Fischzucht

Thurgauer Regierung ist klar gegen Aquakultur im Bodensee und wird sich dagegen wehren

Es gibt eine Projektidee von privater Seite, im Überlingersee eine Netzgehege-Anlage zur Zucht von Felchen zu installieren. Der Regierungsrat wird sich dafür einsetzen, dass dies nicht ermöglicht wird. Doch das Problem mit dem tiefen Fischbestand bleibt.

Larissa Flammer
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Fischer am Bodensee.

Fischer am Bodensee.

Bild: Urs Bucher

«Aquakulturen stellen ein nicht abschätzbares Risiko dar.» Mit dieser Aussage lässt der Thurgauer Regierungsrat keinen Zweifel an seiner Haltung gegenüber Fischgehegen im Bodensee, in denen Felchen gezüchtet werden sollen.

Pläne für eine solche kommerziell genutzte Fischzucht hat die Genossenschaft «Regio Bodensee Fisch» im Überlingersee. Bis zu vier Netzgehege mit einer Grösse von zwölf mal zwölf Metern in einer Tiefe von 30 Metern gehören zu den Plänen des Pilotprojekts.

Doch gegen Aquakulturen im Bodensee formierte sich starker Widerstand. Im Oktober demonstrierten Berufs- und Sportfischer sowie Naturschützer mit einem rund 100 Schiffen starken Korso gegen die Pläne. Auch die Thurgauer Politik hat das Thema aufgenommen. «Keine Fischgehege im Bodensee — Nein zu einer Fischmast im Bodensee!» heisst die Einfache Anfrage, die Brigitte Kaufmann (FDP, Uttwil) und Hans Feuz (CVP, Altnau) eingereicht haben.

Risiken durch Ausscheidungen und Antibiotika

Der Regierungsrat lehnt die kommerzielle Nutzung des Bodensees durch den Einsatz von Fischgehegen ab, heisst es in der kürzlich veröffentlichten Antwort. Die ökologischen Auswirkungen der Ausscheidungen der in einer grossen Menge und sehr hohen Dichte gehaltenen Fische auf Trübung, Nährstoffgehalt, Keimzahlen, Sauerstoffverbrauch über dem Seegrund und auf die Sedimentation seien nicht geklärt. Zudem sei nicht absehbar, wie sich Aquakulturen auf die Trinkwasserversorgung auswirken.

Als weitere «nicht abwägbare Risiken» nennt die Regierung den praktisch nicht zu verhindernden Einsatz von Antibiotika im Krankheitsfall oder die genetische Veränderungen der Wildfische, wenn Zuchtfische aus den Netzen entweichen. Auch könnten Krankheiten, die Zuchtfische befallen, auf die Wildfische übergehen. Für Schiffe stelle zudem selbst ein einzelnes Fischgehege ein grosses Hindernis dar. Denn aufgrund der Dimensionen solcher Gehege könnten sie nur im schiffbaren Gewässer installiert werden.

Kaufmann sehr zufrieden mit Regierung

Gemäss den Bodensee-Richtlinien der Internationalen Gewässerschutzkommission (IGKB) sind Netzgehege im Bodensee verboten. Sollte ein Gesuch für den Betrieb einer Aquakultur eingereicht werden, müssten diese zuerst angepasst werden. Aktuell liegt kein offizieller Antrag für ein Fischgehege im Bodensee vor, schreibt der Regierungsrat. Er sieht daher im Moment keine Veranlassung für eine Intervention. Er wird sich in der IGKB jedoch dafür einsetzen, dass das bestehende Verbot weiterhin bleibt.

Brigitte Kaufmann.

Brigitte Kaufmann.

Bild: Andrea Stalder

Mit dieser Antwort ist Brigitte Kaufmann sehr zufrieden. Der Bodensee habe als Trinkwasserreservoir und Erholungsgebiet für Millionen von Menschen eine grosse Bedeutung. Und Pläne für eine Aquakultur seien ein drängendes Problem.

«Ich bin sehr froh, hat der Regierungsrat eine so klare Haltung dazu.»

Untersuchung zu schrumpfendem Fischbestand läuft

Mit einer dritten Frage wollten die beiden Kantonsräte wissen, was gegen die schwindenden Fangerträge gemacht werden kann.

«So dass Fischer und Konsumenten auch in Zukunft auf die ökologisch nachhaltigste Art und Weise den lokal gefangenen Wildfisch aus dem Bodensee geniessen können.»

Ein Projekt mit 13 Teilprojekten untersucht zurzeit den Einfluss von Nährstoffrückgang, Klimawandel, gebietsfremden Arten und anderen Stressfaktoren, antwortet der Regierungsrat. Der Kanton Thurgau habe sich zudem dafür eingesetzt, die Anzahl der Berufsfischerpatente zu reduzieren, um Fischern einen höheren Fanganteil zu ermöglichen.

«Man muss dranbleiben», sagt Kaufmann. Sie werde weiter beobachten, was sich in Sachen Aquakultur tut, aber auch, welche Massnahmen sich eröffnen, um den Wildfischbestand zu erhöhen.