«Es ist Zeit für einen nächsten Schritt»: Ralph Limoncelli reicht Kündigung als Stadtschreiber von Frauenfeld ein

Frauenfelds Stadtschreiber hat per Ende Oktober gekündigt. Der 49-Jährige will sich selbstständig machen.

Mathias Frei/Samuel Koch
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Ralph Limoncelli während einer Sitzung des Grossen Rates, damals noch als Kantonsrat der CVP.

Ralph Limoncelli während einer Sitzung des Grossen Rates, damals noch als Kantonsrat der CVP.

Bild: Reto Martin, 9. September 2015

Die Meldung am Dienstagnachmittag kommt unerwartet. Der Frauenfelder Stadtschreiber Ralph Limoncelli hat gekündigt, auf eigenen Wunsch. Per Ende Oktober gibt er sein Amt im Rathaus ab. Der 49-Jährige hat vor über zwölf Jahren übernommen. «Schon bei meinem Stellenantritt im Frühling 2008 habe ich mir vorgenommen, nicht länger als zehn Jahre zu bleiben», sagt Limoncelli, der damals auf alt Stadtschreiber Thomas Pallmann folgte.

Nun seien sogar noch zweieinhalb Jahre mehr daraus geworden. Vorbilder in Sachen Berufsplanung seien für ihn alt Stadtammann Carlo Parolari und alt Stadtrat Werner Dickenmann gewesen, die sich auch jeweils ein Jahrzehnt in einem Amt gaben. Limoncelli sagt:

«Als Anders Stokholm 2015 die Wahl zum Stadtpräsidenten schaffte, habe ich ihm bereits damals angekündigt, dass er sich in zwei, drei Jahren einen neuen Stadtschreiber suchen muss.»
Ralph Limoncelli 2003 als Leiter Finanz- und Rechnungswesen der Stadt Arbon.

Ralph Limoncelli 2003 als Leiter Finanz- und Rechnungswesen der Stadt Arbon.

Bild: Susann Basler, 19. März 2003

Die Arbeit für die Stadt Frauenfeld habe er lieb gewonnen. Aber: «Nächstes Jahr werde ich 50. Es ist Zeit für einen nächsten Schritt. Jetzt oder nie», meint der studierte Theologe, der vor Frauenfeld bereits während sechs Jahren als Finanzchef der Stadt Arbon wirkte.

Insgesamt 25 Jahre in der öffentlichen Verwaltung seien genug. Mit dem viel zitierten lachenden und weinenden Auge werde er per Ende Oktober das Stadtschreiberamt abgeben. Limoncelli sagt, jetzt könne er seine Arbeit geordnet übergeben, nachdem zuletzt mit Guiseppe D’Alelio die Nachfolge des krankheitsbedingt ausgefallenen stellvertretenden Stadtschreibers Herbert Vetter aufgegleist werden konnte.

Antreiber für Entwicklung zu digitaler Verwaltung

Was Limoncelli ab kommendem November beruflich macht, steht noch nicht detailliert fest. «Ich möchte mich selbstständig machen, so viel kann ich sagen», sagt er. Gerne würde er beispielsweise ein Handelsunternehmen kaufen. Im Rathaus jedenfalls wird er Spuren hinterlassen.

Ralph Limoncelli während seiner Arbeit als Stadtschreiber in Frauenfeld.

Ralph Limoncelli während seiner Arbeit als Stadtschreiber in Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder,
15. November 2016

So wurde unter seiner Führung 2009 eine Geschäftsverwaltungssoftware für die ganze Stadtverwaltung eingeführt. Auch in anderen Projekten habe er die Digitalisierung der Verwaltung vorangetrieben, heisst es in der Mitteilung der Stadt. «Diverse Reglements- und Verordnungsrevisionen zeigen zudem seine Handschrift.» Er leitete das Projekt «Optimierung der Behörden- und Verwaltungsorganisation», das aufs Jahr 2015 umgesetzt wurde.

Ausschreibung für zentrale Stelle folgt

Obwohl längst angekündigt, kommt der jetzige Abgang Limoncellis durch seine letztwöchige Kündigung überraschend. «Die Stelle des Stadtschreibers ist eine zentrale Figur, was eine Neubesetzung zur Herausforderung macht», sagt Stadtpräsident Anders Stokholm.

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld.

Anders Stokholm, Stadtpräsident Frauenfeld.

Bild: Andrea Stalder

Er zeigt gleichzeitig Verständnis dafür, dass Angestellte nach einer gewissen Zeit eine neue Aufgabe suchten, analog zur kürzlichen Kündigung von Heinz Egli als Amtschef Stadtentwicklung und Standortförderung. Nach dem Ausfall von Herbert Vetter führe Limoncellis Kündigung nicht zu einer unglücklichen Situation. Stokholm sagt:

«Giuseppe D’Alelio hat sich kompetent eingebracht, und insgesamt verfügt die Stadtkanzlei über gute Mitarbeiter.»

Durch eine Ausschreibung in den nächsten Wochen soll die personelle Lücke wieder geschlossen werden.

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