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Frauenfeld - die Hauptstadt
der Buch- und Druckkunst

An der 14. Buch- und Druckkunst-Messe im Eisenwerk haben über 50 internationale Aussteller ihr Handwerk gezeigt. Das reichte von Lettern aus Blei über handgeschöpftes Papier bis hin zu kunstvoll genähten Buchseiten.
Ursula Ammann
Impressionen von der Buch- und Druckkunst-Messe im Eisenwerk Frauenfeld. (Bilder: Andrea Stalder)

Impressionen von der Buch- und Druckkunst-Messe im Eisenwerk Frauenfeld. (Bilder: Andrea Stalder)

Die Zahnräder rotieren. Arme aus Metall fahren nach oben und unten, nach links und nach rechts. Dann rutscht eine kleine, in Blei gegossene Schriftzeile aus der 1,6 Tonnen schweren Setzmaschine. Der Apparat, den der Bischofszeller Druck- und Museumsbetrieb Typorama an die 14. Frauenfelder Buch- und Druckkunst-Messe mitgebracht hat, ist 1923 erbaut worden und war damals etwa so teuer wie ein Einfamilienhaus.
Von der Grösse und Komplexität überwältigt, bleiben einige Besucher davor stehen.

Auch Gabrielle und Urs Engeler aus Mörschwil sind fasziniert. Nicht nur von der Technik, sondern vom Anlass überhaupt: von den Ausstellern, von deren Auslagen, von der Vielfalt. «Es ist schön zu sehen, mit welchem Eifer die Buch- und Druckkünstler ihrer Arbeit nachgehen und mit wie viel Liebe ihre Werke gemacht sind», sagt Gabrielle Engeler.

Ein Besucher schaut dem Maschinensetzer bei der Arbeit zu.

Ein Besucher schaut dem Maschinensetzer bei der Arbeit zu.

Sich zurückziehen und wegtauchen

Handgeschöpftes Papier, Linolschnitte, alte Setzmaschinen oder Gedichtbände, die fürs Auge ein Gedicht sind: Das und vieles mehr vereint die Frauenfelder Buch- und Druckkunst-Messe. Ihr geistiger Vater ist Beat Brechbühl, Verleger, Autor und gelernter Schriftsetzer. Er hat den Anlass vor 27 Jahren ins Leben gerufen und im Eisenwerk, wo auch sein Waldgut Verlag beheimatet ist, einen idealen Austragungsort dafür gefunden. Die Messe ist eine Ode ans Handwerk und setzt unweigerlich einen Gegenpol zur Digitalisierung. «Der Zugang zur Literatur führt auch über die Gestaltung», sagt Brechbühl. Ein schön gemachtes Buch, das man in den Händen halte, schaffe die Qualität von Privatheit. «Man kann sich damit zurückziehen und in eine andere Welt eintauchen.»

Von Hand geschrieben, weil politisch verfolgt

Mehr als 50 Aussteller aus der Schweiz und dem nahen Ausland haben sich in den Hallen eingerichtet. Unter ihnen ist auch Christian Ewald, Buchkünstler aus Berlin und Ehrengast der diesjährigen Messe. Ewald ist in der DDR aufgewachsen. Weil es ihm damals als Jungdichter und -verleger politisch verboten wurde, Bücher zu drucken, hat er sie von Hand geschrieben. Eine weitere Spezialität Ewalds kommt zum Vorschein, als er in einem seiner kunstvoll hergestellten Bücher blättert. Auf den Seiten hat er mit der Nähmaschine feine Linien ins Papier gesetzt und Illustrationen aus Nähten geschaffen. «Der Faden ist mein Markenzeichen», sagt der gelernte Schriftsetzer, Grafiker, Autor und Verleger der Katzengraben-Presse.

Schmökern in allerhand Drucksachen.

Schmökern in allerhand Drucksachen.

Einmal habe ihn eine Schneidermeisterin angesprochen, erzählt er. «Sie meinte, bei mir stimme etwas mit der Unterfadenspannung nicht.» Ewald erklärte ihr, dass er diese absichtlich verstellt habe, damit die Seiten nicht reissen. Im Nähen von Papier kennt er sich aus wie kein anderer. Er «unterschreibt» sogar Rechnungen mit einer Fadenspur.
Bücher zum Anfassen sind auch bei Jungen beliebt

Jüngere greifen wieder zu Gedrucktem

Die Geschichte der Buch- und Druckkunst ist Jahrhunderte alt. Doch wer schreibt sie im digitalen Zeitalter fort? Es gebe durchaus Zeichen, dass dieses Handwerk weiterlebe, sagt Beat Brechbühl und nennt ein Beispiel: «Von Grafiklehrern habe ich erfahren, dass junge Leute wieder gerne gedruckte Bücher lesen und selbst solche gestalten wollen.» Auch der Besucherandrang am Wochenende ist Zeichen dafür.

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