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Die falschen Pfähle an der Strecke Steckborn-Eichhölzli müssen weg

Auf dem Seerücken dreht eine Crew Fluchtszenen für den Film über den legendären Ausbrecherkönig Walter Stürm. Nebst viel Action gab es Streicheleinheiten für weidende Kühe.
Margrith Pfister-Kübler
Vorbereitungen auf dem Eichhölzli-Parkplatz für die Filmfahrt nach Steckborn hinunter: Roger Schweizer, Heimweh-Frauenfelder und erster Regieassistent, mit Produzent Ivan Madeo, im Hintergrund der zu filmende Lieferwagen auf dem Tiefladeanhänger. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Vorbereitungen auf dem Eichhölzli-Parkplatz für die Filmfahrt nach Steckborn hinunter: Roger Schweizer, Heimweh-Frauenfelder und erster Regieassistent, mit Produzent Ivan Madeo, im Hintergrund der zu filmende Lieferwagen auf dem Tiefladeanhänger. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Es war die schöne Aussicht auf den See und die Nähe zur Landesgrenze, die Drehbuchautor und Filmproduzent Ivan Madeo dazu verführte, das Eichhölzli oberhalb Steckborn und den Seerücken für Szenen im Kinofilm über das Leben des Ausbrecherkönigs Walter Stürm (1942–1999) zu wählen. «Das war bei schönem Wetter», sagt Produzent Ivan Madeo. Doch das Wetter am Drehtag war kalt und neblig. Beim Augenschein der Dreharbeiten wurde höchste Disziplin erkennbar, null Leerlauf bei sehr freundlichem Umgangston.

Viel Technik auf dem Drehplatz

Die Crew von Contrast-Film fand am Mittwoch bei den Landwirten Margrith und Hubert Hegglin auf dem Eichhof Unterkunft. Beim Mittagessen in der Scheune wurde für ein Geburtstagskind sogar eine Torte mit Kerzen aufgetischt: Alle sangen «Happy Birthday». Dann auf dem Drehplatz, dem Eichhölzli-Parkplatz: viel raffinierte Technik, die Tricks beim Optikwechsel, die künstlerische Gestaltung. Es durften zwar keine Fotos von den Schauspielern gemacht werden. Aber der Blick auf die echten Arbeiten «hinter den Kulissen», das durfte sein.

Die Fluchtautos fahren nicht wirklich, sondern sind auf dem Tieflader festgebunden. Der Tieflader fährt. Das Schussloch in der Frontscheibe ist parat. Das überlange Gefährt startet Richtung Steckborn, durch den Kreisel bis zum Campingplatz. Kurz nach der Kantonalbank wird auf dem Trottoir angehalten. Optikwechsel. Dann wieder zurück zum Eichhölzli. Kastenwagen abladen, Jaguar aufladen. Die Jaguar-Fahrt führt bis Hörhausen.

Gestern in der Bank, heute auf der Flucht

Vorerst eine Pinkelpause im Eichhölzli für Anwältin Barbara Hug, dargestellt von Marie Leuenberger. Stürm flüchtet zuerst in einem blauen Kastenwagen, verkleidet als Zürcher Kantonspolizist, und dann in einem Jaguar, verkleidet als Businessman. Schauspieler Joel Basman erzählt, dass vor den Eichhölzli-Szenen in Zürich-Rümlang gedreht wurde: «Gestern in einer Bank, vorgestern im Auto und einem Diamantengeschäft.»

Er flirtet mit den Kühen auf der Weide beim Eichhof, die Kühe lassen seine Streicheleinheiten zu. Auf die Frage, ob er sich ein echtes Leben als Stürm vorstellen könnte, lacht er und sagt: «Das wäre mir zu viel Stress.» Marie Leuenberger muss für ihre Rolle als Anwältin am Stock gehen. «Die Rolle ist extrem facettenreich», sagt sie. Stürm und seine Anwältin verbindet die Liebe.

Walter Stürm, der sogenannten Ausbrecherkönig im Untersuchungsgefängnis in Brig, aufgenommen am 27. März 1993. (KEYSTONE/Rene Ritler)

Walter Stürm, der sogenannten Ausbrecherkönig im Untersuchungsgefängnis in Brig, aufgenommen am 27. März 1993. (KEYSTONE/Rene Ritler)

Stürms Vater bleibt ein Gespenst

Donnerstag und Freitag sind die drehfreien Tage, quasi das Wochenende für Filmschaffende. Als beste Drehtage gelten die Wochenenden, weil an diesen Tagen die Statisten Zeit haben. Die Crew muss flexibel sein: Am Mittwoch war alles nass, also muss die Folgeszene auch «nass» sein. Oder die Strassenpfähle beim Eichhölzli: Sie wurden rausgezogen. Der Grund: Zu Stürms Zeiten sahen die Pfähle noch anders aus. Regisseur Oliver Rihs weist auf die psychologischen Ebenen im Film hin. So ist der Vater von Stürm nie als Person im Film sichtbar, aber gespenstisch wie ein Geist. Regieassistent Roger Schweizer, aufgewachsen in Frauenfeld, erzählt: «Wegen Christof Stillhard vom Frauenfelder Amt für Kultur bin ich beim Film gelandet.» Und schon ist er wieder bei der Arbeit. Und ist der Ausbrecherkönig Stürm in den Köpfen noch präsent? Landwirt Hubert Hegglin: «Ich habe im Internet nachgelesen, was es mit ihm auf sich hat. Wir sind schon sehr gespannt auf den Film.» Der Dreh für diesen Film dauert 33 Tage, täglich werden zwischen zwei und fünf Szenen gedreht.

Ein Held der linken Szene

Walter Stürm wurde am 4. August 1942 in Goldach geboren. Gestorben ist er am 13. September 1999 in Frauenfeld. Er hat sich in einer Gefängniszelle das Leben genommen. Der Film über Walter Stürm ist ein Film im Spannungsfeld zwischen staatlicher Repression und persönlicher Freiheit. Walter Stürm galt als Held in der linken Szene der Schweiz, so auch beim Opernhauskrawall 1980. Die junge, sozial engagierte Anwältin Barbara Hug, die wegen eines Nierentumors an Krücken geht, lernte den legendären Ganoven während der Jugendunruhen der achtziger Jahre kennen und lieben. Der Einbrecher- und vor allem Ausbrecherkönig Walter Stürm, rebellischer Sohn einer Industriellen-Dynastie, wurde weniger wegen seiner Verbrechen als vielmehr wegen seines Talents, aus Strafanstalten auszubrechen, sowie seinem Charme und Schalk, zur Legende. (kü)

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