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Ostschweizer Fachhochschule: Der Thurgau wartet auf ein St.Galler Ja

Der Thurgau kann bei der neuen Ostschweizer Fachhochschule mitbestimmen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur OST im Vorfeld der Volksabstimmung im Kanton St.Gallen.
Sebastian Keller
Fachhochschulzentrum St.Gallen: Einer von drei Standorten der neuen «OST– Ostschweizer Fachhochschule». (Bild: Benjamin Manser)

Fachhochschulzentrum St.Gallen: Einer von drei Standorten der neuen «OST– Ostschweizer Fachhochschule». (Bild: Benjamin Manser)

Damit die neue Fachhochschule in der Ostschweiz starten kann, fehlt noch ein Puzzleteil: der Segen der St. Galler Stimmbevölkerung. Dieses entscheidet am 17. November an der Urne über den Beitritt des Kantons zur «OST – Ostschweizer Fachhochschule». OST ist das Produkt einer Fusion der heute relativ autonomen Hochschulen FHS St.Gallen, HSR Rapperswil und NTB Buchs. Das Studienangebot der OST ist breit gefächert: Pflege, Soziale Arbeit, Wirtschaft, Informatik, Systemtechnik, Elektrotechnik, Architektur. OST wird von sechs Kantonen und einem Land getragen: St. Gallen, Thurgau, Schwyz, Glarus, beide Appenzell sowie das Fürstentum Liechtenstein. Der Thurgau ist die zweitwichtigste Stimme im Hochschulrat. Er entsendet als einziger Mitträger zwei Fachleute in das 15-köpfigen Gremium. St.Gallen stellt den Präsidenten und weitere sieben Mitglieder.

Wieso findet im Thurgau – im Gegensatz zu St.Gallen – keine Volksabstimmung statt?

Der Kanton Thurgau ist der OST bereits beigetreten. Der Regierungsrat hat dies am 26. März 2019 beschlossen. Das Volk hat er aber nicht übergangen. Denn: Das Tertiärbildungsgesetz weist der Regierung diese Kompetenz zu. Darin ist geregelt, dass der Regierungsrat über Beteiligung und andere Formen der Zusammenarbeit im tertiären Bildungsbereich – also bei Hochschulen – entscheidet.

Urs Schwager, Chef des Thurgauer Amtes für Mittel- und Hochschulen. (Bild: PD)

Urs Schwager, Chef des Thurgauer Amtes für Mittel- und Hochschulen. (Bild: PD)

Ist der Ausgang der Abstimmung im Nachbarkanton für den Thurgau überhaupt relevant?

«Der ist absolut relevant.» Das sagt Urs Schwager, Chef des Thurgauer Amtes für Mittel- und Hochschulen. «Das ganze Konstrukt basiert auf der Grundträgerschaft des Kantons St.Gallen.» Bei einem Nein müsste man «nochmals grundsätzlich über die Bücher». Darauf werden auch die Stimmberechtigten im Kanton St.Gallen hingewiesen. Im grün-weissen Abstimmungsbüchlein heisst es: Damit die OST aus der Taufe gehoben werden könne, werde «wenigstens» der Beitritt des Kantons St. Gallen und zweier weiterer Träger vorausgesetzt. Hinter der zweiten Bedingung steht bereits ein Häkchen, womit nur noch das Volks-Ja aus dem Ringkanton fehlt.

Wie wahrscheinlich ist ein Nein an der Urne?

Sagen wir es so: Es würde selbst Gegner, von deren Existenz niemand etwas weiss, überraschen. Anders gesagt: Unwahrscheinlich, aber demokratisch zulässig. Ein Abstimmungskampf tobt jedoch nicht. Als Gradmesser kann die kantonsrätliche Abstimmung genommen werden: In der Junisession sprach sich das St. Galler Parlament ohne Gegenstimmen für den Beitritt des Kantons zur OST aus.

