder geöffnet sind und die Angst vor einer Ansteckung in deren Räumen überflüssig sei. «Der vergangene Lockdown hat gezeigt, dass unser Schutzkonzept ausreichend ist», sagt Leuzinger, der die Rückmeldungen der Besuchenden und die Führung mit den angekündigten Schulklassen kaum erwarten kann.

Ähnlich steht es um die Freude im Historischen Museum. Museumsdirektorin Gabriele Keck sagt:

«Jetzt wird unsere Qualitätsarbeit wieder wahrgenommen und die Sinnhaftigkeit kehrt endlich zurück.»

Geprägt von bereits gemachten Erfahrungen sind die Erwartungen hoch. «Sobald eine Veranstaltung in der Vergangenheit abgesagt wurde, haben sich die Leute nicht abschrecken lassen und ihren Besuch direkt umgebucht», erzählt Keck. Daher rechnet das Museum mit vielen Besuchern. Auch wenn die Eröffnung im Historischen Museum erst am Dienstag erfolgt, müsse noch einiges auf Vordermann gebracht werden.

Die Schliessung als eine Art Ferien

Beim Plättli Zoo waren es lauter Kleinigkeiten, die nebst dem täglichen Pflegen der Tiere hinsichtlich der Wiedereröffnung erledigt werden müssen. Dazu zählen etwa das Reinigen des Teichs oder Bereitstellen von Tischen und Bänken. «Doch das ist alles nicht wirklich der Rede wert», sagt Walter Mauerhofer, Besitzer des Plättli Zoos.

Walter Mauerhofer, Besitzer des Plättli Zoos, mit seinen beiden Kamelen.

Walter Mauerhofer, Besitzer des Plättli Zoos, mit seinen beiden Kamelen.

Bild: Kevin Roth

Wo die Schliessung des Betriebs für andere eine reine Qual und mit viel zusätzlicher Arbeit verbunden war, stellte sie für den Besitzer des einzigen Frauenfelder Zoos Ferien dar.

«Ich genoss es, dass ich viel Zeit für die Pflege meiner Tiere hatte und die Reinigung der Gehege bis zum Abend warten konnte.»

Insgesamt konnte es das ganze Team des Plättli Zoo ruhiger nehmen, auch wenn die Tiere genau gleich versorgt werden mussten. Die ausbleibenden Besucher störten Mauerhofer nicht gross. «Wenn ich am Morgen zu meinen Tieren kann, bin ich zufrieden.»

Doch nun sei es aber auch wieder richtig und wichtig, dass der Zoo seine Tore für Besucher wieder öffne. «Schliesslich möchten wir auch wieder Geld verdienen, damit wir auch eine erneute Wiederholung der Situation überleben würden», sagt Mauerhofer, dessen Zoo innerhalb eines Jahres rund 150 Tage geschlossen war. Trotz Besucherobergrenze und Sicherheitsmassnahmen freut er sich auch auf die Leute, die wieder Leben in den Zoo bringen. Auch auf dem Spielplatz, der nach zwei Monaten gereinigte wurde, sollen sich die Kinder wieder erfreuen.