Kita-Streit in Frauenfeld: Impfpflicht nur wegen des Medienhypes 

Die Kindertagesstätte (Kita) Bubble Bees, die ausschliesslich Kinder aufnimmt, welche gegen Masern und Keuchhusten geimpft sind, polarisiert. Nun bezichtigt die Geschäftsführerin einer in der Region bereits etablierten Kita den «Bubble Bees»-Betreiber, einen Medienhype losgetreten und keine rechtsgültigen Verträge mit Betroffenen zu haben. Der Beschuldigte seinerseits relativiert.

Christine Luley/Samuel Koch
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Eine Medizinassistentin verpasst einem Patienten eine Grippeimpfung. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Eine Medizinassistentin verpasst einem Patienten eine Grippeimpfung. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Die Kindertagesstätte (Kita) Bubble Bees nimmt ausschliesslich Kinder auf, die gegen Masern und Keuchhusten geimpft sind. Diese Meldung hat vergangene Woche in der Region Frauenfeld für einigen Gesprächsstoff gesorgt, auch im Umfeld anderer Kitas.

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Mike Helmy Geschäftsführer Kita Bubble Bees. (Bild: Andrea Stalder)

Mike Helmy Geschäftsführer Kita Bubble Bees. (Bild: Andrea Stalder)

Seit Oktober 2018 bereitet Geschäftsführer Mike Helmy in Frauenfeld im alten Postgebäude an der Rheinstrasse die Eröffnung der neuen Kita Bubble Bees vor. «Deshalb ist das Impf-Thema doch auch in Frauenfeld relevant», meint Helmy zum entstandenen Medienhype.

Derzeit laufe das Bewilligungsverfahren für «Bubble Bees» in Frauenfeld. Bisher führt Helmy sechs seiner Kitas im Raum Zürich und Baden. Helmy meint:

«Im Moment führen wir in Frauenfeld eine Spielgruppe mit weniger als fünf Kindern, die deshalb nicht bewilligungspflichtig ist.»

Die hingegen bewilligungspflichtige «Bubble Bees» in Frauenfeld soll spätestens im Herbst eröffnet werden.

Gesetzliche Grundlage für Impfpflicht fehle

Fabienne Salathé, Geschäftsführerin Kita Chinderhuus Zauberwald. (Bild: Samuel Koch)

Fabienne Salathé, Geschäftsführerin Kita Chinderhuus Zauberwald. (Bild: Samuel Koch)

Im Gegensatz zur Praxis bei «Bubble Bees» kennt die Hüttwiler Zauberkita keine Impfpflicht. «Aus unserer Sicht fehlt die gesetzliche Grundlage», meint Geschäftsführerin Fabienne Salathé von der Kita Chinderhuus Zauberwald, zu welcher die Zauberkita gehört. Salathé findet es störend, «dass die Kita Bubble Bees mit der Impfthematik im Fokus der Medien steht».

Dabei seien ganz andere Themen von grösserer Bedeutung: Der Betrieb einer Kita werde je länger desto mehr zu einem Spagat, der Qualitätsanspruch steige, Löhne in der Betreuung seien tief und die finanzielle Belastung für Familien hoch. Salathé ist überzeugt, dass Kinderbetreuung nicht einfach Aufgabe einer privaten Trägerschaft ist. Wenn die Finanzierung durch Staat oder Wirtschaft nicht verbessert werde, steuere die Branche auf eine Krise zu, meint Salathé.

«Ohne ehrenamtliches Engagement, Herzblut und einer grossen Portion Idealismus ist eine qualitativ gute Kinderbetreuung heute nicht möglich.»

Salathé kennt Familien, die nach einem Versuch bei «Bubble Bees» in anderen Kitas gelandet sind. Die Betreffenden hätten keinen rechtsgültigen Vertrag und nur leere Versprechungen erhalten. Zu diesem Vorwurf äussert sich Mike Helmy nicht konkret. «Wenn sich jemand interessiert und von unserem Konzept überzeugt ist, schliessen wir gerne einen Vertrag ab. Wir pflegen in der Kinderbetreuung einen hohen Standard», meint er.

Gemeinde klärt Bedarf, Kanton erteilt Bewilligung

Markus Kutter, Leiter Amt für Gesellschaft und Integration. (Bild: Samuel Koch)

Markus Kutter, Leiter Amt für Gesellschaft und Integration. (Bild: Samuel Koch)

Im Thurgau ist der Kanton für die Bewilligung von Kita- und Hortplätzen verantwortlich. «Bisher ist im öffentlich zugänglichen Verzeichnis keine Bewilligung von der Kita Bubble Bees ersichtlich», sagt Markus Kutter, Leiter des Frauenfelder Amtes für Gesellschaft und Integration, das für die Bedarfsabklärung familienergänzender Kinderbetreuung zuständig ist und im Rahmen ihrer Möglichkeiten finanzielle Beiträge leisten kann. Kutter meint:

«Dazu haben die Primarschulgemeinde und Stadt gemeinsame Richtlinien erlassen.»

Grundlegende Voraussetzung für eine Zusammenarbeit sei aber in jedem Fall die kantonale Bewilligung. Kutter ergänzt: «In der Bilanz der Legislaturziele hat der Frauenfelder Stadtrat festgehalten, dass die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie wichtig ist.»