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Finanzberaterin mit Nebenerwerb: Opfer um mehrere zehntausend Franken betrogen

Eine notorische Betrügerin setzt vor Obergericht auf Verjährung, um eine Strafreduktion zu erreichen. Neben ihrer gut bezahlten Stelle als Finanzberaterin haute sie auf eigene Rechnung Leute übers Ohr.
Thomas Wunderlin
Die Verhandlung fand im Thuraguer Obergericht in Frauenfeld statt. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Die Verhandlung fand im Thuraguer Obergericht in Frauenfeld statt. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Sie habe ihnen nur helfen wollen, versichert die 57-jährige Finanzberaterin über zwei ihrer Opfer. Zu beiden war die eloquente Thurgauerin über ihre Tochter verbunden: Das eine war der Vater des Kindermädchens, das andere der Bruder der Patin. Die mittlerweile erwachsene Tochter begleitet ihre Mutter zur Verhandlung vor dem Thurgauer Obergericht in Frauenfeld.

Dem einen luchste sie 60000 Franken ab. Sie behauptete, sie könne den Betrag innert einem Monat verdoppeln. Ein Freund in Österreich benötige dringend Kapital für seine «Traditionelle Blockhäuser GmbH». Den andern erleichterte sie ebenfalls um einen fünfstelligen Betrag, nachdem er ihr Zugriff auf sein Baukreditkonto gegeben hatte. Sie hatte ihn überredet, den Kauf eines Mehrfamilienhauses in Münchwilen unter anderem über die Zürcher Versicherung abzuwickeln, bei der sie damals arbeitete.

Mit ähnlichen Methoden legte sie auch Leute herein, denen sie weniger nahe stand. Laut dem Urteil des Bezirksgericht Münchwilen vom 20. März 2018, gegen das die Finanzberaterin Rekurs eingereicht hat, wiegt ihr Verschulden schwer:

«Sie hat mit einer Selbstverständlichkeit und Systematik zahlreiche Leute hinters Licht geführt und diese um ihr Geld gebracht.»

Dabei hatte sie es nicht nötig. In den 14 Monaten, die sie bei der Versicherung arbeitete, kam sie auf ein Nettoeinkommen von 188000 Franken.

Gefälschter Studienabschluss

An sich hätte sie davon 149000 Franken dem Betreibungsamt abliefern müssen, das ihren über den Notbedarf von 3050 Franken pro Monat hinausgehenden Verdienst gepfändet hatte. Ihrer Bewerbung an die Versicherung hatte sie einen gefälschten Abschluss eines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums an der Universität Zürich beigelegt, dazu einen gefälschten Betreibungsregisterauszug.

Die Stelle in der Versicherung verlor sie, weil sie Nebenbeschäftigungen nachging. Unter anderem kaufte sie den Mantel einer AG, die sie entgegen den gesetzlichen Vorschriften nicht finanziell sanierte. Stattdessen nützte sie die Firma für weitere Geschäfte in ihrem üblichen Stil. Der Verteidiger pochte vor Obergericht vor allem darauf, dass die Taten seiner Mandantin grösstenteils verjährt seien. Denn begangen wurden sie zwischen 2001 und 2006. Sie trug allerdings selber dazu bei, da sie sich während des Untersuchungsverfahrens nach Kanada absetzte.

Das Bezirksgericht Münchwilen verurteilte die Frau 2008 in Abwesenheit zu 30 Monaten. Sie verlegte ihr Geschäft nach Deutschland, wo sie zwischen 2010 und 2013 viermal rechtskräftig verurteilt wurde.

Immer wieder eine Verhandlung verpasst

Zurück im Hinterthurgau verlangte sie im Januar 2013 eine Neubeurteilung des Abwesenheitsurteils, kam aber nicht zur Hauptverhandlung, die auf den 14. November 2013 angesetzt wurde. Da die Vorladung offenbar formell ungenügend war, setzte das Gericht einen neuen Termin auf den 6. Februar 2014 an, den sie wieder schwänzte. Das Bezirksgericht entschied, dass das Abwesenheitsurteil bestehen bleibe. Dagegen erhob die Verurteilte erfolgreich Beschwerde ans Obergericht.

Als es am 21. Mai 2015 endlich zur Verhandlung kam, verschob das Bezirksgericht diese. Zuerst sollte ein polydisziplinäres Gutachten abgewartet werden, welches das Bezirksgericht Bülach in Auftrag gegeben hatte. Dieses ergab, dass die Finanzberaterin unter einem dysexekutiven Syndrom leidet. Das bedeutet ungefähr: Sie ist nicht in der Lage, ihr Handeln möglichst optimal einer Situation anzupassen. Das Bezirksgericht schob die 20-monatige Freiheitsstrafe zu Gunsten einer ambulanten Psychotherapie auf, obwohl eine 2006 verordnete ambulante Therapie nicht gegriffen hatte.

Die jetzige Therapie tue ihr gut, versicherte die Finanzberaterin der Obergerichtspräsidentin. Sie könne jetzt auch Nein sagen, wenn sie um Hilfe gebeten werde.

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