In St. Gallen wird die Abstimmung mit Mehrkosten von jährlich 3,3 Millionen Franken begründet. Welche Kosten kommen auf den Thurgau zu?

Zuerst zu St. Gallen: Der Standortkanton finanziert den Löwenanteil an der OST. Er trägt das unternehmerische Risiko. In Zahlen ausgedrückt: Auf 49,5 Millionen Franken prognostiziert St.Gallen seinen Beitrag für das Jahr 2021. Der Thurgauer Anteil beläuft sich – auch das eine Prognose – auf 6,4 Millionen Franken. Schwager: «Die effektiven Kosten sind von der Anzahl Studentinnen und Studenten abhängig.»

2016 bezahlte der Thurgau 4,7 Millionen, neu sollen es über sechs Millionen sein. Sind das keine Mehrkosten?

Auf den ersten Blick scheint es so. Doch: Bei den 4,7 Millionen Franken im Jahr 2016 sind nur Beiträge an die heutige FHS St.Gallen enthalten. «Die neue Vereinbarung deckt aber auch die Mitfinanzierung an der heutigen HSR in Rapperswil und der NTB in Buchs ab», sagt Schwager. So wird der Thurgau für die neue OST zwar mehr ausgegeben als bisher für die FHS allein. Gleichzeitig wird das Beitragsvolumen für die übrigen Fachhochschulen, über welche die Thurgauer Studierende in Buchs und Rapperswil bisher finanziert wurden, sinken. Zudem: Der Thurgau kann neu auch mitreden, was in Rapperswil und Buchs studiert und geforscht wird. «Die neue Finanzierungsregelung ist eine völlig andere», betont Schwager. Mitträger wie der Thurgau zahlen für jeden Studenten Beiträge nach Fachhochschulvereinbarung sowie darauf ermittelte Zuschläge. Der Zuschlag variiert je nach Studiengang – er liegt zwischen 28 und 63 Prozent. Der höchste Zuschlag wird für Studenten der Technik oder der IT fällig. Gestrichen ist im Gegenzug die bisherige Restkostenfinanzierung.

Was erhofft sich der Thurgau von der OST?

«Wir wollen eine starke Ostschweizer Fachhochschule», sagt Urs Schwager. Diese soll auch dazu beitragen, den Fachkräftenachwuchs für den Wirtschaftsstandort Thurgau auszubilden. Der Amtschef verhehlt nicht, dass auch ein starkes Gegengewicht zur Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) geschaffen werden soll. Als Kampfansage will er das nicht verstanden wissen: Das Einvernehmen mit dem Rektorat in Winterthur sei gut. Aber: «Die Bemühungen zu einer engeren Kooperation auf institutioneller Ebene sind nicht auf Gegenliebe gestossen», sagt Schwager. Bei der ZHAW hat alleine der Kanton Zürich das Sagen.

Müssen Thurgauer nun in Rapperswil und St. Gallen studieren?

Nein, im Hochschulbereich herrscht volle Freizügigkeit. «Die Wahlfreiheit für Studierende besteht weiterhin», betont der Amtschef. Diese garantiert die interkantonale Fachhochschulvereinbarung. Studierwillige dürfen weiter in Zürich oder in Graubünden ihren Bildungsrucksack füllen. Eine besondere Sogwirkung geht von Zürcher Fachhochschulen aus: 2018 waren fast 1300 Thurgauer an der ZHAW immatrikuliert, im gleichen Jahr studierten 409 an einer St.Galler FH.

Thurgauer Kantonsräte forderten, die Regierung solle sich für einen OST-Ableger im Thurgau einsetzen. Wie ist der Stand der Dinge?

Die Forderung ist noch nicht erfüllt. «Es ist tatsächlich ein Thema», bestätigt Urs Schwager. Gespräche fänden statt. Die Thurgauer Erziehungsdirektorin Monika Knill sagte dieser Zeitung einst: Dazu müsste sich erst einmal die Gelegenheit bieten – etwa durch einen neuen Studiengang.

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