Finanzen im Coronajahr
Rechnung 2020: Die Stadt Frauenfeld macht zwar 2,15 Millionen Franken Gewinn, aber effektiv gibt es dieses Geld noch gar nicht

In der Rechnung der Frauenfelder Stadtverwaltung drückt die Coronapandemie mit Kosten respektive Einnahmeausfällen von insgesamt 1,6 Millionen Franken die Stimmung. Hinzu kommt ein Einbruch bei den Steuereinnahmen von über 2,1 Millionen gegenüber Budget. Das liegt vor allem an der Unternehmensteuerreform.

Mathias Frei
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Blick aus der Vogelperspektive auf die Frauenfelder Innenstadt.

Blick aus der Vogelperspektive auf die Frauenfelder Innenstadt.

Bild: Andrea Stalder

Stadtverwaltung: Plus von 2,15 Millionen Franken

Die Zahlen im Überblick.

Die Zahlen im Überblick.

Bild: Mathias Frei

Es ist wie eine optische Täuschung. Man glaubt, eine Menge Geld auf dem Tisch vor einem zu sehen. Aber da ist eigentlich nichts. Kein Rappen. Ganz so schlimm spielt die Wahrnehmung Stadtpräsident Anders Stokholm und Finanzchef Reto Angehrn nicht mit. Denn in ihrem Fall könnte das Geld dereinst schon einmal da liegen. Aber eben: Gerade jetzt ist die Rechnung 2020 der Frauenfelder Stadtverwaltung dank einer positiven Folgebewertung von neun städtischen Wohnbauten zwar um 4,31 Millionen Franken besser als budgetiert. Doch viel kaufen kann man sich mit dem ausgewiesenen Gewinn von 2,15 Millionen nicht. Dem ist sich auch der Stadtpräsident bewusst. So sagt er denn am Dienstagvormittag an der Rechnungspräsentation:

«Trotz der positiven Entwicklung sind die Zahlen mit Vorsicht zu geniessen.»
Am Dienstagvormittag an der Rechnungspräsentation: Stadtpräsident Anders Stokholm und Finanzchef Reto Angehrn, die Hände sind in Gebetsposition.

Am Dienstagvormittag an der Rechnungspräsentation: Stadtpräsident Anders Stokholm und Finanzchef Reto Angehrn, die Hände sind in Gebetsposition.

Bild: Samuel Koch

Schwarz auf Weiss ist die Rechnung aber positiv. Bei einem Umsatz von 90,7 Millionen Franken macht die Stadtverwaltung die besagten 2,15 Millionen vor. Budgetiert gewesen war bei 86,44 Millionen Umsatz ein Minus von 2,16 Millionen. Mit den Abschlüssen von Thurplus und des Alterszentrums Park steigt der Gewinn sogar auf 9,58 Millionen Franken, der Gesamtumsatz liegt bei 201,49 Millionen. Stokholm sagt ob dieser Zahlen:

«Der Stadtrat ist insgesamt zufrieden mit den Resultaten.»

Stokholm trägt, um die Situation des städtischen Finanzhaushalts zu versinnbildlichen, eine rosarote Krawatte, die schwarz gepunktet ist. Die Basis ist hellrot, dazu kommen die vermeintlich schwarzen Zahlen. Ohne die Bewertungskorrekturen würde das Minus nämlich bei 2,32 Millionen liegen, leicht schlechter als budgetiert.

Pandemie als eine von zwei Belastungen für den Finanzhaushalt

Rechnung und Budget: Zahlen der vergangenen Jahre.

Rechnung und Budget: Zahlen der vergangenen Jahre.

Bild: Mathias Frei

Wichtig ist für Stokholm, die Kosten im Griff zu haben. Das dürfe man positiv werten. Umso erfreulicher ist diese Feststellung, weil die Stadt pandemiebedingt ordentlich leiden musste im vergangenen Jahr. Da wären zum einen die direkten Kosten von 200'000 Franken für Desinfektionsmittel, technische oder auch räumliche Anpassungen. Zum anderen wiegen Einnahmeausfälle von 1,4 Millionen schwer, weil man eine Zeit keine Parkgebühren zahlen musste, wegen des Rückgangs an Stadtbus-Fahrgästen oder auch weniger Casino-Vermietungen und weniger verkaufter Badi- und Kunsteisbahneintritte.

«Und es gibt einen zweiten negativen Effekt, der den Haushalt belastet.»
Die Fiskalerträge der vergangenen Jahre.

Die Fiskalerträge der vergangenen Jahre.

Bild: Mathias Frei

Das sagt der städtische Finanzchef Reto Angehrn. Es geht um den Einbruch bei den Steuereinnahmen. Im vergangenen Jahr betrug der Fiskalertrag 39,65 Millionen Franken, budgetiert gewesen waren über 2,1 Millionen mehr – ein Minus von 5,2 Prozent. Und gegenüber der Rechnung 2019 beträgt der Rückgang sogar über 2,4 Millionen. Sowohl bei den natürlichen als auch bei den juristischen Personen liegt man gut je eine Million unter Budget. Gegenüber dem Vorjahr sind dies 430'000 Franken respektive bei den Firmen über zwei Millionen weniger. Über den Rückgang bei den natürlichen Personen kann Angehrn höchstens spekulieren. Bei den juristischen Personen kam die Unternehmenssteuerreform (Staf) zur Umsetzung, die Auswirkungen seien aber schwierig budgetierbar gewesen. Einen Teil der Einbussen führt Angehrn auch auf die pandemiebedingt kurzfristig ermöglichten Rückstellungen bei den Unternehmensabschlüssen zurück.

Wertsteigerung bei neun Liegenschaften des Finanzvermögens

Das Rathaus Frauenfeld.

