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Fonds gegen Feuerbrand überläuft

Im Jahr 2007 flossen mehr als zehn Millionen Franken aus dem Thurgauer Pflanzenschutzfonds, um die Schäden des Feuerbrandes aufzufangen. Nun hat sich die Lange entspannt. Doch die Angst der Obstbauern bleibt.
Silvan Meile
Ein Obstbauer versucht im seinem Obstgarten mit Loeschkalk gegen den Feuerbrand vorzugehen. Nana do Carmo 22. August 2008

Ein Obstbauer versucht im seinem Obstgarten mit Loeschkalk gegen den Feuerbrand vorzugehen. Nana do Carmo 22. August 2008

Ralph Gilg will sich nicht in Sicherheit wiegen. Zwar gab es seit 2012 keine schlimmen Feuerbrandbefälle mehr, doch der Präsident des Thurgauer Obstverbands weiss: Das Bakterium ist langlebig und in den Hochstämmen nach wie vor vorhanden. «Es wird wieder ausbrechen», sagt Gilg. Auch im aktuellen Jahr haben Messwerte gezeigt, es hätte für Infektionen gereicht. Wohl ist es dem trockenen Wetter während der Blütezeit zu verdanken, dass der Feuerbrand 2018 kaum ausbrach.

Die entspannte Lage wird nun in einer Meldung des Kantons verdeutlicht: «Der Regierungsrat hat beschlossen, die Beiträge in den Pflanzenschutzfonds um 50 Prozent zu reduzieren.» Weil der Feuerbrand seit 2012 keine grossen Schäden mehr anrichtete und somit keine massiven Ertragsausfälle und Rodungskosten anfielen, quillt der Fonds über. Knapp 14 Millionen Franken sind geäufnet. Gemäss kantonalem Landwirtschaftsgesetz sollte er aber zwischen 5 und 9 Millionen Franken aufweisen.

Die Fondseinlagen werden von 2,4 auf 1,2 Millionen reduziert

Ueli Bleiker, Leiter des Thurgauer Landwirtschaftsamtes, weiss, welche Summen in den schlimmen Feuerbrandjahren aus dem Pflanzenschutzfonds flossen: 2001 waren es 8 Millionen, 2007 wurden 10,8 Millionen ausbezahlt, 2012 schliesslich 2,8 Millionen. «Die Beiträge in den Pflanzenschutzfonds wurden ab 2008 verdoppelt, um die grossen Schäden des Feuerbrandjahres 2007 aufzufangen», sagt Bleiker. Mit 2,4 Millionen wurde der Fonds seither Jahr für Jahr geäufnet. Je ein Drittel steuern die Landwirtschaft – insbesondere die Obstbauern –, die Gemeinden und der Kanton bei. Für das Inkasso und Entschädigungszahlungen ist das kantonale Landwirtschaftsamt zuständig.

Ab kommendem Jahr wird es nur noch die Hälfte der heutigen Beiträge einziehen. «Bis auf weiteres», sagt Bleiker. 400000 Franken aus der Landwirtschaft, gleich viel beziehungsweise 1.50 Franken pro Einwohner müssen die Gemeinden beisteuern. Die Situation kann sich aber schnell ändern, betont der Landwirtschaftschef. Das Risiko einer Einschleppung oder Ausbreitung von Schädlingen und Pflanzenkrankheiten ist durch die Verflechtung des Welthandels und den Klimawandel höher als je zuvor.

Wann der Pflanzenschutzfonds für Entschädigungen zum Einsatz kommt, weiss Hermann Brenner vom landwirtschaftlichen Berufs- und Beratungszentrum Arenenberg. Er präsidiert die kantonale Schätzungskommission für den Pflanzenschutz. Sie beurteilt Schadensfälle und stellt beim kantonalen Landwirtschaftsamt Gesuche für Beiträge aus dem Pflanzenschutzfonds. Es handele sich weniger um eine Versicherung, sagt Brenner, eher um ein Solidaritätsprinzip. Der Fonds ermöglicht es, Härtefälle abzufedern. «Es gab im Katastrophenjahr 2007 Betriebe, die hatten durch den Feuerbrand fast alles verloren», sagt Brenner. Einerseits konnten Ertragsausfälle bezahlt werden, anderseits Kosten für Rodungen abgegolten werden.

Doch es geht nicht nur um Entschädigungen. «Seit einigen Jahren investieren wir vermehrt in Vorbeugemassnahmen», erklärt Bleiker. Zum Beispiel gegen die Kirschessigfliege, die reife Früchte befällt. «Der Pflanzenschutzfonds ermöglicht es uns, biotechnische Massnahmen zu fördern, das Monitoring zu intensivieren und gezielte Praxisversuche gegen einen Schädling zu machen.» Ausserdem fliessen jährlich rund 30000 Franken aus dem Fonds in das Projekt «Zukunft Obstbau». Dieses will den Hochstammobstbau und das Landschaftsbild des Thurgaus erhalten und unterstützt, die wegen Feuerbrands ­gerodeten Hochstämme wieder zu pflanzen. «Das Projekt dauert bis 2022», sagt Bleiker.

Der Bund hat die mächtigste Waffe verboten

«Der Feuerbrand wird wieder ausbrechen, doch wir haben noch immer kein adäquates Mittel dagegen», sagt Obstverbandspräsident Gilg und spricht das vom Bund 2016 ausgesprochene Streptomycin-Verbot an. Auch bei grossflä­chigem Befall riss der Bund den Obstbauern die wirkungsvollste Waffe aus den Händen. Generell darf kein Antibiotikum mehr in den Obstplantagen gesprüht werden. Doch mittlerweile haben sich die Massnahmen zur Vorbeugung verbessert. Und der Pflanzenschutzfonds gilt weiterhin als zusätzliche Sicherheit. Diese will Gilg auf keinen Fall missen. «Selbstverständlich wollen wir daran festhalten.»

«Andere Kantone beneiden uns um diesen Fonds»

Der Pflanzenschutzfonds ist eine Thurgauer Errungenschaft. «Er ist generell für Schädlinge, gegen die ein Bauer machtlos ist, nicht aber für Naturgewalten wie etwa Hagel», sagt Hermann Brenner, Präsident der kantonalen Schätzungskommission für den Pflanzenschutz. «Der Fonds geht auf Mitte der 1970er-Jahre zurück.» Als sogenannter Engerlingsfonds wurde er gegründet. Damals verursachten die Maikäfer grosse Schäden. Gleichzeitig wuchs in der Bevölkerung der Widerstand, mit Insektiziden dagegen vorzugehen. Brenner weiss: Eine Weisung des Regierungsrates sorgte für ein Ende der chemischen Bekämpfung. Um aber Schäden abzugelten sowie biologische Massnahmen gegen den Engerling zu unterstützen, rief der Kanton den Fonds ins Leben. Als der Feuerbrand 2001 erstmals wütete, griff der Thurgau darauf zurück und öffnete ihn für andere Schädlinge, nannte ihn von da an Pflanzenschutzfonds. «Viele Kantone beneiden uns darum», sagt Brenner. ­Dadurch können im Thurgau bei schlimmen Schädlingsbefällen in der Landwirtschaft rasch Entschädigungen gesprochen werden. (sme)

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