«Es hat sich gezeigt, wie sinnhaft dieser Beruf ist»: Coronakrise poliert Image der Lehrer auf – Pädagogische Hochschule Thurgau verzeichnet hohe Anmeldezahlen

Wegen der Coronakrise dürfte der Lehrerberuf an Attraktivität gewinnen. Das tönt eine Arbeitsgruppe in einem Papier an. Die PHTG registriert in diesem Jahr viele Anmeldungen – in einem Studiengang sind die Zahlen sogar Rekordhoch.

Sebastian Keller
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Lehrpersonen wie Schüler sind gefordert während der Coronakrise.

Lehrpersonen wie Schüler sind gefordert während der Coronakrise.

Bild: Gaetan Bally / KEYSTONE

«Ein dramatischer Lehrpersonenmangel steht nicht bevor.» So beurteilt die Arbeitsgruppe Personalentwicklung die aktuelle Situation. Dieses setzt sich aus Involvierten der Thurgauer Bildung zusammen – Verbände, Amt für Volksschule, Pädagogische Hochschule Thurgau.

Und doch: «Die Besetzung offener Stellen ist anspruchsvoll», ist weiter im Schreiben zu lesen. Die Arbeitsgruppe hält fest, dass düstere Konjunkturaussichten das Interesse an pädagogischen Ausbildungen erhöhen. «Was sich dann mit einigen Jahren Verspätung positiv auf das Angebot an Lehrpersonen auswirkt.» Wegen Corona sind die Aussichten besonders düster.

Corona hat Wichtigkeit des Berufs gezeigt

Andreas Wirth, Präsident Schulen Frauenfeld.

Andreas Wirth, Präsident Schulen Frauenfeld.

Bild: PD

Andreas Wirth, Präsident der Schulen Frauenfeld, beobachtet aktuell zweierlei. Einerseits habe die Krise gezeigt, wie wichtig Lehrer sind. «Die meisten haben sich in dieser anspruchsvollen Situation ins Zeug gelegt.» Damit habe das Image des Berufs zugelegt.

«Es hat sich gezeigt, wie sinnhaft dieser Beruf ist.»

Ein weiterer Faktor ist laut Wirth das Bedürfnis nach Sicherheit. «In der Krise suchen Menschen sichere Berufe.» Die öffentliche Hand als Arbeitgeber erscheint attraktiver. Wirth zeigt sich überzeugt, dass beide Faktoren einen drohenden Lehrermangel abfedern könnten.

Die Arbeitsgruppe bezeichnet die PHTG in Kreuzlingen als wichtigsten «Zulieferer» für den Schuldienst. Matthias Fuchs ist Prorektor Lehre an der PHTG. Auf Anfrage sagt er: Die Studierenden, die sich aktuell im letzten Studienjahr befinden, werden ihr Studium wie geplant abschliessen. Sie können also nach der Sommerpause eine Stelle im Schuldienst antreten.

Steigende Zahlen

Matthias Fuchs, Prorektor Lehre an der PHTG.

Matthias Fuchs, Prorektor Lehre an der PHTG.

Bild: Andrea Stalder

Fuchs sagt: Bereits seit 2018 steigen die Anmeldezahlen für das Studium an der PHTG wieder kontinuierlich an. In allen Studiengängen – bis auf einen – seien die Anmeldezahlen höher als in den beiden Vorjahren. Per Anfang Mai hätten sich total 286Personen für ein Bachelorstudium angemeldet. Der Prorektor sagt:

«Das sind über alle Studiengänge hinweg knapp 10 Prozent mehr als im Vorjahr.»

Inwiefern dies mit den Konjunkturaussichten zusammenhänge, könne nicht abschliessend beurteilt werden. Fakt ist ein Anmelderekord im Studiengang Sek I. «Als Prorektor bin ich sehr erfreut über die steigenden Studierendenzahlen», sagt Fuchs. Auch die Übertrittsquote aus der Pädagogischen Maturitätsschule sei «sehr hoch». Sie beträgt 70 Prozent.

Kindergärtnerinnen sind schwierig zu finden

Die Schulen Frauenfeld konnten für diesen Sommer «ziemlich alle Stellen besetzen», wie Andreas Wirth sagt: «Doch gerade bei Kindergärtnerinnen ist der Markt ausgetrocknet», sagt der Präsident der Schulen Frauenfeld. Dies hänge aus seiner Sicht mit der Abschaffung des Kindergartenseminars zusammen. Wer die Kleinsten in der Volksschule unterrichten will, muss an einer PH studieren.

«Für manche ist das eine zu grosse Hürde», sagt Wirth. In der Ausbildung bahnt sich eine Änderung an. Wie die Arbeitsgruppe schreibt, plane die PHTG ab Herbstsemester 2021 einen neuen Studiengang KGU (Kindergarten bis dritte Klasse). Laut PH-Website startet die letzte Durchführung des Studiengangs Kindergarten/Vorschulstufe diesen Herbst.