Feuersbrunst in Schlatt: Im Zweifel für den Angeklagten

Im Frühling 2014 verursachte ein Brand in einer Fabrik in Schlatt einen Sachschaden in Millionenhöhe. Nach dem Bezirksgericht Frauenfeld spricht nun auch das Obergericht den mutmasslichen Verursacher frei.

Rahel Haag
Drucken
Teilen
Am 20. März 2014 brach im Gebäudekomplex einer Metallverarbeitungsfirma ein Feuer aus. (Bild: Stefan Hilzinger)

Am 20. März 2014 brach im Gebäudekomplex einer Metallverarbeitungsfirma ein Feuer aus. (Bild: Stefan Hilzinger)

Ein heute 66-Jähriger soll den verheerenden Grossbrand im Gebäudekomplex einer Metallverarbeitungsfirma in Schlatt-Neuparadies fahrlässig verursacht haben. Im März 2014 standen über 80 Feuerwehrleute im Einsatz, der Sachschaden belief sich auf 11,5 Millionen Franken. Nun hat das Obergericht den Beschuldigten freigesprochen.

Die Feuersbrunst war durch einen Mottbrand in einer Abfallpalette ausgelöst worden. Der Beschuldigte hatte am Tag des Unglücks Schleifarbeiten an einer metallenen Rampe ausgeführt. Den entstandenen Staub hatte er zusammengekehrt und in ebendiese Abfallpalette gekippt. Dazwischen hatte er gemeinsam mit seinem Chef während rund 15 Minuten Kaffee getrunken.

Das Bezirksgericht hatte den Beschuldigten unter anderem mit der Begründung freigesprochen, dass er weder bei den Schleifarbeiten noch bei der Entsorgung des Staubs eine Sorgfaltspflicht verletzt habe.

Schleierhaft, ob der Staub 15 Minuten liegen blieb

Daraufhin hatten die Staatsanwaltschaft und die Privatkläger Berufung erhoben. Es wurde unter anderem bemängelt, dass es schleierhaft sei, wie das Bezirksgericht zum Schluss habe kommen können, der Schleifstaub habe 15 Minuten auf dem Boden gelegen, bevor er vom Beschuldigten zusammengewischt worden sei und er habe annehmen können, die Schleifrückstände seien abgekühlt.

Wie die Vorinstanz spricht auch das Obergericht den Beschuldigten frei. Seine Aussagen seien glaubwürdig. Mangels Nachweis müsse – nach dem Grundsatz in dubio pro reo – davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte keine glühenden Funken zusammengewischt und in die Palette geworfen habe, heisst es im Urteil.

Das Obergericht spricht dem Beschuldigten eine Entschädigung von insgesamt rund 8000 Franken zu. Für diese soll die Staatsanwaltschaft aufkommen. Die Privatkläger sollen für das Berufungsverfahren eine Verfahrensgebühr von 1500 Franken übernehmen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Frist für die Berufung läuft.