Familienbetrieb
Auf eine letzte Sternenrolle: Das Gasthaus Sternen in Fischingen schliesst seine Pforten, lädt aber noch ein letztes Mal zur Hausspezialität ein

Seit 1997 wirtet die Familie Mahler an der Hauptstrasse 33 im Gasthaus Sternen. Der ungelernte Koch Roman Mahler stand seit jeher in der Küche. Unterstützt wurde er von seiner Mutter. Nun schliesst der Familienbetrieb nach 24 Jahren. Zurück bleiben gute Erinnerungen.

Miguel Lo Bartolo
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Koch und Geschäftsführer Roman Mahler vor dem Gasthaus Sternen in Fischingen.

Koch und Geschäftsführer Roman Mahler vor dem Gasthaus Sternen in Fischingen.

Bild: Miguel Lo Bartolo

Das Gasthaus Sternen ist effektiv schon nicht mehr in Betrieb. Seit Wochen kommen keine Gäste mehr vorbei, es sei denn, sie folgen dem Aufruf der Wirte Roman und Beatrice Mahler. Mutter und Sohn laden auf eine letzte Sternenrolle ein – eine Hausspezialität, für die Leute aus allen Winkeln des Thurgaus während der letzten 24 Jahre den Weg nach Fischingen auf sich genommen haben. Es handelt sich dabei um ein grossgeklopftes Schweineschnitzel gefüllt mit Schinken und Pilgerkäse, das eingerollt und frittiert serviert wird.

Zwei Sternenrollen serviert mit Pommes frites.

Zwei Sternenrollen serviert mit Pommes frites.

Bild: PD

Die Pandemie hat dem Geschäft offenkundig zugesetzt, so erging es der gesamten Gastronomiebranche. In diesem Fall hat das Coronavirus aber auch zu einer verfrühten Schliessung geführt. Roman Mahler sagt: «Corona hat das Ganze schon beschleunigt.» Pilger, Velofahrer, Leute auf der Durchreise – diese Kundengruppe ist in den vergangenen Monaten fast gänzlich weggebrochen.

Man habe sich zwar bereits vor dreieinhalb Jahren Gedanken darüber gemacht, wann man denn das Gasthaus schliessen wolle. Die unsichere Lage hat dem Familienbetrieb die Entscheidung abgenommen. Mahler glaubt nämlich nicht, dass sich die Situation in absehbarer Zeit vollkommen entspannen wird. Die Familie will die Liegenschaft verkaufen, die Nachfolgelösung ist noch nicht geregelt.

Zum Gasthaus

Das Gasthaus Sternen in Fischingen wird seit 1997 als Familienbetrieb geführt. Roman Mahler steht seit jeher als ungelernter Koch am Herd, seine Mutter, Beatrice Mahler, arbeitet im Service. Im Jahre 2010 wurde das Restaurant um einen Neubau erweitert. Seither standen den Gästen im Nebengebäude vier Zimmer zum Übernachten zur Verfügung. Zwischen den Gebäuden befindet sich zudem ein Saal mit Platz für bis zu 65 Personen, welcher für Bankette, Firmenevents oder Familienfeiern benutzt wurde. (mlb)

Vom Znüni bis zum späten Feierabendbier geöffnet

Am Konzept des Gasthauses an der Hauptstrasse 33 hat Mahler indes nie gezweifelt. «Die gutbürgerliche Küche war früher ein Renner», sagt er. Obwohl sie gerade in urbanen Gebieten immer rarer werde, glaubt er felsenfest an ihr Comeback. Für ein gutes Schnitzel, Cordon bleu oder einen «rechten Teller» Hörnli mit Ghackets könne sich schliesslich jeder begeistern.

Zu ihren besten Zeiten bewirteten Mahlers über Mittag gut 30 Leute.

«Vom Handwerker bis zum Geschäftsmann kam hier jeder gerne vorbei.»
Roman Mahler in der Restaurantküche.

Roman Mahler in der Restaurantküche.

Bild: PD

Das Gasthaus war ganztags geöffnet, «vom Znüni bis zum späten Feierabendbier», wie Roman Mahler sagt. Er stand in der Küche, die Mutter war im Service. Seit Jahren kocht Mahler im «Sternen» – und das ohne eine entsprechende Ausbildung.

Mahler wollte eigentlich in die Fussstapfen seines Vaters treten und hat deshalb eine Lehre zum Landwirt gemacht. Als seine Eltern das Gasthaus gekauft hatten, fand er seine Berufung in der Küche. «Die Arbeit hat mir wirklich gefallen», sagt er. «Andernfalls hätte ich das nie so lange mitgemacht.» Der Job sei nämlich beinhart, die Tage seien lang und die sei Freizeit knapp.

Besuch von Bumann war ein Höhepunkt

Jetzt hat Mahler eine neue Aufgabe gefunden. Er wechselt die Branche, arbeitet künftig im Aussendienst. «Jetzt hab ich endlich das, was mir die ganzen Jahre über gefehlt hat: geregelte Arbeitszeiten.» Mahler sitzt ohnehin gerne im Auto. Und dort wird er in Zukunft viel Zeit verbringen, ist sich der 41-Jährige sicher.

An bestimmte Höhen und Tiefen während seiner Zeit im «Sternen» erinnert sich Mahler kaum. Einzig der Besuch des Restauranttesters Daniel Bumann ist ihm geblieben. Der Fernsehsender 3+ strahlte die Folge im November 2019 aus. Mahler sagt:

«Glücklicherweise hat mich Bumann damals in der Küche nicht auf dem falschen Fuss erwischt.»

So sei ein aus seiner Sicht stimmiger Bericht entstanden.

Hinweis: Die letzten Sternenrollen gibt es am Wochenende vom 6. bis 8. August sowie am 4. und 5. September.

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