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Ex-Franziskaner wechselt den Glauben: Bruder Beno ist jetzt reformiert

20 Jahre war Beno Kehl Franziskaner-Mönch, zuletzt auf dem Inseli Werd. Jetzt hat er eine Frau und zwei Kinder. Er ist in die evangelische Kirche eingetreten und will sich nächsten Sommer in Sirnach konfirmieren lassen. Trotzdem möchte er aber gerne auch katholisch bleiben.
Ida Sandl
Martin Buser, Präsident der evangelischen Kirchgemeinde Sirnach, und sein neuer Mitarbeiter Beno Kehl. (Bild: Reto Martin)

Martin Buser, Präsident der evangelischen Kirchgemeinde Sirnach, und sein neuer Mitarbeiter Beno Kehl. (Bild: Reto Martin)

Am liebsten wäre er beides: reformiert und katholisch. «Ein Jesus, eine Kirche, aber verschiedene Regeln», so sieht es Beno Kehl, 52 Jahre, einst Franziskaner-Mönch auf dem Inseli Werd, heute Ehemann und Vater. Er hat es probiert, hat den Kirchgemeinden in seinem Wohnort Eschlikon vorgeschlagen, sie könnte sich die Kirchensteuer teilen. Die eine Hälfte für die evangelische Kirche, die andere für die Katholiken. Geht nicht, wurde ihm mitgeteilt. Er müsse sich entscheiden. Im Juli ist er deshalb offiziell in die evangelische Kirche eingetreten.

So richtig verlassen hat er die katholische Kirche aber nicht. «Das sind meine Wurzeln», sagt Beno Kehl. Er habe ein Hintertürchen gefunden, erzählt er und sein Lächeln wirkt ein bisschen spitzbübisch. Konkret zahlt er nun einen Betrag, der in etwa der Kirchensteuer entspricht in den katholischen Solidaritätsfonds ein. Das nennt sich modifizierter oder partieller Austritt. Bisher sei das Geld nicht zurückgekommen. Deshalb geht Kehl davon aus, dass er der katholischen Kirche noch angehört. Die Trennung zwischen den beiden Kirchen hat ihn schon lange gestört. Und Nächstenliebe sei auch nicht an eine Konfession gebunden. Beno Kehl sagt:

«Für mich fühlt sich das jetzt ganz an»

Ausgelöst hat das alles eine neue Stelle. Seit August ist Beno Kehl bei der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Sirnach im 30-Prozent-Pensum für die Jugend- und Diakonie-Arbeit zuständig. «Wir wollten ihn», sagt Martin Buser, der Kirchenpräsident. Das hat auch mit dem neuen Motto der Sirnacher zu tun. Es lautet: «Wir sind bunt». Beno Kehl sei bunt im besten Sinne. Und das liegt nicht nur daran, dass er an diesem Tag einen farbigen Ringelpullover trägt.

Ein sozialdiakonischer Mitarbeiter müsse nicht zwingend reformiert sein. Der Kirchenrat sei auch sofort einverstanden gewesen, sagt Buser. Auch Kehl ist begeistert. «Ich habe auf allen Ebenen sehr gute Leute angetroffen.» Jetzt hat er noch die Konfirmandengruppe übernommen, weil der Pfarrer für ein halbes Jahr zurück an die Uni geht. Wieder hat der Kirchenrat zugestimmt, diesmal als einmalige Ausnahme, weil Not am Mann ist. Denn eigentlich ist der Konfirmandenunterricht dem Pfarrer vorbehalten. Martin Buser sagt:

«Beno macht das super»

Wie so oft in seinem Leben geht Beno Kehl einen Schritt weiter als er müsste. Nächstes Jahr will er sich zusammen mit seiner Konfirmanden-Gruppe konfirmieren lassen. «Ich muss anwachsen», sagt er und lacht sein strahlendes Lachen.

Er ist also Lehrer und Schüler in einem. Das alles sei freiwillig, betont Kirchenpräsident Buser. Der Eintritt in die evangelische Kirche ebenso wie Konfirmation. «Für uns wäre es auch in Ordnung gewesen, wenn Beno katholisch geblieben wäre.» Von reformierter Seite sei es daher auch kein Problem, wenn Kehl weiter mit der katholischen Kirche verbunden bleibt.

Das liegt an der irdischen Begrenztheit

Im Bistum Basel, zu dem der Thurgau gehört, reibt man sich verwundert die Augen, ob dieses Wunsches. Das sei ihm noch nie untergekommen, dass einer beiden Landeskirchen angehören wolle, sagt Hansruedi Huber, der Kommunikationsverantwortliche des Bistums. Er sieht das Ganze aber ebenfalls relativ locker. Nach weltlichen Massstäben könne jemand zwar nicht gleichzeitig zwei Kirchen angehören. «Das ist der irdischen Begrenztheit geschuldet», sagt Huber. Was jemand im Herzen empfinde, entziehe sich jedoch diesen Regelungen «und eine Spende ist immer willkommen».

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