Forschung
Kompost aus Eschenz verdrängt im Kartoffelanbau den Rhizoctoniapilz

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) will bei einem Pilotprojekt in Rheinklingen die positive Wirkung von durchgerottetem Grünkompost bei der Pilzunterdrückung nachweisen.

Thomas Güntert
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Biobauer Daniel Vetterli (links) aus Rheinklingen und Tobias Gelencser, Projektleiter des Forschungsinstituts für biologischen Landbau, prüfen, ob die Kartoffeln richtig im Kompostbeet liegen.

Biobauer Daniel Vetterli (links) aus Rheinklingen und Tobias Gelencser, Projektleiter des Forschungsinstituts für biologischen Landbau, prüfen, ob die Kartoffeln richtig im Kompostbeet liegen.

Bild: Thomas Güntert

«Der aggressive Pilz Rhizoctonia solani ist als Erreger der Wurzeltöterkrankheit eine der grössten Herausforderungen im Biokartoffelanbau», sagt Tobias Gelencser, Projektleiter des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) im aargauischen Frick. Werden befallene Knollen gepflanzt, führen schwarze Pilzsporenlager, sogenannte Sklerotien, auf den Tochterknollen zu Ertrags- und Qualitätsverlusten.

Im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft dürfen bei der biologischen Bewirtschaftung keine synthetischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt und das Saatgut nicht mit chemischen Mittel gebeizt werden. Der Rheinklinger Biobauer Daniel Vetterli setzt ein biologisches Bakterium ein, spritzt Kupfer und verwendet Steinmehl und Algicin als Pflanzenstärkungsmittel.

Bei der Saatgutvermehrung muss der Anteil der mit Rhizoctoniapocken betroffenen Kartoffeln unter 20 Prozent liegen, ansonsten kann die Ernte allenfalls noch für einen geringeren Preis auf dem Speisekartoffelmarkt verkauft werden. Weil sich Vetterli ständig im Bereich dieser 20-Prozent-Grenze bewegte, hat er nach neuen Methoden gesucht, um den Rhizoctoniapilz zu bekämpfen.

Hochwertiger Kompost kommt aus der eigenen Produktion

Eine Studie der Universität Kassel belegt, dass der Sklerotienbesatz bei den Tochterknollen um bis zu 50 Prozent reduziert werden kann, wenn beim Pflanzen direkt unter der Mutterknolle Kompost appliziert wird. Weil es zur technischen Umsetzung noch keine Maschine gab, wurde an der Uni Kassel zusammen mit dem Landtechnikhersteller Grimme ein Prototyp entwickelt, der in einem Arbeitsgang die Furche zieht, Kompost und Kartoffeln einbringt sowie den Pflanzdamm wieder zudeckt.

Biobauer Daniel Vetterli bereitete den Kompost selbst auf, den er beim Kartoffelsetzen verwendet.

Biobauer Daniel Vetterli bereitete den Kompost selbst auf, den er beim Kartoffelsetzen verwendet.

Bild: Thomas Güntert

Daniel Vetterli stellte für das Versuchsprojekt den Kompost zur Verfügung. Mit Ueli Küng aus Etzwilen und Marcel Weber aus Eschenz hat er vor knapp zehn Jahren die UDM-regreen GmbH gegründet, die auf dem Grüngut-Entsorgungsplatz Bälisteig in Eschenz hochwertigen Kompost aufbereitet. Vetterli sagt:

«Der Kompost muss gut verrottet sein, weil sich der Rhizoctoniapilz sonst vermehrt.»

Ende März wurden auf dreieinhalb Hektaren rund 6500 vorgekeimte Samenkartoffeln und 13 Quadratmeter Kompost pro Hektare in den Boden gebracht. Die Kosten belaufen sich, ohne die Mehrkosten für die spezielle Pflanzmaschine, auf rund 530 Franken pro Hektare. In der konventionellen Landwirtschaft werden auf einer vergleichbaren Fläche etwa für 100 Franken synthetische Spritzmittel eingesetzt. Vetterli erzielt bei seiner Saatgutvermehrung allerdings nur etwa den doppelten Preis wie aus der herkömmlichen Produktion.