Festivalsommer ade
«Dieser Plan des Bundesrats bringt uns nichts»: Auch das Open Air Frauenfeld ist abgesagt

Diesen Sommer gibt's definitiv kein Open Air Frauenfeld. Die Veranstalter bedauern den Entscheid, kritisieren die Behörden und informieren über die bereits verkauften Tickets.

Samuel Koch
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US-Rapper Future begeistert Tausende Fans vor der Skyline Stage.

US-Rapper Future begeistert Tausende Fans vor der Skyline Stage.

Bild: Andrea Stalder (Frauenfeld,
11. Juli 2019)

Tausende auf der Grossen Allmend, tanzend, feiernd, eskalierend. Immer noch unvorstellbar. Deshalb kommt die jetzige Meldung nicht ganz überraschend, nachdem die Absagewelle von Grossveranstaltungen seit Wochen über die Schweizer Festivallandschaft hereinbricht.

Im Gegensatz zu anderen Veranstaltern wie vom Open Air St.Gallen , die bereits Ende März die Reissleine zogen, haben die Organisatoren des Open Airs Frauenfeld (OAF) aber noch mit einem Entscheid zugewartet. Bis am Donnerstagabend. Seither ist klar: Nach 2020 geht auf der Grossen Allmend auch im kommenden Sommer kein grösstes Hip-Hop-Festival Europas mit täglich 50'000 Besucherinnen und Besuchern aus aller Welt über die Bühne.

«Gehofft, gekämpft, geplant und so lange wie möglich gewartet»

Die Veranstalter sprechen nicht von einer Absage, sondern von einer Verschiebung auf den Juli 2022, wie in einer Mitteilung vom Donnerstagabend steht. Demnach fehlt den Organisatoren auch nach dem jüngst vorgelegten Drei-Phasen-Plan des Bundesrats vom Mittwoch eine konkrete Perspektive für den Sommer. OAF-Mediensprecher Joachim Bodmer sagt:

«Wir sind frustriert, dieser Plan des Bundesrats bringt uns nichts.»
Joachim Bodmer, Mediensprecher Open Air Frauenfeld (OAF).

Joachim Bodmer, Mediensprecher Open Air Frauenfeld (OAF).

Bild: Andrea Stalder

Immerhin habe der Bundesrat zum ersten Mal so etwas wie eine Strategie zur Bewältigung der Pandemie erkennen lassen. Der vorgetragene Inhalt jedoch sei vage und unklar, dass er eine seriöse Planung eines Festivals verunmöglicht. «Die sonst schon schwierige Situation wird für uns durch vage Kommunikation noch schwieriger», sagt Bodmer.

Immer wieder in den vergangenen Wochen haben die OAF-Veranstalter die Behörden dafür kritisiert, dass sie keinen langfristigen Plan für den Festivalsommer vorlegen. So teilten die Organisatoren etwa auf den sozialen Medien aus, dass der Bundesrat wieder auf dem Weg zur nächsten Pressekonferenz sei, «um wieder nichts über Grossveranstaltungen im Sommer zu sagen».

Die OAF-Veranstalter hätten gehofft, gekämpft, geplant und so lange wie möglich gewartet. Ein weiteres Zuwarten aber sei nicht mehr möglich. Bodmer sagt:

«Es ist bedauerlich, dass man es in der Schweiz nicht schafft, die Pandemie schneller in den Griff zu bekommen.»

Blicke in die USA, nach England oder Australien zeigten den Veranstaltern rund um die Frauenfelder First Event AG, die seit 2017 mit dem amerikanischen Unterhaltungskonzern Live Nation zusammenarbeiten, dass dort im Sommer Festivals mit Tausenden von Besuchern stattfinden könnten. Dort herrsche Aufbruchsstimmung, während sich in der Schweiz das Bundesamt für Gesundheit, Bundesrat, Kantone und Taskforce gegenseitig die Schuld für den schleppenden Fortschritt zuschieben würden. Für die Veranstalter begrüssenswert wäre es, wenn die Verantwortlichen «mehr Probleme lösen, statt die Krise zu verwalten».

Ein abgespecktes OAF mit weniger und nur geimpften Besuchern sei nie wirklich ein Thema gewesen. «Wir verkaufen kein Konzert, sondern ein Erlebnis», sagt Bodmer.

Was zurückbleibt, ist ein Millionenschaden

Etwas mehr als zwei Monate vor dem Open Air sehen sich die Veranstalter also gezwungen, das Festival 2021 abzublasen und auf den Sommer 2022 zu verschieben. Das nächste OAF soll demnach vom 6. bis 9. Juli 2022 über die Bühne gehen, mit demselben Programm und denselben Künstlern, unter anderem mit Tyler the Creator, Kendrick Lamar und Sido.

Bereits gekaufte und verloste Tickets behalten ihre Gültigkeit für das Open Air Frauenfeld 2022, schreiben die Veranstalter, die mit einem jährlichen Budget von 15 Millionen Franken rechnen. Trotzdem bleiben sie auf einem Millionenschaden sitzen, wie Bodmer sagt:

«Der finanzielle Schaden ist riesig, den wir zum grössten Teil selber tragen müssen.»
Cardi B.
85 Bilder
Cardi B lässt die Massen am Open Air Frauenfeld am ersten Tag so richtig toben
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Das Erinnerungs-Selfie für die Diskussion nach der Show.

Cardi B.

Andrea Stalder

Am Open Air Frauenfeld tummelten sich letztmals im Juli 2019 insgesamt 180'000 Besucherinnen und Besucher über alle vier Festivaltage auf der Grossen Allmend in Frauenfeld, als unter anderem Musikgrössen wie Travis Scott, Future oder Cardi B auf den Skyline-Bühnen standen.