Fast wie eine kleine Familie: Das Timeout Frauenfeld präsentiert sich nach dem Neustart

Die Pause ist vorbei. Seit Mitte August nimmt das Timeout Frauenfeld wieder Schülerinnen und Schüler auf. Aktuell gehen an der Lachenackerstrasse 10 fünf Jugendliche ein und aus.

Rahel Haag
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Im Schulzimmer: Die beiden Lehrpersonen des Timeout Christian Barlea und Petra Soller beantworten die Fragen der Interessierten. (Bild: Donato Caspari)

Im Schulzimmer: Die beiden Lehrpersonen des Timeout Christian Barlea und Petra Soller beantworten die Fragen der Interessierten. (Bild: Donato Caspari)

Es ist bereits dunkel, die Fenster sind hell erleuchtet. Ein schmaler Steinplattenweg führt am Briefkasten vorbei zum Eingang des Einfamilienhauses an der Lachenackerstrasse 10. Nur eine Tafel an der Holzfassade weist daraufhin, dass hier niemand wohnt, sondern Jugendliche unterrichtet werden. Aktuell sind es fünf. «Wir können maximal acht Schülerinnen und Schüler aufnehmen», sagt Sibylle Flückiger, die neue Schulleiterin des Timeout.

Nachdem das Timeout für ein Jahr unterbrochen worden war, startete das Angebot vergangenen August mit einem neuen Team und angepasstem Konzept.

Am Donnerstagabend hat das Timeout seine Türen für Vertreter der umliegenden Sekundarschulgemeinden und andere Institutionen geöffnet. «Wir wollen Ihnen unsere Arbeit vorstellen», sagt Flückiger.

Erfolgserlebnisse nach zahlreichen Rückschlägen

Ziel des Timeout ist es, Schülerinnen und Schülern der Sekundarschulstufe, die sich in ihrer Regelklasse nicht mehr zurechtfinden oder persönliche Probleme haben, einen Neuanfang zu bieten.

«Nach zahlreichen Rückschlägen sollen sie bei uns Erfolgserlebnisse haben»,

sagt Flückiger. Im Timeout könnten sie zur Ruhe kommen. Sie bleiben während vier bis sechs Monaten. Dies ist eine der konzeptionellen Änderungen, zuvor dauerte das Timeout zwischen drei und sechs Monaten. «Wir haben gemerkt, dass drei Monate zu kurz sind.»

Im Tagesschulbetrieb werden den Jugendlichen klare Strukturen geboten. Von 8 bis 16.30 Uhr ist Präsenzzeit. Im Timeout werden dann auch die Hausaufgaben erledigt. «Am Abend soll der Schulteil für sie abgeschlossen sein», sagt Flückiger. Dann bleibe Zeit für Freizeitaktivitäten wie Sport oder Musikunterricht.

Sibylle Flückiger, Schulleitung Timeout. (Bild: Donato Caspari)

Sibylle Flückiger, Schulleitung Timeout. (Bild: Donato Caspari)

Nebst dem Unterricht nach Lehrplan übernehmen die Jugendlichen verschiedene Ämtli. Dazu gehört beispielsweise die Pflege des Gartens. «Gestern haben sie Laub gerecht», sagt Flückiger. Auch das Kochen des Mittagessens gehört zum Alltag. Den Apéro, der an diesem Abend bereitsteht, haben ebenfalls die Jugendlichen vorbereitet. Flückiger greift zu einem Tomaten-Mozzarella-Spiesschen.

Zusätzlich findet jeweils am Montag von 16 bis 18 Uhr das sogenannte Familiencoaching statt, an dem auch die Eltern teilnehmen. Dieses übernimmt wie bisher Franz Schalk. Neu steht die Sozialarbeiterin Ursula Lenherr zur Seite.

Genügend Zeit für jeden Einzelnen

Die beiden Lehrpersonen Christian Barlea und Petra Soller haben je ein Pensum von zirka 80Prozent. Soller unterrichtete zuvor ausschliesslich Klassen des Typus G, sprich Grundanforderungen. In diesem Zusammenhang habe sie oft Schülerinnen und Schüler mit Problemen erlebt.

«Mir hat aber jeweils die Zeit gefehlt, auf jeden Einzelnen eingehen zu können»

sagt sie. Im Timeout habe sie nun die Chance, die Jugendlichen und ihre Familien intensiv zu unterstützen. «Wir sind hier fast wie eine kleine Familie.»

Eines der Hauptthemen im Timeout ist die Berufswahl. «Hier werden die Jugendlichen eng begleitet», sagt Flückiger. Sie wollten ihnen ihre Möglichkeiten aufzeigen und schauen, dass es für jeden eine Anschlusslösung gibt. Das könne die Wiedereingliederung in die Regelklasse, der Übertritt in eine Berufslehre oder ein Brückenangebot sein.

Mehrmals habe sie schon gehört, dass Lehrpersonen den Schülern gedroht hätten, dass sie beim nächsten Vorfall ins Timeout müssten, erzählt Flückiger.

«Das Timeout ist aber keine Strafe, sondern eine Chance.»