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Dank archaischer Technik in Richtung Eichhölzli Steckborn fliegen

Nach einem Jahr Unterbruch geht in Steckborn wieder das Memorial Bergrennen über die Bühne. Im Vorfeld stellen einzelne Teilnehmer ihre Autos vor. Den Anfang macht ein American La France, Baujahr 1919.
Hanspeter Ryser
Roland Britschgi auf seinem 1919-er American La France. (Bilder: Hanspeter Ryser)

Roland Britschgi auf seinem 1919-er American La France. (Bilder: Hanspeter Ryser)

«Ein Vorkriegsauto hat eine ganz andere Ausstrahlung als ein Zwischenkriegsauto. Diese Kombination von Leistung und archaischer Technik lässt mich trotz sehr direktem Bodenbezug fast abheben. Das Fahren mit diesem Auto ist fast wie fliegen – wie ein Rausch ...» Roland Britschgi aus Niederneunforn kommt mit glänzenden Augen ins Schwärmen, wenn er über seinen American La France (ALF) mit Jahrgang 1919 spricht. Und nur Menschen, welche die 2,5 Tonnen Leergewicht eines solchen Fahrzeugs mit 100 PS Leistung bei 1350 U/Min aus 14,5 Liter Hubraum schon mal bewegt haben, wissen, wovon dieser Mann schwärmt.

Seine erste Bekanntschaft mit Vorkriegsautos machte Britschgi mit einem historischen Rolls-Royce. «Das ist zwar ein zivilisiertes und für damals luxuriöses Fahrzeug, doch die Anforderungen an den Fahrer sind die gleichen wie bei einem anderen Vorkriegsauto – Gemischeinstellung, Zündpunkteinstellung, Zwischengas beim Schalten und Kraftaufwand beim Lenken und Bremsen.» Einen Rolls allerdings konnte er sich nicht leisten, «so kam ich auf den American La France».

Der Oldtimer weist 14,5 Liter Hubraum auf.

Der Oldtimer weist 14,5 Liter Hubraum auf.

Das umfunktionierte Feuerwehr-Pumpfahrzeug

Ein Blick zurück zum Anfang: Es war ein Freudentag für die wackeren Feuerwehrleute des Städtchens Sault Ste. Marie im amerikanischen Bundesstaat Michigan, als am 15. Juli 1919 ihr erstes benzinbetriebenes Feuerwehrfahrzeug von der Firma ALF ausgeliefert wurde. Die Zeit der pferdebespannten Löschfahrzeuge ging somit auch hier auf dem Land an der kanadischen Grenze langsam aber sicher ihrem Ende entgegen. Was als Feuerwehr-Pumpfahrzeug «Fire Engine No. 1» jahrzehntelang zuverlässig den Dienst versah, landete schliesslich als exotischer Oldtimer in Europa und wurde in der Folge – wie so viele ähnliche Wagen dieser Marke – zum Personenwagen umgebaut. Das hat Tradition, wurden doch bereits in den 20er-Jahren in den USA diese Art von Feuerwehrfahrzeugen zu Rennwagen umfunktioniert. Und auch die Herstellerfirma ALF Fire Engine Company erkannte dieses Potenzial und baute selbst Personenwagen auf Basis der robusten Nutzfahrzeugchassis. Wenige sind davon bis heute erhalten geblieben, doch von den umgebauten ehemaligen Feuerwehrfahrzeugen finden sich sogar in der Ostschweiz etliche fahrtüchtige Exemplare.

Publikum, Fahrer und Fahrzeuge auf Tuchfühlung

Steckborn sei das Monaco der Oldtimer-Szene, sagte der ehemalige Le-Mans-Sieger Jockel Winkelhock nach dem Rennen 2015. Auf der Strecke mit der einmaligen Sicht auf den Untersee hinauf zum Berghölzli findet das Memorial Bergrennen in Steckborn heuer nach einem Jahr Unterbruch wieder statt: am 22. und 23. September. Wiederum rechnen die Organisatoren mit annähernd 300 historischen Fahrzeugen – Autos mit Jahrgang 1986 und älter sowie Motorräder mit Jahrgang 1975 und älter. Die Tuchfühlung zwischen Publikum, Fahrerinnen und Fahrer sowie den Fahrzeugen steht im Vordergrund, nicht nur in der Boxengasse im Städtchen, sondern auf der ganzen Bergstrecke. (hr)

Weitere Infos im Internet unter: www.bergrennen-steckborn.ch.

Unzählige Stunden harte Arbeit

Roland Britschgi, gelernter Automechaniker und Oldtimer-Fan, fand im Auf- und Umbau des ALF seine persönliche Herausforderung. Was er als Chassis mit Motor und Kisten voller Teile in Freiburg im Breisgau kaufte, nimmt als fertiges Auto auch heuer zur grossen Freude des Publikums am Steckborner Bergrennen teil. Und Britschgi freut sich bereits auf das Rennen, das er bereits 2015 mit seiner Teilnahme bereicherte.

«Man trifft jede Menge Gleichgesinnter und kann einem interessierten Publikum direkt am Auto die Technik und deren Geschichte erklären. Das macht unheimlich Spass.»

Zwischen dem Ausflug nach Freiburg mit dem Land Rover und Anhänger inklusive einer Motorpanne auf der Heimfahrt mit dem zerlegten Feuerwehrauto auf dem Hänger und dem heute zügig den Berg hinaufdonnernden ALF liegen unzählige Stunden harte Arbeit: Totalzerlegung, Chassis entrosten und neu malen, Teilereinigung, Reparatur und Neuanfertigung von Teilen, Motor komplett zerlegen, Aufbau Chassis und Neubau Karosserie und schliesslich Zulassung. Die erste Testfahrt als «rolling chassis» fand ein Jahr nach der Zerlegung des Fahrzeugs statt und die erste Fahrt als Komplettfahrzeug knapp zwei Jahre nach Arbeitsbeginn am 8. Juli 2013 – also 94 Jahre nach Inbetriebnahme des ursprünglichen Feuerwehrfahrzeugs.

Das Innenleben mit einzelnen Motorelementen des Oldtimers.

Das Innenleben mit einzelnen Motorelementen des Oldtimers.

Im Mai 2015 wagte sich Britschgi mit zwei Freunden auf grosse Fahrt – ausgestattet mit altmodischen Fahrermänteln, Helmen und Schutzbrillen. Dabei legten sie die Strecke vom Thurgau nach Salzburg zumeist im strömenden Regen zurück – ohne Dach, Front- und Seitenscheiben. Und im September 2015 donnerte Britschgis ALF von Steckborn ins Eichhölzli im Rahmen des Memorial Bergrennens und fand sich dabei in bester Gesellschaft: Zwei weitere ALF waren gemeldet und beglückten mit urchigem Aussehen und dem archaischen Motorengeräusch das Publikum. Dass Roland Britschgi auch am Bergrennen 2018 teilnehmen wird, steht fest – egal wie das Wetter sein wird.

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