Fernwärme
Blick in Kristallkugel lohnt sich: Stadt rüstet sich trotz Risiken für Energiezukunft und übernimmt dank des Gemeinderates die Wärme Frauenfeld-West AG

1,95 Millionen Franken beträgt der Kredit, den der Gemeinderat mit grosser Mehrheit für die Übernahme der Wärme Frauenfeld-West AG bewilligt hat. Mit angepasstem Reglement wird diese nun in Thurplus integriert. 2022 entscheidet das Stimmvolk über das Vielfache.

Samuel Koch
Drucken
Teilen
Frauenfeld-West mit der Zuckerfabrik aus der Vogelperspektive.

Frauenfeld-West mit der Zuckerfabrik aus der Vogelperspektive.

Bild: Andrea Stalder (19.02.2021)

Mit 1,66 Millionen Franken rechnet Thurplus für die Instandstellung der Wärme Frauenfeld-West AG und den Betrieb über zehn Jahre. Mit 290'000 weiteren Franken soll die Stadt die Aktienmehrheit von knapp 72 Prozent des seit 1980 bestehenden Wärmeverbunds im Westen der Stadt anzapfen, der zurzeit dank Erdgas und der Abwärme der Zuckerfabrik 15 Liegenschaften versorgt. Nicht zu verwechseln ist dieses Geschäftsfeld mit dem Wärmering, der mit der Abwärme der Ara betrieben wird. Mit diesen Kosten ergibt sich der Kredit von 1,95 Millionen Franken, über welchen der Frauenfelder Gemeinderat am Mittwochabend zu befinden hatte.

Stefan Leuthold, Sprecher GPK Bau und Werke sowie Gemeinderat GLP.

Stefan Leuthold, Sprecher GPK Bau und Werke sowie Gemeinderat GLP.

Bild: PD

Um einen ersten Planungsschritt, welcher den Grundstein zum geplanten Grossprojekt in Phase 2 gelegt wird, bezeichnete Stefan Leuthold als Sprecher der GPK Bau und Werke den Kredit, der schliesslich einstimmig Anklang fand. «Die eigentliche Weichenstellung für das weitere Vorgehen wird die Volksabstimmung im Herbst 2022», sagte er. Resultiert an der Urne ein Nein, soll die Stadt den Wärmeverbund wieder verkaufen.

Kredit knapp unter Schwelle der Finanzkompetenz

Christian Mader, Gemeinderat EDU.

Christian Mader, Gemeinderat EDU.

Bild: PD

Widerspruch gegen die jetzige Vorlage aus den einzelnen Fraktionen gab es kaum. «Das Risiko» mit einem derzeit jährlichen Verlust von 10'000 Franken «ist es wert», sagte Christian Mader für die SVP/EDU. Diese fände es unschön, wenn der Kredit knapp unter der Finanzkompetenzschwelle des Gemeinderates nicht überschritten würde. Von einer «selbstständigen, umweltfreundlichen und wirtschaftlichen Wärmeversorgung» sprach Stefan Geiges (Fraktion CVP/EVP) und ergänzte:

«Wer Gewinne erzielen will, muss auch Risiken eingehen.»
Stefan Geiges, Gemeinderat CVP.

Stefan Geiges, Gemeinderat CVP.

Bild: PD

Nebst jenen wie dem Einstieg von auswärtigen Firmen oder dem ausbleibenden Erfolg glänze als grösster Vorteil die Weichenstellung für die Zukunft von Thurplus im Wärmebereich. «Mit unserem eigenen Versorgungssystem haben wir es selbst in der Hand, die Ziele unserer Energie- und Umweltpolitik zu erreichen», sagte Geiges. Dazu gehöre auch das Potenzial durch den Bau des Holzheizkraftwerks. «Frauenfeld muss die Chance packen und ins Geschäft mit Fernwärmen einsteigen, wenn das Gasgeschäft mal nicht mehr so gut läuft», sagte Michael Lerch für die FDP-Fraktion und formulierte klare Forderungen nach einem kostendeckenden und gewinnbringenden Betrieb sowie nach konkurrenzfähigen Energiepreisen, womit ein weiteres Standbein entsteht.

Michael Lerch, Gemeinderat FDP.

Michael Lerch, Gemeinderat FDP.

Bild: PD

Als kleinen Teil eines Plans mit einer begrüssenswerten Strategie bezeichnete Ralf Frei die Vorlage für die SP-Fraktion. Zu den Risiken sagte er: «Der Blick in die Kristallkugel lohnt sich.» Denn die Perspektiven für eine umweltfreundlichere Energieversorgung würden überwiegen. Anita Bernhard pflichtete ihrem Vorredner bei und sagte:

Ralf Frei, Gemeinderat SP.

Ralf Frei, Gemeinderat SP.

Bild: PD
«Die aktuelle Investition ist tragbar, die Risiken vertretbar und das Gesamtpaket eine gute, unterstützungswürdige Sache.»
Anita Bernhard, Gemeinderätin CH.

Anita Bernhard, Gemeinderätin CH.

Bild: PD

Einzig den Mahnfinger erhob sie beim möglichen Bieterwettbewerb mit dem angrenzenden Holzheizkraftwerk und bekräftigte das Anliegen, dass nicht «am Schluss die Frauenfelderinnen und Frauenfelder die Mehrkosten zahlen». Die Fraktion CH/Grüne/GLP wünsche sich ein Geschäft, das vornehmlich der Bevölkerung zugutekomme und nicht Thurplus.

Zukunftsträchtige und umweltfreundlicheres Geschäftsfeld

Thurplus will eine aktive Rolle spielen und nicht zum Netzanbieter degradiert werden, sagte Stadtrat Fabrizio Hugentobler. Den bestehenden Kunden soll eine Sicherheit und eine Perspektive gegeben werden.

«Es werden Weichen gestellt mit einem wichtigen Schritt in ein zukunftsträchtiges und umweltfreundlicheres Geschäftsfeld.»
Fabrizio Hugentobler, Stadtrat und Departementsvorsteher für Freizeitanlagen, Sport und Werke.

Fabrizio Hugentobler, Stadtrat und Departementsvorsteher für Freizeitanlagen, Sport und Werke.

Bild: Andrea Stalder

Der Rat sah dies genauso und stimmte den Anträgen zur Übernahme und dem Kredit von 1,95 Millionen Franken einstimmig und der Anpassung einzelner Artikel im Fernwärmereglement mit grosser Mehrheit (34 Ja, 0 Nein und 2 Enthaltungen) zu.

Aktuelle Nachrichten