In Steckborn schlagen Fackeln Funken zum Beginn der Fasnachtszeit

Der Hemdglonggner ist der Startschuss zur Steckborner Fasnacht. Am Donnerstagabend versammelten sich die Närrischen zum traditionellen Auftakt in der Altstadt und hiessen die Fasnachtszeit mit viel Lärm willkommen.

Judith Meyer
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Die mit Fackeln und Lärminstrumenten ausgerüsteten Fasnächtler stehen bereit. (Bild: Andrea Stalder)

Die mit Fackeln und Lärminstrumenten ausgerüsteten Fasnächtler stehen bereit. (Bild: Andrea Stalder)

Punkt 19.07 Uhr. Guggenmajor Jules alias Hans Stoller begrüsst die Hemdglonggner. Diese haben sich zum Fasnachtsanfang am «Schmotzige Donnschtig» auf dem Kehlhofplatz in Steckborn mit Fackeln, Rätschen, Trommeln, Waschbrettern, Cinellen und Pauken im Nachthemd, mit Häubchen oder Zipfelmütze versammelt, um «wider dem tierischen Ernst» des Alltags die Fasnacht mit dem traditionellen Hemdglonggner-Umzug zu eröffnen. «Seid willkommen Alt und Jung mit Nachthemd und schönen Köpfen; habt es lustig und lasst es krachen», animiert Stoller die Menge.

Das Vorhaben der Narrenbande ist, «die ganze Altstadt Steckborns genügend grossräumig zu beschallen». Stoller meint weiter:

«Diejenigen, die sich daran stören, die seien nicht ganz «gebacken».»

Die Menge ist begeistert und rasselt laut. Eine Art Eintrittskarte sei das weisse Hemd und das Häubchen oder die Zipfelmütze.

Genuss, ungehindert durch die Strassen zu ziehen

Mit dreifachem «Steckborn-Steckborn-Steckborn» wärmt sich die Truppe noch einmal stimmungsmässig auf und läuft dann mit dem ersten Paukenschlag im Fackelzug in Richtung Schützenwiesenstrasse. Die zirka 50 Fasnächtler geniessen sichtlich die Freiheit, einmal ungehindert mitten auf der Strasse zu laufen und Lärm zu machen.

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Auch einige Kinder wirken bei diesem alten Brauch der Narrenzeit mit. Doch bereits an der Seestrasse bläst der Wind so stark, dass die Fackeln Funken schlagen, und es einen kurzen Moment angebracht ist, die Fackel in die Höhe zu halten, sodass niemand in Gefahr gerät.

Narren jauchzen vor Freude

Der Lärm lockt einige Anwohner an die Fenster, und sie winken und jubeln den Hemdglonggnern fröhlich zu. Nicht jedem ist der Konfettiregen recht, der meist entweder in der Kapuze oder im Haar landen. Doch die kleinen Narren jauchzen vor Freude und geben sich mit den farbigen Papierblättchen Saures. Am Obertorplatz wird der neu gestaltete «Fackelschnegg» getanzt und weitere Attraktionen werden zelebriert.

Nach dem Applaus vom Narrenzug geht’s weiter in Richtung Kreisel hinauf zum Bahnhof, wo noch einmal so richtig Lärm gemacht und alte Schweizer Lieder gesungen werden. Stadtrat Jonas Füllemann, der auch ein begeisterter Hemdglonggner ist, resümiert: 

«Es ist einfach grossartig, wie die Leute mitmachen.»

Er danke der Feuerwehr, die für die Sicherheit auf den gesperrten Strassen sorgt und den Gastwirten, die das im Anschluss an den Umzug stattfindende «Beizentourli» ermöglichen. Dann beendet Oberfasnächtler Stoller den Hemdglonggner feierlich mit der Bitte, die Fackeln in die dafür von der Stadt extra bereitgestellten Wasserbehälter zu entsorgen und lädt zur Beizentour ein, wo kostenlos Mehlsuppe und andere Leckereien kredenzt werden.

STECKBORN: Mit Hemden in die närrische Zeit

Am Donnerstagabend riefen die Narren mit dem Hemdglonggner-Umzug lautstark die fünfte Jahreszeit aus. Der Marsch im weissen Nachtgewand und mit Häubchen durch das Städtli begann am Kehlhofplatz.
Judith Meyer