Fräulein Bachmann ist wieder daheim in ihrem Schloss Frauenfeld

Das Historische Museum Thurgau widmet der letzten privaten Besitzerin von Schloss Frauenfeld zwei neue multimediale Ausstellungsräume.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Kulturvermittlerin Melanie Hunziker spielt Marie Bachmann. Hier sitzt sie im Bullingersalon, dem einen neuen Themenraum, vor der Wandtapete, die Bachmanns Mutter gerettet hat.

Kulturvermittlerin Melanie Hunziker spielt Marie Bachmann. Hier sitzt sie im Bullingersalon, dem einen neuen Themenraum, vor der Wandtapete, die Bachmanns Mutter gerettet hat.

(Bild: Andrea Stalder)

Nicht ganz fräulein-like. Da sprengt am Donnerstagvormittag eine junge Dame einfach die Pressekonferenz des Historischen Museums Thurgau im Schloss Frauenfeld.

«Mir gehört das Schloss, und ich überlege, was damit passieren soll, wenn meine Tage gezählt sind.»

Das Fräulein ist Marie Elise Bachmann (1879 bis 1955), letzte private Besitzerin des Schlosses. Sie hat die Anlage mit Ursprung in den 1230er-Jahren 1948 dem Kanton Thurgau geschenkt. Testamentarisch festgelegter Verwendungszweck: Betrieb eines historischen Museums. Denn im Thurgauischen Museum an der Freie Strasse wurde es zu eng. Zudem war eine historische Sammlung der Bachmanns Teil des Vermächtnisses.

Das Fräulein hinter Bachmann ist Melanie Hunziker, Kulturvermittlerin im Museum. Bachmann, modisch gepflegt in den 1910er-Jahren, leitet in Zukunft so zu Führungen ein. Sie hat eine Zeitreise gemacht ins Jahr 2020, um zu kontrollieren, ob ihr letzter Wille auch entsprechend umgesetzt worden ist. Und was sie vorfindet, kann ihr nur Freude machen.

Wichtige Frauengeschichte zum 60-Jahr-Jubiläum

Ab sofort stehen zu Marie Bachmann und ihrer Familie zwei neue, multimedial inszenierte Ausstellungsräume im Schloss offen. Damit läutet das Museum das Themenjahr «Maries Testament – Unser Schloss» ein.

«Das Museum im Schloss haben wir dieser Frau zu verdanken.»
Aline von Raszewski, Rechercheurin zu Marie Bachmann.

Aline von Raszewski, Rechercheurin zu Marie Bachmann.

(Bild: Andrea Stalder)

Das erklärt Museumsdirektorin Gabriele Keck. Denn Marie Bachmanns Grossvater rettete mit dem Kauf das Schloss 1867 vor dem Abriss. Die Stettfurter Familie aus dem Bildungsbürgertum hatte laut Keck Sinn für Kunst und Geschichte. Und dann erfolgte eben die Schenkung. Das Museum ging 1960 auf. Heuer steht das 60-Jahr-Jubiläum an. Zudem tritt mit der Schlossschenkerin auch eine Thurgauer Persönlichkeit der Frauengeschichte in den Vordergrund – was unabdingbar sein sollte in der modernen Geschichtswissenschaft.

Marie Bachmann: Führungen und Museumshäppli

Die Ausstellung im Schloss Frauenfeld ist Dienstag bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Es gibt dieses Jahr mehrere öffentliche Führungen, die von der Figur der Marie Bachmann geleitet werden. Es können private Führungen gebucht werden für Gruppen. Zudem gibt es ein Angebot für Schulklassen (3. bis 6. Klasse). Aline von Raszewski, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Historischen Museums, referiert zudem im Museumshäppli von 30. Januar (12.30 Uhr) zu Bachmann. (ma)

https://historisches-museum.tg.ch/

Frauenfeld TG , 11.04.2017 / Serie Frauenfeld Quartiervereine / Quartierverein Vorstadt . Schloss Frauenfeld .

Frauenfeld TG , 11.04.2017 / Serie Frauenfeld Quartiervereine / Quartierverein Vorstadt . Schloss Frauenfeld .

Donato Caspari

Das Museum hat die Ausstellungsräume im Schloss zuletzt 2015 neu eingerichtet. Wie Museumskurator Dominik Streiff Schnetzer erklärt, geht es im heutigen Museumsbetrieb darum, eine Ausstellung in einem grossen Narrativ einzubetten, während es 1960 «period rooms» gab, die sich mit einzelnen Zeitepochen befassten.

Ein Reise-Necessaire in Form eines Fisches

Der bisherige Raum zum Schloss und dessen Geschichte hat eine Bachmann’sche Erweiterung erfahren. In der Truhe, mit der Marie Bachmann zwischen Stettfurt und Zürich reiste, finden sich stereotypische Objekte der Familiensammlung, vom Kirchengesangbuch bis zum Reise-Necessaire in Fischform. Daneben gibt es ein filmisches Kaleidoskop zu weiteren Sammlungsobjekten.

Um Marie Bachmanns Reisetruhe: die wissenschaftliche Mitarbeiterin Aline von Raszewski mit Museumsdirektorin Gabriele Keck und Museumskurator Dominik Streiff Schnetzer.

Um Marie Bachmanns Reisetruhe: die wissenschaftliche Mitarbeiterin Aline von Raszewski mit Museumsdirektorin Gabriele Keck und Museumskurator Dominik Streiff Schnetzer.

(Bild: Andrea Stalder)

Der zweite neue Raum, der Bullingersalon, lebt von seiner Fokussierung auf einen weiteren multimedialen Ton-Bild-Beitrag, die Wandtapete – und vor allem von der Lichtinszenierung. «Wir wollten den Raum gerade nicht vollstopfen», erklärt Streiff Schnetzer. Maries Mutter hat die Tapete (Öl auf Leinwand, von 1793) des berühmten Tapetenmalers Johann Balthasar Bullinger vor der Zerstörung im Zürcher Altstadthaus zum Kiel retten können. Denn im 18. Jahrhundert gab es noch kein Fernsehen, man erfreute sich an den Darstellungen auf den Wänden – in diesem Fall sind dies Szenen aus der antiken Mythologie und schmucke Landschaften.

Mehr zum Thema: