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FDP-Thurgau-Präsident David H. Bon: «Die Parteileitung steht zu hundert Prozent hinter mir»

Parteien vor der Wahl (3/9): In der Umweltpolitik ist Innovation wichtiger als Ideologie, sagt Präsident David H. Bon.
Thomas Wunderlin
FDP-Präsident David H. Bon hält das Anliegen der Biodiversitäts-Initiative für berechtigt. (Bild: Thomas Wunderlin)

FDP-Präsident David H. Bon hält das Anliegen der Biodiversitäts-Initiative für berechtigt. (Bild: Thomas Wunderlin)

Sind Sie nach Ihrer Abwahl als Romanshorner Stadtpräsident noch der richtige Mann, um die FDP in die Nationalratswahlen zu führen?

David H. Bon: Ich glaube schon. Erstens kann man aus allem etwas lernen. Zweitens hat die Parteileitung unter Vorsitz des Vize gleich nach meiner Nichtwiederwahl darüber diskutiert. Sie steht zu hundert Prozent hinter mir. Ich denke, wir haben eine gute Stimmung in der Partei, ich spüre Wohlwollen und Unterstützung. Ich bin auch nicht der Wahlkampfmanager und stehe nicht zur Wahl.

Die FDP Schweiz engagiert sich stärker für Klimaschutz. Schadet ihr dieser Kurswechsel kurz vor den Wahlen?

Nein, wir müssen ihn nur richtig erklären. Unser Weg ist Innovation, nicht Ideologie. Die FDP Thurgau hat sich schon immer für Umweltschutz eingesetzt. Man hat es vielleicht nicht als Parteiprogramm deklariert, wie es jetzt geschieht. FDP-Regierungsrat Kaspar Schläpfer förderte schon ab 2001 die Energiestadt-Bewerbungen. Bei ihm waren die Anfangszeiten von Sitzungen und Versammlungen immer auf die Ankunftszeit des Zugs abgestimmt. Da hat die Sitzung in Weinfelden um zwanzig vor begonnen, nicht um halb wie bei den andern Departementen.

Die FDP Thurgau ist also auf der Linie von Petra Gössi, der Präsidentin der FDP Schweiz?

Ja, auf jeden Fall.

Der Thurgauer FDP Nationalrat Hansjörg Brunner stand nicht unbedingt auf ihrer Seite, etwa bei der Flugticketabgabe.

Hansjörg Brunner ist ein sehr pragmatischer, bodenständiger Politiker. Er will einfach keinen Ablasshandel. Wir wehren uns nicht dagegen, dass bewusster geflogen wird. Wir wollen uns aber nicht freikaufen wie ein Vater, der sein Kind mit Geschenken überhäuft und sich nachher wochenlang nicht mehr blicken lässt. Auch unsere Unternehmer machen sehr viel, aber sie laufen deswegen nicht mit der Fahne herum. Wir stehen auch in Kontakt mit der Biodiversitätsinitiative, möglicherweise treten wir ins Initiativkomitee ein.

David H. Bon. (Bild: Donato Caspari)

David H. Bon. (Bild: Donato Caspari)

Diese verlangt, dass der Kanton zusätzlich bis zu fünf Millionen Franken für Naturschutz ausgibt.

Wir finden ihr Grundanliegen berechtigt, wollen aber nicht als Trittbrettfahrer gelten. Man hat bei der Lancierung gar nicht mit uns gesprochen. Toni Kappeler vom Initiativkomitee ist nach der SP-Geschichte auf uns zugekommen.

Sie spielen darauf an, dass die SP auch nicht um Unterstützung gebeten wurde. Apropos Initiative: Die FDP hat die am 19. Mai angenommene Initiative für das Öffentlichkeitsprinzip abgelehnt, obwohl es sich eigentlich um ein liberales Anliegen handelt.

Ja, das ist es. Wir haben uns klar zum Öffentlichkeitsprinzip bekannt, und ich möchte gern, dass Sie das auch so schreiben. Der Verfassungstext ist einfach nicht sauber verfasst.

Inwiefern?

Es fehlt die Gleichbehandlung aller Körperschaften, beispielsweise sind die Kirchen nicht einbezogen.

Dann müssten Sie auch das neue Archivgesetz ablehnen, das der Regierungsrat Anfang Juli dem Grossen Rat überwiesen hat.

Hier geht es um ein Gesetz, beim Öffentlichkeitsprinzip handelte es sich um eine Verfassungsänderung. Ich nehme den Hinweis aber gerne mit.

Bei den letzten Nationalratswahlen 2015 erreichte die FDP Thurgau einen Stimmenanteil von 13 Prozent und wurde knapp hinter der CVP drittstärkste Partei. Was ist Ihr Ziel für den 20. Oktober 2019?

Ein bis zwei Prozentpunkte zusätzlich. Langfristig wollen wir den Nationalratssitz aus eigener Kraft erringen können. Mit zwei sehr starken Listen mit ausgezeichnet qualifizierten Kandidatinnen und Kandidaten zeigt die FDP den Wählerinnen und Wählern ihr Potenzial und dass sie gut gerüstet ist.

Die FDP hat ihre Liste mit der SVP und der EDU verbunden. Rechnen Sie damit, dass Sie so den Sitz halten können?

Ja. Die Listenverbindungen sollte man eigentlich abschaffen. Ihretwegen erhielt die CVP beispielsweise bei den Grossratswahlen 2016 im Bezirk Arbon gleich viele Sitze wie wir – mit einem Viertel weniger Stimmen.

Am 15. März 2020 werden gleichzeitig Regierungsrat und Grosser Rat gewählt. Der Tierschutzskandal Hefenhofen könnte eine Belastung für die FDP sein; FDP-Regierungsräte hatten die oberste Verantwortung.

Ja, es ist ein grosser Schuh, den man da herausgezogen hat. Eine unglückliche Geschichte, die uns auch in der FDP sehr beschäftigt hat. Wenn man Verantwortung trägt, im Beruf oder der Familie, muss man gerade als Liberaler hinstehen, wenn etwas nicht gut läuft. So habe ich es auch in Romanshorn gehalten bei meiner Abwahl; da habe ich nicht den Kopf in den Sand gesteckt. Bei Hefenhofen haben wir uns für eine Untersuchungskommission eingesetzt. In der Wirtschaft, wo ich teilweise komplexe Aufgaben zu betreuen hatte, habe ich die Erfahrung gemacht, dass es oft viele kleine Dinge sind, die am Ende zum grossen Knall führen. Es war für mich deshalb keine Überraschung, dass auch der Fall Hefenhofen eine systemische Ursache hatte. Es war nicht einfach das Versagen einer Person. Es waren Leute in unserer Partei mitverantwortlich, nicht allein verantwortlich. Walter Schönholzer hat meines Erachtens richtig gehandelt. Er hat nichts beschönigt, hat sich der Sache gestellt und gezeigt, dass er Führungsverantwortung übernimmt. Dann wird es nicht zu einer Hypothek, sondern zu einem Asset. Man hat den Menschen Walter Schönholzer gespürt und gesehen, wie er mit einer solchen Situation umgeht. Es kann für ihn sogar einen positiven Effekt geben. Wir glauben an ihn.

David H. Bon. (Donato Caspari)

David H. Bon. (Donato Caspari)

Bei den Grossratswahlen 2016 hat die FDP zwei Sitze zugelegt und ist auf 20 gekommen. Haben Sie ein Ziel für 2020?

Nochmals zwei dazu.

Kandidieren Sie wieder?

Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Ich bin sehr gern im Grossen Rat, aber ich bin ja jetzt dabei, mich beruflich neu zu orientieren.

Zur Person

David H. Bon führt die FDP Thurgau seit 2016. Seit 2010 ist er Kantonsrat. Ende Juni 2019 wurde der gebürtige Zürcher (Jahrgang 1967) als Romanshorner Stadtpräsident abgewählt. (wu)

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