Das Rathaus Frauenfeld.

Bild: Donato Caspari

Im Jahr 2015 startete aufgrund des neuen Rechnungslegungsmodells HRM2 die Neubewertung der Liegenschaften im städtischen Finanzvermögen. 2019 resultierte aus der etappierten Neubewertung ein Mehrwert von stattlichen 36,6 Millionen – Geld, das notabene erst durch einen Verkauf dieser Bauten vorhanden sein wird. Diese Millionen liegen aktuell im Eigenkapital. Im vergangenen Jahr nun hat die periodische Folgebewertung begonnen – und bereits bei den ersten neun Wohnliegenschaften resultierte eine Wertsteigerung um 4,47 Millionen auf 21,79 Millionen Franken. Gemäss regierungsrätlicher Verordnung ist das Ergebnis der Folgebewertung direkt über die Erfolgsrechnung zu verbuchen. Angehrn spricht von einer satten Steigerung.

«Wir haben diesen Anstieg hinterfragt. Kann das wirklich sein?»

Der externe Liegenschaftenschätzer bejahte und meinte, dass 2015 die Bewertung wohl zu pessimistisch vorgenommen worden sein. Dies aufgrund der Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit.

Thurplus: Gewinn von 7,73 Millionen Franken

Die Werkbetriebe Frauenfeld (neu: Thurplus) an der Gaswerkstrasse.

Die Werkbetriebe Frauenfeld (neu: Thurplus) an der Gaswerkstrasse.

Bild: Reto Martin

Bei Thurplus (ehemals Werkbetriebe) spricht Anders Stokholm von einer Punktlandung. Fast exakt wie budgetiert resultiert ein Gewinn von 7,7 Millionen Franken, bei einem Umsatz von rund 90,6 Millionen Franken. Vergleiche zu den buchhalterischen Zahlen der Vorjahre seien schwierig, erläutert Reto Angehrn. Grund dafür ist die erstmalige Kontoführung mit dem neuen Rechnungslegungsmodell HRM2, die auch primär für den guten Abschluss verantwortlich zeichnet. Ein Überschuss von 5,7 Millionen Franken ist nämlich mit der Auflösung der Aufwertungsgewinne zu Stande gekommen. «Das ist lediglich eine Bereinigung, kommt aber dem Eigenkapital zugute», sagt Angehrn. Deshalb rückt er lieber die Absatzmengen in den Fokus, bei Strom und Gas im Bereich Gewerbe und Industrie waren sie rückläufig, bei Strom- und Wasser bei den Privaten hingegen nahmen sie zu. Das kann eine Auswirkung von Covid-19 sein, mutmasst Angehrn.

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld.

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld.

Bild: Donato Caspari

Abweichungen in der Erfolgsrechnung kompensieren sich grösstenteils. Erwähnenswert sind etwa entgangene Mindereinnahmen wie im Zusammenhang mit Temporäranschlüssen und durch die Vermietung von Material bei Veranstaltungen. Andererseits resultieren höhere Aufwände wie etwa die erstmalige Gewinnablieferung von 770'000 Franken an die Stadtverwaltung. Sie gilt fürs ganze Rechnungsjahr, obwohl die neue Gewinnabschöpfung erst im Juli eingeführt wurde. Dank eines Eigenkapitals von 121,65 Millionen Franken bezeichnet Stadtpräsident Stokholm die Lage von Thurplus als «sehr solide».

Die Investitionsrechnung folgt grosso modo in gleichen Schritten jener der Stadtverwaltung. Geplant waren 9,85 Millionen Franken, tatsächlich umgesetzt hat Thurplus 2,91 Millionen Franken. Das entspricht einem Umsetzungsgrad von knapp 30 Prozent. Grunde für diesen tiefen Wert sind pandemiebedingte Verzögerungen und Engpässe bei Lieferanten. (sko)

Alterszentrum Park: Verlust von 300'000 Franken

Das Alterszentrum Park (AZP) an der Zürcherstrasse.

Das Alterszentrum Park (AZP) an der Zürcherstrasse.

Bild: Andrea Stalder

Ein Minus von 300'000 Franken bei einem Gesamtumsatz von 20,2 Millionen Franken. Ursprünglich budgetiert war ein Gewinn von rund 350'000 Franken. Covid-19 wirkt sich direkt auf die Zahlen des Alterszentrums Park (AZP) aus. «Trotzdem konnten wir die negativen Entwicklungen einigermassen bewerkstelligen», sagt Anders Stokholm. Die Zahlen beeinflusst hat Corona einerseits auf der Einnahmenseite (-1,9 Prozent), etwa mit der Schliessung des Restaurants, der teilweisen Schliessung des Tageszentrums oder dem zurückhaltenden Interesse bei Neubelegungen der Wohnungen der Parksiedlung. Reto Angehrn sagt:

«Die Belegung ist der Treiber für Erfolg oder Misserfolg.»
Reto Angehrn, Leiter Finanzamt.

Reto Angehrn, Leiter Finanzamt.

Bild: Reto Martin

Andererseits stehen in der AZP-Rechnung auf der Ausgabenseite höhere Kosten an (+1,6 Prozent), primär beim Personalaufwand. Die Gründe für diesen Anstieg sind mannigfaltig, etwa wegen Eingangskontrollen, Isolationen einzelner Wohngruppen, Mitarbeitenden in Quarantäne oder krankheitsbedingter Ausfälle. Ebenso gestiegen ist der Betreuungsaufwand, weil im AZP während Monaten keine Besucher zugelassen waren. Immerhin: Das Defizit kann das AZP mit den bestehenden Reserven auffangen. Das Eigenkapital liegt neu bei 1,46 Millionen Franken. (sko)