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«Viele bekommen keine Chance»: Flüchtling schliesst Plättlileger-Lehre im Thurgau mit Bestnote ab

Vor viereinhalb Jahren ist Nassim Mozaffari aus Afghanistan in die Schweiz geflüchtet. Diesen Sommer hat er seine Lehre zum Plattenleger bei der Firma H. Oertig Plattenbeläge GmbH in Tägerschen abgeschlossen. In der praktischen Prüfung erreichte er mit einer 5.5 die Bestnote.
Svenja Rimle


Nassim Mozaffari, wir gratulieren zur Bestnote. Haben Sie damit gerechnet?

Nassim Mozaffari: Ja, ich habe eine gute Note erwartet. Bereits während der Prüfung konnte ich meine Arbeit mit den Projekten meiner Mitschüler vergleichen. Da wusste ich, dass es nicht schlecht für mich aussieht. Bei Probeprüfungen in den letzten Monaten hatte ich auch immer gute Noten. Ich hätte mir aber ehrlich gesagt eine noch bessere Note gewünscht, da ich mich wirklich sehr intensiv auf die Prüfung vorbereitet hatte.

Wie sah die Vorbereitung aus?

In den zwei Wochen vor der Prüfung habe ich mir Urlaub genommen. Während dieser Zeit habe ich meinen gesamten Theorie-Ordner auswendig gelernt. Jeden Tag bin ich den Stoff durchgegangen, denn ich wollte meine Lehre unbedingt gut abschliessen.

Was ging Ihnen durch den Kopf als Sie hörten, dass Sie die Bestnote hatten?

Nichts Besonderes. Meine Ziele waren es, einerseits die Prüfung zu bestehen, andererseits aber auch noch einigen schwächeren Kollegen helfen zu können. Als ich die Note erfuhr, habe ich direkt meine Mitschüler angerufen und sie nach ihrem Resultat gefragt. Erst als ich wusste, dass alle bestanden haben, konnte ich mich richtig freuen.

Was haben Sie bei der Prüfung anders gemacht als Ihre Kollegen?

Die Zeiteinteilung war bei dieser Prüfung das Wichtigste. Das fiel einigen meiner Mitschüler schwer, weshalb ich ihnen dabei auch geholfen habe. Ich bin einfach extrem ehrgeizig, perfektionistisch und motiviert. Das verschaffte mir definitiv einen Vorteil.

Wie wurden Sie während der Lehre betreut?

Ich habe während der Lehre den Betrieb gewechselt, da mir bei der ersten Firma das Arbeitsklima nicht gefallen hatten. Bei der zweiten Firma wurde ich dann sehr gut betreut. Mein Chef ist nicht nur ein guter Lehrmeister, sondern auch ein guter Mensch. Er gab mir viele Chancen, selbständig zu arbeiten. Davon konnte ich profitieren.

Waren Sie aufgeregt vor der Prüfung?

Vor der Theorie-Prüfung schon, vor der Praxis-Prüfung nicht. Ich war ja gut vorbereitet. Das viele Lernen hat sich gelohnt.

Warum wollten Sie Plattenleger erlernen?

Man ist immer drinnen, das ist bei extremen Temperaturen sehr angenehm. Ausserdem war ich in meiner Heimat Afghanistan schon früh auf mich alleine gestellt. Ich musste oft handwerkliche Arbeiten übernehmen. Deshalb bin ich mir diese Art von Arbeit gewohnt.

Welche beruflichen Ziele möchten Sie noch erreichen?

Ich möchte sehr gerne Rettungssanitäter werden. Dieses Ziel ist momentan aber noch weit weg. Jetzt werde ich erstmal arbeiten und Geld verdienen. Ob ich in meiner Firma bleibe oder ob ich in einen anderen Betrieb wechsle? Das weiss ich noch nicht.

Können Sie sich vorstellen, auch selber Lehrlinge zu betreuen?

Das kann ich mir sogar sehr gut vorstellen. Ich habe eine sehr gute Menschenkenntnis und kann die Leute motivieren. Wenn meine Kollegen über die Arbeit jammern, heitere ich sie auf und zeige ihnen, dass es gar nicht so schlimm ist. Da ich in meinem Leben schon viel erlebt habe, weiss ich, dass es viel schlimmer sein könnte.

Was raten Sie allen künftigen Plattenleger-Lehrlingen, um die Lehre erfolgreich abzuschliessen?

Man muss sich selbst immer wieder sagen «Ich bin da und ich will lernen». Mit dieser Einstellung sollte man jeden Tag zur Arbeit gehen. Viele beklagen sich andauernd, das bringt aber nicht viel. Man muss die Lehre einfach bestehen, denn sonst hat man am Ende gar nichts.

Möchten Sie noch etwas loswerden?

Ja. In Afghanistan wird man auch ohne Noten als vollwertigen Menschen gesehen. In der Schweiz habe ich das Gefühl, dass man sehr viel leisten muss, um akzeptiert zu werden. Viele Flüchtlinge haben zwar Talent, bekommen aber oft keine Chance sich weiterzuentwickeln. Ich hoffe, dass sich das bald ändern wird. Dass die Menschen nicht mehr nach ihrer Herkunft beurteilt werden und dass mehr Flüchtlinge die Möglichkeit erhalten, eine Ausbildung zu machen, so wie ich das auch durfte.

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