Finanzen
Steckborn als Magnet für wohlhabende Steuerzahler? «Nein», sagt Stadtpräsident zum Gewinn von 1,73 Millionen Franken

Geldsegen am Untersee: Kurz vor Ende der Zeit von Roman Pulfer als Stadtpräsident präsentiert Steckborn die Rechnung mit einem satten Gewinn. Dafür verantwortlich sind mehrere Faktoren. Über die Rechnung stimmt die Bevölkerung Ende Juni an der Urne ab.

Samuel Koch
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Das 3800-Einwohner-Städtchen Steckborn.

Das 3800-Einwohner-Städtchen Steckborn.

Bild: Donato Caspari

An Negativschlagzeilen fehlte es Steckborn zuletzt nicht. Jetzt folgt am Untersee wieder einmal eine positive Nachricht. Denn die Rechnung 2020 schliesst mit einem stattlichen Gewinn von 1,73 Millionen Franken ab, bei Gesamtausgaben von 15,85 Millionen Franken. Dabei handelt es sich laut dem Ende Mai abtretenden Stadtpräsidenten Roman Pulfer um den «grössten Ertragsüberschuss der Stadt Steckborn seit mindestens 20 Jahren». Budgetiert war lediglich ein Plus von 20'000 Franken.

Die Gründe für den guten Rechnungsabschluss sind mannigfaltig. Auf der Ausgabenseite fällt aber vor allem der um rund 400'000 Franken tiefere Sach- und Betriebsaufwand auf. Und auf der Einnahmenseite steht ein Mehrertrag von zirka 800'000 Franken bei den Steuereinnahmen zu Buche. Ist Steckborn also ein Magnet für wohlhabende Steuerzahler, Herr Pulfer?

Roman Pulfer, Stadtpräsident Steckborn, noch bis Ende Mai.

Roman Pulfer, Stadtpräsident Steckborn, noch bis Ende Mai.

Bild: Andrea Stalder
«Steckborn war schon immer ein attraktiver Wohn- und Arbeitsort.»

Die überdurchschnittliche Bevölkerungszunahme im vergangenen Jahr zeige, dass dies auch in schwierigen Zeiten der Fall sei, meint Pulfer. Ausserdem sei der Gewinn aus ordentlichen Erträgen und dem haushälterischen Umgang mit den Steuermitteln zu Stande gekommen. Die Investitionsrechnung des vergangenen Jahres schliesst mit Nettoinvestitionen von 1,74 Millionen Franken ab.

Springer im Teilzeitpensum hilft neuer Schreiberin

Ganz so fabelhaft ist bei den Steckborner Finanzen im vergangenen Jahr doch nicht alles gelaufen. So musste die neue Stadtschreiberin Manuela Senn, erst seit Februar dabei, die Leitung der Finanzen und somit die Erstellung der Jahresrechnung übernehmen. Und weil sie sich in dieser kurzen Zeit ohne Einführung nicht in ein neues Programm hat einarbeiten können, musste ihr mit Andreas Mettler ein Springer im Teilzeitpensum unter die Arme greifen, was wiederum zu höheren Personalkosten führt.

Wie einer Mitteilung aus dem Stadtrat zu entnehmen ist, hat auch bei der Umstellung zum neuen Rechnungslegungsmodell HRM2 nicht alles reibungslos geklappt. So seien die Neubewertung der Bilanz per 1. Januar 2018 und die damit einhergehenden Dokumente nicht erstellt worden. Und auch die Anlagebuchhaltung entspreche nicht den neuen Vorgaben. Dazu teilt Pulfer auf Anfrage mit:

«Der Handlungsbedarf wurde offenbar nicht erkannt.»

Möglicherweise habe es auch an den personellen Ressourcen gefehlt. Jetzt soll in den kommenden Wochen und Monaten alles aufgearbeitet werden, um fürs Budget 2022 mit harmonisierten Daten fortfahren zu können. Deshalb will der Stadtrat nun doch die neue Stelle Finanzverwalter/Finanzverwalterin schaffen. Dagegen gab es im Frühjahr vor der Abstimmung zum Budget 2021 noch Kritik und Gegenwehr. Das Stimmvolk verwehrte dem Stadtrat unter anderem die Stellenaufstockung, als es im Januar das Budget in einer ersten Runde verwarf.

Und wie wirken sich die beiden Stellen in der Finanzverwaltung auf zukünftige Rechnungen aus? «Wie der zusätzliche personelle Bedarf bei den Finanzen konkret abgedeckt wird und wie sich eine allfällige Finanzverwalterstelle in die personelle Organisation der Stadtverwaltung einfügen würde, ist zurzeit noch offen», schreibt Pulfer. Der Stadtrat jedenfalls sei sich einig, dass es zusätzliche personelle Kapazitäten benötige, «um verschiedene Bereiche aufzuarbeiten, damit die Buchhaltung den kantonalen Vorgaben entspricht».

Urnenabstimmung ersetzt Versammlung

Mit einer Million Franken soll ein grosser Teil des Gewinns in eine Vorfinanzierung Sportplatz fliessen, die neu geäufnet wird. Der restliche Überschuss soll dem Eigenkapital gutgeschrieben werden, sofern die Stimmberechtigten dieser beantragten Gewinnverwendung zustimmen. Darüber befinden werden sie in ihrer guten Stube, zumal der Stadtrat nicht an der geplanten Gemeindeversammlung Mitte Juni festhält. Stattdessen kommen die Rechnung sowie Einbürgerungen am 27. Juni an die Urne.

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