Fachleute warnen Thurgauer Lehrlinge vor Überforderung durch perfekte Arbeit

Fachleute empfehlen am Lehrlingstag alte Tugenden: Planung und Konzentration bringen Erfolg.

Christof Lampart
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Die Leichtathletin Yasmin Giger beantwortet Fragen des Moderators Reto Scherrer. (Bild: Christof Lampart)

Die Leichtathletin Yasmin Giger beantwortet Fragen des Moderators Reto Scherrer. (Bild: Christof Lampart)

Das regelmässige Lesen der Geschäfts-E-Mails kann zu viel Zeit kosten. Vor solchen vermeintlich wichtigen Aufgaben müsse man sich hüten, rät der Personal- und Organisationsentwickler Andy Eisenhut. Da bleibe man dann oft hängen und müsse nachher erst wieder in die zuvor liegengelassene Arbeit hineinfinden – was wiederum Zeit koste. Eisenhut sprach am Montag am Lehrlingstag. Der Saal des Weinfelder Kongresszentrums Thurgauerhof war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Selbstdisziplin sei im Arbeitsleben das A und O, erklärte Eisenhut den jungen Berufsleuten. Wichtig sei aber auch, dass man klare Prioritäten setze und sich von einer wichtigen Arbeit nicht ablenken lasse. Denn viel Zeit gehe mit dem Hin-und-Her-Wechseln zwischen verschiedenen Tätigkeiten verloren. «Zeit haben wir eigentlich genug, nur nutzen wir sie schlecht.»

Was wichtig und unwichtig sei im Berufsalltag, kann man laut Eisenhut ganz einfach erkennen: «Wenn ich etwas für einen Kunden mache, dann ist es wichtig; hat die Tätigkeit nichts mit einem Kunden zu tun, dann ist es einfach eine Beschäftigung.»

Yasmin Giger plant die freien Stunden ein

Auch die Arbeitspsychologin Astrid Mehr gab Ratschläge, wie man den Arbeitstag effizient gestalten und die «zeitfressende Perfektionsfalle» umgehen kann. Im Berufsalltag könne man nicht pausenlos am Limit laufen. «80 Prozent aller Arbeit lässt sich in 20 Prozent der Zeit schaffen. Für die restlichen 20 Prozent Arbeit gilt genau das Umgekehrte.» Mehr riet davon ab, stets ein perfektes Ergebnis abliefern zu wollen, ausser es sei für eine Arbeit absolut notwendig. «Damit wollen Sie nur anderen gefallen, sich selber tun Sie damit aber auf die Dauer keinen Gefallen.»

Im zweiten Teil erklärten Vertreter des Spitzensports, wie sie die Voraussetzungen für ihren Erfolg schaffen. Im Interview mit Moderator Reto Scherrer sagte die Leichtathletin und U20-Europameisterin über 400 Meter, Yasmin Giger, dass eine genaue Wochenplanung ihr nicht nur helfe, die selbstgesteckten Ziele zu erreichen, sondern ihr auch frühzeitig zeige, wo sie vielleicht auch mal ein paar freie Stunden einschieben könne. Täte sie dies nicht, so käme dies im Leben der ambitionierten Läuferin nicht gut.

«Würde ich meine Woche nicht strikt planen, so würde ich viele Abmachungen vergessen oder zur falschen Zeit am falschen Ort sein.» Giger würde 2020 gerne an den Europameisterschaften und im Idealfall an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen: «Das wäre ein Traum.»

Eishockeytrainer Fischer bleibt hartnäckig dran

Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer riet den Zuhörern, hartnäckig an einer Sache dran zu bleiben, denn «abgebrochene Arbeiten kosten meistens mehr Zeit». Auch sollte man fürs eigene Fortkommen immer schauen, was man von den Besten lernen könne. Und schliesslich sei eine gute Vorbereitung der Schlüssel für vieles.

«Wenn ich mit meinem Team eine ganze Woche lang gezielt auf ein Spiel am Freitagabend hin trainiere, dann geht das Team mit einem ganz anderen Selbstverständnis aufs Eisfeld, als wenn dies nicht der Fall wäre.» Dass das nicht immer ganz einfach ist, sei klar.


Oft sei er mehr Psychologe als Sporttrainer, wenn Spieler private Probleme hätten oder eine Verletzung auskurierten. Dann bestehe die Kunst darin, den Sportler wieder so hinzubiegen, dass er sich trotz der störenden, äusseren Einflüsse wieder aufs Spiel fokussieren könne. Doch auch Fischer empfahl die Beibehaltung einer gewissen Gelassenheit: «Es muss nicht alles perfekt sein – es muss vor allem für einen selbst stimmen.»