«Es geht uns immer besser»

Am Tag der Frauenfelder Wirtschaft sprach Zukunftsforscher George T. Roos unter anderem über Fleisch aus der Petrischale, künstliche Intelligenz und die weltweite Bevölkerungsentwicklung.

Rahel Haag
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Zukunftsforscher George T. Roos im Rathaus. (Bild: Rahel Haag)

Zukunftsforscher George T. Roos im Rathaus. (Bild: Rahel Haag)

«Haben Sie heute Morgen schon die Nachrichten im Radio gehört, oder vielleicht sogar schon die Zeitung gelesen?», fragt George T. Roos während seines Vortrags. Dann, so der Zukunftsforscher, könnte beim einen oder anderen der Eindruck entstehen, wir lebten in der gewalttätigsten Zeit. In Wahrheit sei aber das Gegenteil der Fall. «Wir leben in der friedlichsten Zeit.»

Zur Veranschaulichung führt er Zahlen ins Feld. Vor 30 Jahren habe es weltweit noch 23 Kriege gegeben, 2016 waren es dagegen nur zwölf. Auch sonst stehe es um die Welt weniger schlimm als angenommen, oder wie Roos es formuliert: «Es geht uns immer besser.» Dafür gebe es verschiedene Indikatoren.

Roos hält seinen Vortrag im Rathaus mit dem Titel «Auf die Zukunft vorbereitet sein bedeutet, sie gestalten zu wollen» an diesem Mittwochmorgen im Rahmen des Tages der Frauenfelder Wirtschaft.

Die durchschnittliche Lebenserwartung steigt

Ein weiterer Hinweis dafür, dass es uns immer besser geht, liefere die durchschnittliche Lebenserwartung weltweit. Im Jahr 1950 lag sie noch bei 47 Jahren, 2016 bereits bei 70 Jahren und 2050 soll sie bei 76 Jahren liegen. Dieses höhere Alter sorge für einen Bevölkerungsanstieg. «Gleichzeitig findet aber eine biologische Verjüngung statt», sagt Roos. Sprich: Die heutigen 60-Jährigen sind fitter. Als Beispiel für «die Rentner von heute» zeigt der Zukunftsforscher eine Karikatur der «Rolling Stones» und erntet dafür einige Lacher. «Bleibt die Klimaerwärmung», fährt er fort. In diesem Zusammenhang heisse es oft, dass zu wenig gemacht werde. Dem widerspricht der Zukunftsforscher: «Zwei Drittel der Investitionen in Kraftwerke bis 2040 fliessen in erneuerbare Energien.» Deren Anteil solle bis dahin weltweit auf 40 Prozent steigen.

Anschliessend spricht Roos über sechs Themen, die aufzeigen sollen, in welche Richtungen sich die Welt künftig entwickeln könnte. Gleichzeitig sagt er: «Die Zukunft ist jetzt.» Eine seiner sogenannten «Geschichten» dreht sich um das Thema künstliche Intelligenz. In diesem Bereich werde bereits seit 40 bis 50 Jahren geforscht, doch erst in den vergangenen sieben, acht Jahren seien massive Fortschritte gelungen. «Eine deutsche Versicherung setzt unterdessen auf einen sogenannten Chatbot namens Eva, um Zahnzusatzversicherungen zu verkaufen.» Auf der Website könne über ein Textfeld mit dem Roboter kommuniziert werden. «Ich habe es selber ausprobiert», sagt Roos. Als er nach einer ersten Anfrage betreffend einer Zahnzusatzversicherung geschrieben habe, dass er Eva einmal habe kennen lernen wollen, schrieb sie zurück, dass sie an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden arbeite. «Da bleibt keine Zeit für Dates», zitiert Roos. Eine Zuhörerin lacht schallend.

Der erste Burger aus dem Labor

Die nächste Geschichte trägt den Titel Gen-Schere. Hierbei geht es um ein Verfahren namens Crispr/Cas9, welches es Forschern ermöglicht, Gene zu verändern. Vor fünf Jahren wurde mit dieser Methode der erste Burger im Labor gezüchtet. «Mit einer Muskelfaser eines Rinds können 10000 Kilogramm Fleisch hergestellt werden», sagt Roos. Die Methode berge enorme Vorteile. Die Treibhausgase könnten massiv reduziert werden. «Denn machen wir uns nichts vor: Die Landwirtschaft produziert genau so viele Treibhausgase wie der Verkehr.»

Beweglich in die Zukunft

Organisiert wird der Tag der Frauenfelder Wirtschaft vom Industrie- und Handelsverein Frauenfeld, Gewerbe Thurgau der Region Frauenfeld und der Stadt Frauenfeld. Er findet bereits zum siebenten Mal statt. «Eine bewegliche Wirtschaft ist eine starke Wirtschaft», heisst es im Programm. Dementsprechend lautet das Motto für die diesjährige Ausgabe «beweglich sein». (rha)

FRAUENFELD: Worum es bei Konflikten wirklich geht

«Sicher sein» lautete das Motto des Tages der Frauenfelder Wirtschaft am Mittwoch. Historiker Daniel Ganser und Börsenkorrespondent Jens Korte warfen einen Blick auf die Weltpolitik zwischen Moskau, Peking und Washington.