«Es melden sich sogar Wirte, die um einen Kontrollgang bitten»: Verschärfte Massnahmen bereiten in der Frauenfelder Gastroszene Kopfzerbrechen

Die Stadt Frauenfeld prüft Gastronomiebetriebe auf die Einhaltung der verschärften Massnahmen. Die Unsicherheit ist gross. Und viele Fragen bleiben unbeantwortet.

Claudia Koch
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Claudia Luchsinger, Leiterin Restauration, und Inhaber Christoph Komarnicki messen die Abstände im «Goldenen Kreuz».

Claudia Luchsinger, Leiterin Restauration, und Inhaber Christoph Komarnicki messen die Abstände im «Goldenen Kreuz».

Bild: Reto Martin

Werner Spiri ist eben dabei, ein Schreiben für die rund 220 Betriebe mit einer Gastrobewilligung aufzusetzen. «Darin werden nebst den bereits bestehenden zusätzlich die neuen, verschärften Massnahmen aufgelistet», sagt der Leiter des städtischen Amts für Sicherheit. Beispielsweise die Vier-Personen-pro-Tisch-Regel und die Sperrstunde von 23 bis 6 Uhr.

Werner Spiri, Leiter des Amtes für Sicherheit der Stadt Frauenfeld.

Werner Spiri, Leiter des Amtes für Sicherheit der Stadt Frauenfeld.

Bild: Reto Martin

Für die Kontrollen ist seit rund zwei Wochen eine Person auf Abruf im Auftrag des Amtes unterwegs und prüft nun 30 Betriebe wie Restaurants, Bars und Take-Aways. Geachtet wird weiterhin, wie die Maskenpflicht umgesetzt wird und ob die Mitarbeitenden mit dem Schutzkonzept vertraut sind. «Wir haben auch eine beratende Funktion. Es melden sich sogar Wirte, die um einen Kontrollgang bitten, da die Verunsicherung gross ist», sagt Spiri. Er plant, zusätzlich aus seiner Abteilung jemand für die Kontrollen einsetzen. Für die Verunsicherung der Gastrobranche zeigt er Verständnis:

«Die Auslegung der Verordnung bereit vielen Kopfzerbrechen.»

Denn bei groben Verstössen folgt eine Anzeige oder gar ein Patententzug. Deshalb rät Spiri, sich lieber beim Amt für Sicherheit oder beim Gastroverband beraten zu lassen.

Ernüchternd für Abendbetriebe

Eben kontrolliert wurde das Restaurant und Take-Away Alaturka an der Bahnhofstrasse. «Abstände in den WCs und genügend Desinfektionsmittel, alles in Ordnung», lautet das Resultat. Wegen der verschärften Massnahmen läuft vor allem der Take-away wie auch der Lieferservice mit Pizzas und Kebabs. Wobei gerade beim Lieferservice eine Frage für den Kontrolleur auftauchte, die noch geklärt werden muss: Gilt dieser auch nur bis 23 Uhr oder darüber hinaus?

Christian Tanner vom Peggy's stellt eine Tafel auf, damit alle Besucher wissen, dass sie sich registrieren sollen.

Christian Tanner vom Peggy's stellt eine Tafel auf, damit alle Besucher wissen, dass sie sich registrieren sollen.

Bild: Reto Martin

Die Sperrstunde um 23 Uhr bereitet vor allem Christian Tanner vom «Peggy’s» grosse Sorgen. Wie auch die Begrenzung der Gäste auf 100 und die Sitzpflicht. Tanner hat sich überlegt, ob er die Bar überhaupt offen lassen soll. «An den Wochenenden haben wir sonst rund 300 Gäste gleichzeitig hier, die meisten stehen oder vergnügen sich am Töggelikasten. So wie das jetzt aussieht, sitzend, mit Plexiglasscheiben abgetrennt, ist das einfach nicht das ‹Peggy’s›», sagt Tanner ernüchtert.

Die Bar sei ein Abendbetrieb, richtig los gehe es erst gegen 22 Uhr, sagt Tanner weiter. Trotz allem hat er frühzeitig die nötigen Schutzmassnahmen umgesetzt und für die Registrierung für das Contact-Tracing sogar eine Person eingestellt. Entsprechend fielen die beiden Kontrollen positiv aus.

Treue Gäste und trotzdem viele offene Fragen

Ein funktionierendes Schutzkonzept, das mit dem Label Clean and Safe ausgezeichnet wurde, hat auch der Gasthof zum Goldenen Kreuz. «Auch wenn wir nach dem Lockdown belächelt wurden, da die ganze Crew seit Juni ausschliesslich mit Maske arbeitet», sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Claudia Luchsinger.

Warnsignale und Desinfektionsmittel vor der Eingangstüre des Gasthofes zum Goldenen Kreuz.

Warnsignale und Desinfektionsmittel vor der Eingangstüre des Gasthofes zum Goldenen Kreuz.

Bild: Reto Martin

Heute erhalten sie von ihren treuen Gästen deswegen Komplimente. Kopfzerbrechen bereitet Luchsinger jedoch die Regelung mit den Familien, die an einem Tisch sitzen dürfen. Bis zu welchem Alter gilt man als Kind? Telefonische Nachfragen sind unumgänglich.

Denise Eggmann, Betreiberin «Dreiegg».

Denise Eggmann, Betreiberin «Dreiegg».

Bild: Andrea Stalder

Über treue Gäste kann sich auch Denise Eggmann vom «Dreiegg» freuen. Schwierig wurde es, als viele Zürcher Gäste wegen der Maskenpflicht nach Frauenfeld auswichen. «Da mussten wir wegen des Andrangs zeitweise die Türe schliessen, was mir unangenehm war», sagt Eggmann. Auch das «Dreiegg» hat bereits zwei erfolgreiche Kontrollen hinter sich. Eggmann sagt dazu: «Dank der grosszügigen Räume können wir alles umsetzen.» Dass das «Dreiegg» um 23 Uhr schliessen muss, betrübt sie nicht so sehr.

«Die Gäste kommen einfach früher. Das Ausgangsverhalten hat sich komplett verändert. Es gilt, das Beste aus der Situation zu machen.»