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Mit dem ehemaligen Frauenfelder Restaurant Obstgarten ist es kompliziert

Die Obstgarten-Liegenschaft in Huben dämmert weiter vor sich hin. Von einer Sanierung ist noch nichts zu sehen. Ein runder Tisch mit allen Beteiligten von Anfang Juli könnte für neue Dynamik sorgen.
Mathias Frei
Weiterhin abgesperrt und ohne baulichen Fortschritt: das ehemalige Restaurant Obstgarten am Spitalkreisel. (Bild: Andrea Stalder)

Weiterhin abgesperrt und ohne baulichen Fortschritt: das ehemalige Restaurant Obstgarten am Spitalkreisel. (Bild: Andrea Stalder)

Bis Ende März wollte die Stadt Frauenfeld Klarheit in Sachen «Obstgarten». Mittlerweile ist Mitte Juli. Die Stadt wollte vom Eigentümer der Obstgarten-Liegenschaft wissen, wie es weitergeht. Wann die Wiederherstellung des bei einem tragischen Arbeitsunfalls vergangenen Oktober eingestürzten Anbaus in Angriff genommen wird, wann der bewilligte Umbau startet. Urs Müller fühlt sich als gebranntes Kind. Fast im Wochenrhythmus habe er nachgehakt, sagt der als Departementsvorsteher Bau und Verkehr zuständige Stadtrat – aber Rückmeldungen bekam er keine.

Der «Obstgarten» könnte schon längst wieder eine Quartierbeiz sein. Aber bisher hat es nicht sein sollen. Vielmehr geht die nötige Sanierung nicht vorwärts. Die Liegenschaft ist weiterhin abgesperrt, der eingestürzte Anbau noch nicht einmal abgedeckt – als wollte man das unter Schutz stehende Haus einfach verfallen lassen. Und in der Kritik steht die Stadt, der aber die Hände gebunden sind. Möglich wäre wohl eine Verfügung, damit der Eigentümer, ein Bauunternehmer aus Thundorf, zumindest die Wiederherstellungsmassnahmen realisiert. Aber mögliche Rechtsmittel könnten bis vor Bundesgericht führen.

Neu auch mit Volg an einem Tisch

Stadtrat Urs Müller. (Bild: Donato Caspari)

Stadtrat Urs Müller. (Bild: Donato Caspari)

«Ich glaube erst dann, dass es vorwärtsgeht, wenn die Handwerker auffahren», sagt Stadtrat Urs Müller. Nun aber könnte Bewegung in die Causa «Obstgarten» kommen. Anfang Juli fand ein runder Tisch statt. Neu dabei: Volg, daneben die Stadt, der aktuelle Eigentümer des «Obstgarten» sowie der vormalige Eigentümer, der zugleich Volg-Vermieter ist. Direkt neben dem «Obstgarten» im neusten Teil der Bsetzi-Überbauung betreibt Volg einen Quartierladen und hat auch das derzeit leere Ladenlokal neben dem Quartierladen gemietet. In jüngerer Vergangenheit hatte sich Volg über den Vermieter, ein Generalunternehmen aus Wallisellen, bei der Stadt beschwert, weil die Ladenwegfahrt am abgesperrten «Obstgarten» vorbei nicht möglich ist.

«Ich glaube erst dann, dass es vorwärtsgeht, wenn die Handwerker auffahren.»
(Urs Müller, Stadtrat)

Nun beabsichtigt Volg, im leeren Ladenlokal einen Betrieb mit einem Teil Kioskwirtschaft unterzubringen. Dies unterlaufe eigentlich die Absichten der Stadt, dass der «Obstgarten» wieder gastronomisch genutzt werden soll, sagt Stadtrat Müller. Sowohl im Gestaltungsplan als auch später im Baugesuch war für den «Obstgarten» ein Restaurant mit Wirtewohnung bewilligt. Ein zweites, ähnlich geartetes Angebot könne Konkurrenz darstellen für das Restaurant Obstgarten. Um diese Situation zu klären, wollte Volg einen runden Tisch einberufen. Die Stadt sagte zu, weil der Obstgarten-Eigentümer und der Volg-Vermieter auch zum Gespräch einwilligten.

Die Quintessenz aus dem Gespräch: Volg hält an seinen Plänen fest und wird ein entsprechendes Baugesuch einreichen. Der Obstgarten-Eigentümer stellt sich wiederholt auf den Standpunkt, dass ein Restaurant alleine im «Obstgarten» nicht rentiere. Gastronomie sei nur durch die Querfinanzierung mit mehreren Wohnungen möglich. Dies würde aber dem bewilligten Baugesuch widersprechen, das nur eine Wirtewohnung vorsieht. «Damit es endlich weitergeht, kommt die Stadt dem Obstgarten-Eigentümer erneut entgegen», bilanziert Stadtrat Müller den runden Tisch. Das heisst: Solange es den denkmalpflegerischen Auflagen entspricht, dürfen über dem Restaurant mehrere Wohnungen entstehen. Dafür braucht es aber ein neues Baugesuch inklusive Entwässerungskonzept, das die Stadt bewilligen muss. Der Eigentümer sei, wie an der Zusammenkunft abgemacht, am nächsten Tag beim Amt für Hochbau und Stadtplanung vorstellig geworden, sagt Stadtrat Müller. «Ein neues Baugesuch ist in Arbeit.»

Abmachung betreffend Gutachten nicht gehalten

Die Vorgeschichte: Nach dem Einsturz des Obstgarten-Anbaus im vergangenen Oktober, bei dem ein Arbeiter ums Leben gekommen war, wurde ein unabhängiges Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse der Eigentümer, die Stadt und die Denkmalpflege akzeptieren wollten. So war es jedenfalls abgemacht. Das Gutachten kam zum Schluss, dass der Wiederaufbau verhältnismässig ist. Das Restaurantgebäude sei durch den Wandeinsturz im Anbau statisch nicht beeinträchtigt. Der Eigentümer zweifelte daraufhin aber die im Gutachten prognostizierten Kosten an. Und seither wartete die Stadt – einmal mehr.

Die Besitzverhältnisse

Die Wirtschaft zum Obstgarten wurde 1858 eröffnet. Zuletzt führte Maria Soltermann das Lokal 35 Jahre lang. Nach ihrem Tod 2009 stand die Liegenschaft mehrheitlich leer – bis ein Walliseller Generalunternehmen (GU) die Immobilie übernahm. Diese Firma war auch Bauherrin der nahen Bsetzi-Überbauung. In einem Gestaltungsplan war geregelt, dass das GU das ehemalige Restaurant sanieren muss. Bauliche Massnahmen fanden nicht statt, dafür verkaufte das GU den «Obstgarten» im Frühling 2017 einem Thundorfer Bauunternehmer, der über die Gestaltungsplanvorgaben informiert war. (ma)

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