Reportage

Familienbetrieb Gamper aus Stettfurt versorgt die Schweiz mit dem Gemüse aus der Dunkelheit

Die Firma Gamper Gemüsekulturen aus dem beschaulichen Stettfurt beliefert derzeit die ganze Schweiz mit Chicorée. Wir blicken Firmengründer Erwin Gamper und seinen Mitarbeitern bei der Produktion über die Schultern.

Christoph Heer
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Ein Mitarbeiter wäscht den Chicorée von Hand.

Ein Mitarbeiter wäscht den Chicorée von Hand.

(Bild: Christoph Heer)

Es riecht nach Gemüse. In diesem Moment sind es Rosenkohl und Lauch, die sich auf den Förderbändern bewegen. Flinke Hände prüfen die Qualität und trennen das Gemüse vom Ausschuss. Zwischendurch fährt ein Stapler durch die Halle. Unzählige Paletten werden täglich bewegt, von der Rüsterei in den Kühlraum, vom Lieferanten zum Lager oder von der Abpackerei zum Lastwagen.

Das alles geschieht in den Hallen der Gamper Gemüsekulturen in Stettfurt. Deren erfolgreiche Firmengeschichte nahm 1977 ihren Anfang. Nach Übernahme der Pacht des elterlichen Landwirtschaftsbetriebs begann Erwin Gamper mit dem Anbau von Lager- und Konservengemüse. Der 69-jährige Firmengründer sagt:

«Schon ein Jahr später wurde der Bau einer Lagerhalle erforderlich. Denn die ersten Versuche im Anbau von Chicorée waren höchst vielversprechend.»
Erwin Gamper zeigt eine unbearbeitete Chicorée-Pflanze.

Erwin Gamper zeigt eine unbearbeitete Chicorée-Pflanze.

(Bild: Christoph Heer)

1979 wurde Chicorée bereits auf zehn Hektar angebaut, was einem Ertrag von rund 130 Tonnen entspricht. Das Unternehmen hatte in all den Jahren auch durch schwierige Phasen zu kämpfen. Doch aufgeben kam nie in Frage. Entwickelt hat sich eine grössere Firma mit heute rund 120 Angestellten im Sommer, im Winter sind es etwa 80. 

Freilandfläche, Gewächshäuser und Hochtunnel

Die Geschichte von Gamper Gemüsekulturen widerspiegelt die kontinuierliche Entwicklung vom lokalen Landwirtschaftsbetrieb zum bedeutenden, überregionalen Produzenten. Treibende Kräfte für das erfolgreiche Wachstum waren die Passion für die Produkte und die langfristig angelegte Planung. Der Betrieb passt sich permanent den modernsten Erkenntnissen in Produktion, Verarbeitung und Logistik an, um beste Qualität, maximale Lieferbereitschaft und minimale Reaktionszeiten gewährleisten zu können. Gemüse wird auf einer Fläche von 200 Hektaren Freilandfläche, 3300 Quadratmeter Gewächshaus und 1800 Quadratmeter in drei Hochtunneln angebaut. (che)

Pensionär arbeitet noch täglich im Betrieb mit

Erwin Gamper könnte inzwischen seine Zeit als Pensionär geniessen, doch das würde seiner Philosophie nicht entsprechen. «Natürlich nehme ich es heutzutage ruhiger. Trotzdem kümmere ich mich noch mit Leib und Seele um Projekte und zum Teil auch um Beratungen. Ich muss jedoch am Morgen nicht mehr der Erste und am Abend nicht mehr der Letzte sein, der in der Firma steht», sagt der Gemüseliebhaber.

«45 Prozent unseres Umsatzes generieren wir inzwischen durch den Chicorée. Unsere Chicorée-Biolinie, die wir seit 2016 verarbeiten, deckt rund 70 Prozent des gesamtschweizerischen Verbrauchs ab.»

