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Familie Brändle aus Wagenhausen sucht externen Zuwachs

Reto und Karin Brändle aus Wagenhausen wollen die Türen zu ihrem Bauernhaus im Chlingenriet für fremdplatzierte Kinder öffnen. Sie wollen lieber gestern als heute loslegen.
Samuel Koch
Reto Brändle und Sohn Nevio sitzen in einem der frisch renovierten Zimmer.Bild: Reto Martin

Reto Brändle und Sohn Nevio sitzen in einem der frisch renovierten Zimmer.Bild: Reto Martin

Nevio, anderthalbjährig, kastanienbraune Augen und dunkelblonde Haare. Der Sprössling der Brändles gilt als Hauptgrund für die Neuorientierung der ganzen Familie, die nun im sozialpädagogischen Projekt Chlingenriet gipfelt. «Während der Schwangerschaft machten wir uns Gedanken, was wir für unsere Zukunft wollen», sagt Vater Reto Brändle und sitzt mit Nevio auf dem Schoss am Esstisch.

Nebst drei Kindern im Jugendalter gilt der kleine Nachzügler aber nicht als einzige Triebfeder, weshalb die Familie nun in idyllischer Lage etwas ausserhalb von Wagenhausen wohnt. Brändle sagt:

«Wir haben uns in dieses Haus verliebt.»

Wegen des Umzugs ins ehemalige Bauernhaus mit viel Umschwung ist der 49-Jährige im April nach mehreren Jahren als Präsident der Primarschule Steckborn zurückgetreten. Nun hat er mit seiner Frau Karin die Chlingenriet GmbH gegründet, wie kürzlich im Amtsblatt zu lesen war. «Sie wird weiterhin als Lehrerin in Eschenz arbeiten und mich bei unserem gemeinsamen Projekt unterstützen», sagt er. Währenddessen kurvt Nevio auf seinem Spielzeugtraktor durchs Wohnzimmer.

Effiziente und unabhängige Kleininstitution

Im Chlingenriet sollen je nach Bedarf ein bis drei fremdplatzierte Kinder ein neues Zuhause finden. Aus welchen Verhältnissen der fremde Familienzuwachs kommt, spielt den Brändles eine untergeordnete Rolle. Reto Brändle sagt:

«Wir bieten Kindern Raum, Zeit und Unterstützung für ein gesundes Aufwachsen im familiären Rahmen.»

Er habe auch schon Erfahrungen in grösseren Institutionen wie dem Wohn- und Ausbildungsheim andante in Steckborn gesammelt. Jetzt aber wollen die Brändles der Effizienz und der Unabhängigkeit wegen bewusst klein bleiben. Die Bewilligung der kantonalen Aufsicht für die Kleininstitution mit bis zu vier fremdplatzierten Kindern sollte demnächst erfolgen.

Seit seinem Rücktritt als Schulpräsident im April ist im Chlingenriet einiges gegangen. «Es war eine strube Zeit», meint Brändle und schmunzelt. Die Familie liess den bisher als Estrich genutzten Dachstock für eine stattliche Summe zu einem einladend hellen Wohnbereich umbauen. Obwohl sich Brändle nicht als Heimhandwerker bezeichnet, packte er mit an. Vom Zimmer auf der Nordseite ist bei schönem Wetter gar die Burg Hohenklingen über Stein am Rhein zu sehen. «Unser neues Markenzeichen», sagt Brändle.

Offener, respektvoller und harmonischer Umgang

Noch sind nicht alle Zimmer bis ins Detail fertiggestellt. Das hat seinen Grund, wie Brändle erklärt: «Die Zimmer sollen nach den Bedürfnissen der Kinder eingerichtet werden.» Reto und Karin Brändle werden sich gemeinsam eine Vollzeitstelle teilen. Des Geldes wegen machen sie sich jedoch nicht selbstständig. Mit der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb oder der Gemeinde habe Brändle bisher keinen Kontakt gehabt:

«Aber eigentlich müssten sie doch froh sein, wenn wir bei uns Kinder aufnehmen.»

Er sei ein Verfechter davon, Kindern für die Selbstentfaltung einen möglichst offenen, respektvollen und harmonischen Umgang beizubringen. Er selbst sei durch und durch Familienmensch, obwohl er damals im Kanton Glarus ab dem Alter von vier Jahren als Einzelkind aufgewachsen sei. Mit dem Projekt im Chlingenriet wollen die Brändles so bald wie möglich loslegen. «Wir starten lieber gestern als heute», sagt Brändle. Denn im Gegensatz zu ihm soll Sprössling Nevio nicht als Einzelkind oder gar fremdbetreut aufwachsen.

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