«Es ist stressig, ein Auto zu sein»: Eine einsame Verkehrsaktivistin protestiert am «Park(ing)-Day» in Frauenfeld

Eine einzige Aktion zum «Park(ing)-Day» am Freitagvormittag in der Altstadt: Eine Frauenfelderin hat um ihr Lastenvelo ein Auto gebaut. Die Stadt hatte ein Gesuch im Vorfeld abgelehnt.

Mathias Frei
Drucken
Teilen
Eine einsame «Park(ing)-Day»-Rebellin stellt ihr «Auto» auf einem Parkplatz in der Altstadt ab.

Eine einsame «Park(ing)-Day»-Rebellin stellt ihr «Auto» auf einem Parkplatz in der Altstadt ab.

(Bild: Mathias Frei)

Ein bitzeli ziviler Ungehorsam ist dabei. Aber vor allem ist es auch ein Schauspiel, wie am Freitagvormittag eine Frauenfelderin ihr auf Automasse ausgebautes Lasten-Elektrovelo in der Altstadt auf die Zürcherstrasse steuert und dieses auf einem offiziellen öffentlichen Parkfeld abstellt. «Ich habe den Parkplatz für eine Stunde bezahlt und gehe jetzt Besorgungen machen», sagt sie und lacht. Sie wolle niemanden hässig machen.

«Ich habe ja selber ein Auto, das ich fahre.»

Ihr stiller Protest wird dieses Jahr wohl der einzige sein in Frauenfeld, während noch im Vorjahr erstmals und spontan eine Gruppe von Aktivisten mehrere Stunden Parkplätze besetzt hatten, für deren Nutzung sie aber natürlich die Parkuhr gefüttert hatten.

Aktionstag zur Re-Urbanisierung von Innenstädten

Der «Park(ing)-Day» geht seit einigen Jahren am dritten Freitag im September über die Bühne, ist ein Aktionstag «zur Re-Urbanisierung von Innenstädten». Treibende Kraft in der Schweiz ist die Organisation Umverkehr. «Gestalte eine Parklücke zu einem Park um», heisst es auf www.umverkehr.ch.

Die Verkehrsaktivistin hatte für den «Park(ing)-Day» 2020 ein Gesuch bei der Stadt eingereicht, das nicht bewilligt worden war. Die Problematik: Ein öffentliches Parkfeld darf nicht zweckentfremdet werden, indem man ein Fahrzeug darauf abstellt, das in seinen Ausmassen nicht den Markierungen entspricht. Da hilft es auch nicht, die Parkuhr zu füttern. So hatte es Werner Spiri, Amtsleiter Öffentliche Sicherheit bei der Stadt, vergangenes Jahr erklärt. Dieses Problem besteht für die Frauenfelderin dieses Jahr de facto nicht mehr – dank eines Holzgestells in den Massen von 4 auf 1,8 Meter.