«Es muss selbstverständlich werden, sich helfen zu lassen»: In Huben startet die dritte Nachbarschaftshilfe auf Frauenfelder Stadtgebiet

Nach dem Kurzdorf und Ergaten-Talbach nun also Huben: Kommenden Montag nimmt im Spitalquartier eine Nachbarschaftshilfe und Freizeitbörse ihren Betrieb auf. Die Initiative kam aus der Bevölkerung.

Mathias Frei
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Ein Beispiel für Nachbarschaftshilfe im Kurzdorf.

Ein Beispiel für Nachbarschaftshilfe im Kurzdorf.

(Bild: Andrea Stalder)

Aller guten Dinge sind drei, zumindest vorerst. Wenn kommenden Montag in Huben die Nachbarschaftshilfe und Freizeitbörse ihren Betrieb aufnimmt, ist nach Kurzdorf und Ergaten-Talbach das dritte Frauenfelder Quartier abgedeckt.

«Eigentlich wollten wir schon Anfang März starten.»

Das sagt Heinz Wiederkehr. Er ist Projektleiter für das neue Angebot im Quartier Huben. Fast alles war aufgegleist. Aber dann kam Corona dazwischen, Sitzungen mussten abgesagt werden, nichts ging mehr – und es zeigte sich, dass eine Nachbarschaftshilfe Gold wert ist.

Das Hubemer Projektteam: Andrea Ruh Woodtli, Verena Rieser-Santo, Katrin Hasenfratz, Erich Mosberger, Lucie Näf, Daniel Neukomm und Heinz Wiederkehr.

Das Hubemer Projektteam: Andrea Ruh Woodtli, Verena Rieser-Santo, Katrin Hasenfratz, Erich Mosberger, Lucie Näf, Daniel Neukomm und Heinz Wiederkehr.

(Bild: PD)

Jetzt aber ist man in Huben auf der Zielgeraden. Aktuell werden die Haushalte im Quartier mit Flyern versorgt. Und am Samstag findet eine Schulung für das neue Vermittlungsteam statt. Wie bei den bestehenden Nachbarschaftshilfen bildet der Dachverband für Freiwilligenarbeit Frauenfeld (DaFa) auch für Huben die Trägerschaft. Die Leitung der vierköpfigen Betriebsgruppe, der Wiederkehr auch angehört, hat Verena Rieser-Santo inne. Sie kennt man als Leiterin der städtischen Fachstelle für Alters- und Generationenfragen. Die siebenköpfige Vermittlungsstelle leitet Andrea Ruh Woodtli.

Längere Telefonzeiten

Die Vermittlungsstellen der drei Nachbarschaftshilfen sind neu werktags von 8 bis 18 Uhr über 052 378 15 00 erreichbar. Ausserhalb dieser Zeiten läuft der Anrufbeantworter. Nachbarschaftshilfe und Freizeitbörse im Kurzdorf entstanden aus dem Projekt «Älter werden im Quartier» (Awiq). Start war 2016. In Ergaten-Talbach ging es im Jahr 2019 los. (ma)

Online: www.nachbarschaftshilfe-frauenfeld.ch

Zielgruppe umfasst auch Junge und Familien

Wiederkehr und sein Team haben das Rad für Huben nicht neu erfunden. Das Angebotsspektrum ist dasselbe wie in der Stadt unten.

«Wir wollen zeigen, dass Nachbarschaftshilfe nicht nur für ältere Leute da ist.»

Das erklärt der 73-Jährige, der im DaFa-Vorstand ist und lange Jahre das kantonale Amt für Bewährungshilfe leitete. Hilfestellungen jedwelcher Art, die jedoch das lokale Gewerbe nicht konkurrenzieren sollen, sind auch für Familien, alleinerziehende Mütter und Väter oder junge Singles möglich.

Heinz Wiederkehr, Projektleiter Nachbarschaftshilfe/Freizeitbörse Huben.

Heinz Wiederkehr, Projektleiter Nachbarschaftshilfe/Freizeitbörse Huben.

(Bild: PD)

Schon vor dem Start sei bereits eine schöne Anzahl von Helfenden in der Software namens Zeitgeberei abgelegt, sagt Wiederkehr. Über die Applikation findet er nur lobende Worte, sie fördere die professionellen Strukturen. Jede helfende Person wird zu einem Gespräch eingeladen. Die «Zeitgeberei» hilft zudem, die Einsätze zu evaluieren. Aber dafür braucht es auch Leute, welche die Nachbarschaftshilfe in Anspruch nehmen. «Es muss selbstverständlich werden, sich helfen zu lassen», sagt Wiederkehr. Das sei man sich in der Schweiz leider noch nicht gewohnt. Er hofft, dass sich ab nächstem Montag viele Hubemerinnen und Hubemer melden, die auf irgendeine Art eine kleine Unterstützung brauchen. Auch auf der Seite der Helfenden könne man noch weitere Anmeldungen brauchen.

«Man verpflichtet sich zu nichts. Es ist möglich, jede Woche zweimal irgendwo zu helfen oder einmal alle zwei Monate.»
Das Logo des neuen Angebots.

Das Logo des neuen Angebots.

(Bild: PD)

Interessant ist die unterschiedliche Geschichte der drei Nachbarschaftshilfen. Während im Kurzdorf die Stadt ein Angebot initiierte, lag es im Quartier Ergaten-Talbach an der Initiative von Hansjörg Rietmann, mit dem Wiederkehr eine langjährige Freundschaft verbindet. In Huben dagegen kam das Bedürfnis für die Nachbarschaftshilfe und die Freizeitbörse aus der Quartierbewohnerschaft selber. Richtig los ging es in Huben im Sommer 2018 mit einer Zukunftswerkstatt, die auf viel Interesse stiess. Heinz Wiederkehr war überall mit von der Partie. Er wirkte im Kurzdorf in der städtischen Steuerungsgruppe zu «Älter werden im Quartier» mit und gehörte danach der Arbeitsgruppe Ergaten-Talbach an. «Wenn mittelfristig in weiteren Frauenfelder Quartieren ein Bedürfnis besteht, leisten wir gerne Aufbauhilfe», sagt Wiederkehr.