Chicorée ist Gampers Lieblingsgemüse. «Viele wissen gar nicht, wie der Chicorée entsteht, wie viele Arbeitsabläufe bei der Gewinnung des Gemüses dahinterstecken und wie gesund es ist. Längst wurden die stärksten Bitterstoffe herausgezüchtet. Richtig zubereitet schmeckt Chicorée einfach hervorragend», sagt er schwärmend. Er bedauert, dass die Gesellschaft die Wertschätzung Gemüse gegenüber zunehmend verliert.

Am Wurzel-Trenn-Fliessband.

Am Wurzel-Trenn-Fliessband.

(Bild: Christoph Heer)

Nasser Herbst lässt viel Erde an Wurzeln haften

Chicorée entsteht in einem nur wenige Wochen dauernden Prozess. Viele wissen nicht, dass diese Pflanze nicht im Gartenbeet gedeiht, wie etwa Eisbergsalat oder Nüsslisalat. «Beim Chicorée stehen vier Produktionsstufen an.» Gamper erklärt, dass mit der Aussaat im Monat Mai die Chicoréewurzel erzeugt wird, die dann zwischen September und November geerntet wird. Er sagt: 

«Mit dieser Ernte sind wir etwas später dran als sonst. Grund ist der nasse Herbst. So kommen die Wurzeln mit viel Erde behaftet bei uns an, das erschwert die weitere Verarbeitung.»

Die Wurzeln werden nun bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 98 Prozent eingelagert. Nach einer Woche oder auch erst nach Monaten (für die ganzjährige Produktion) werden die Wurzeln aufrecht in Kunststoffkisten eingelegt und in absolut lichtdichten Räumen bei rund 20 Grad Celsius für 20 bis 25 Tage angetrieben.

Chicorée gedeiht in absoluter Dunkelheit. Im Bild nach einer Woche.

Chicorée gedeiht in absoluter Dunkelheit. Im Bild nach einer Woche.

(Bild: Christoph Heer)
«In diesen rund drei Wochen treibt die Wurzel aus. Ohne mit Erde bedeckt, sondern nur in einem geschlossenen Kreislauf von Wasser und Nährstoffen aufbewahrt. Die Dunkelheit verhindert, dass die Zapfen grün werden.»
Bald lässt er sich ernten. Im Bild nach drei Wochen.

Bald lässt er sich ernten. Im Bild nach drei Wochen.

(Bild: Christoph Heer)

Erwin Gamper kostet ein zweiwöchiges Chicoréeblatt und scheint mit der Qualität zufrieden zu sein. Die Verarbeitungsprozesse gehen Hand in Hand. Oft kommen auch maschinell betriebene Abläufe zum Zug. So wird etwa die Wurzel vom fertig getriebenen Chicorée automatisch abgetrennt, die Beschickungsanlage muss dafür jedoch von Hand bedient werden.

Fein säuberlich aufgereiht bringen Förderbänder die nun verpackungsbereiten Chicorées in die Abpackerei. Auch hier sitzt jeder Handgriff, bevor die abgepackten Portionen palettenweise das Areal in Richtung der Grossverteiler verlassen. Erwin Gamper sagt nicht ohne eine grosse Portion Stolz: «Wir beschäftigen gutes Personal. Die Meisten sind langjährige Mitarbeiter, so können wir viel Know-how behalten und das bringt uns in Sachen Qualität enorm viel.»

Vitamin A, B, C, Kalzium und Magnesium

Chicorée ist kalorienarm und reich an Vitaminen und Mineralstoffen. Chicorée ist hervorragend als Wintergemüse geeignet, da besonders viel Vitamin A, B und C, Kalzium oder Magnesium darin enthalten sind. Zudem gilt Chicorée als der am besten verdauliche Salat. Bei der Zubereitung sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. (che)

Ratgeber

Chicorée, gekocht als Gemüse: Wie geht das?

Ein aktuelles Gemüse ist Chicorée. Ich kenne einzig die Zubereitung als Salat, habe nun aber gehört, dass man ihn auch auf andere Arten zubereiten kann. Können Sie mir Tipps und generelle Informationen geben?
Monika Neidhart*