«Es geht um Heimat und Identifikation»: Stadtrat Frauenfeld erklärt als Reaktion auf einen parlamentarischen Vorstoss den Sinn ihrer Kulturförderung

In der Beantwortung einer Einfachen Anfrage von SVP-Gemeinderat Romeo Küng erklärt die Stadt Frauenfeld, was es mit Kulturförderung auf sich hat und wie Gesuche für Beiträge an Kulturvereine geprüft werden.

Samuel Koch
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Die Theaterwerkstatt Gleis 5 während ihres Auftritts von «Decamerone» in der Frauenfelder Altstadt.

Die Theaterwerkstatt Gleis 5 während ihres Auftritts von «Decamerone» in der Frauenfelder Altstadt.

Bild: Donato Caspari,
8. August 2020

Sie sind sich eins, der Stadtrat und Romeo Küng. Zumindest, was folgende Aussage betrifft: «In erster Linie muss jetzt den Betroffenen sofort und unkompliziert Hilfe zukommen.» Das schreibt der Stadtrat in seiner Beantwortung auf die Einfache Anfrage des SVP-Gemeinderates mit dem Titel: «Was darf welche Kultur kosten?»

Romeo Küng, Gemeinderat SVP.

Romeo Küng, Gemeinderat SVP.

Bild: PD

Hohes Gewicht für Engagement der Jungen

Unterschiedlicher Meinung sind Stadt und Küng hingegen, wenn es um die städtische Förderung von Alternativkultur geht. Küng stellt diese Unterstützung in Frage, etwa wegen eines Beitrages von 300'000 Franken für das geplante Kaff-Kulturlokal auf dem Unteren Mätteli. «Bei der Kulturförderung geht es nur vordergründig ums Geld», schreibt der Stadtrat. Vielmehr gehe es ums Wohlbefinden und Sich-dazugehörig-Fühlen, «es geht um Heimat und Identifikation».

Insbesondere dem Engagement für die Jungen misst der Stadtrat hohes Gewicht bei. Er schreibt:

«Wenn die Jungen sich nicht akzeptiert und aufgehoben fühlen, ziehen sie in grössere Städte, wo eine modernere Auffassung von Miteinander gelebt wird.»

Eine Stadt, die sich nicht um Junge kümmere, überaltere und sei eines Tages tot.

Die Stadt unterscheidet nicht zwischen «alternativer» und «traditioneller» Kultur, weil die meisten Kulturvereine sich und ihre Räumlichkeiten selbst finanzieren. Sobald ein Kulturverein Anspruch auf öffentliche Gelder anmeldet, «wird sehr genau geprüft, ob ein städtischer Beitrag gerechtfertigt ist». Geht es um einmalige Beiträge, etwa für ein Drehorgeltreffen oder die Neuuniformierung eines Musikvereins, liegt die Entscheidungskompetenz bei der Kulturkommission.

Bei grösseren Summen entscheidet der Stadtrat. Dazu gehört etwa auch die Unterstützung von 200'000 Franken fürs Mitsommerfest, das laut Stadtrat ohne einen städtischen Beitrag gar nicht möglich gewesen wäre. «Dass die früheren Stadtfeste für die Stadt kostengünstiger gewesen seien, entspricht nicht den Tatsachen.»

Günstigere Baurechtszinse bis Beiträge für Neubauten

Für wiederkehrende Beiträge hat die Stadt mit allen Kulturveranstaltern eine Leistungsvereinbarung abgeschlossen, sei es die Konzertgemeinde, das Eisenwerk oder der Förderverein Städtepartnerschaft Frauenfeld-­Kufstein. Darin seien die Aufgaben detailliert festgehalten, Jahresrechnungen und Berichte müssten abgeliefert werden. «Diese Unterlagen werden überprüft und die Leistungsvereinbarungen bei Bedarf angepasst oder bei Nichterfüllung gekündigt», meint der Stadtrat.

Vereinsarbeit bedeute viel ehrenamtliches Engagement. «Ohne würden viele Aktivitäten gar nicht stattfinden», schreibt der Stadtrat. Angesprochen auf die Gelder für den Kaff-Neubau vergleicht er die Unterstützung mit günstigeren Baurechtszinsen bei der Turnfabrik sowie Beiträgen an Neubauten wie beim Judo- und Jiu-Jitsu-Klub. Er will betonen, dass er die Kulturvereine nicht gegeneinander ausspielen wolle, «da sie alle aus privaten Initiativen entstanden sind».