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Das Tiefenwasser beim Schlattinger Gemüsebauer Grob fliesst wieder

Die Geothermieanlage von Gemüsebaubetreiber Grob ist seit Mittwoch wieder eingeschaltet. Bewähren sich die neuen Sicherheits- und Schutzmassnahmen gegen Umweltverschmutzungen, könnte bald eine definitive Bewilligung erfolgen. Vor zwei Jahren gelangte mit Öl verschmutztes Wasser in den Rhein und löste eine der grössten Havarien seit langem aus.
Samuel Koch
Hansjörg Grob misst die Temperatur des Tiefenwassers, das aktuell 55 Grad warm ist. (Bild: Samuel Koch)

Hansjörg Grob misst die Temperatur des Tiefenwassers, das aktuell 55 Grad warm ist. (Bild: Samuel Koch)

Der Wasserhahn aus dem Untergrund ist wieder offen. Nach einem Unterbruch von rund 28 Monaten fliesst seit Mittwoch wieder Geothermiewasser zum Gemüsebaubetrieb Grob in Schlattingen. «Es ist ein Freudentag, die Pumpen laufen wieder erfolgreich», sagt Hansjörg Grob erleichtert, der seine Gewächshäuser mit warmem Tiefenwasser beheizen will.

Allerdings laufen die Pumpen, die in die Tiefen von rund 1500 Metern warmes Wasser fördern, erst in einer Probephase. Bei der Medienorientierung am Donnerstagvormittag beträgt die Temperatur des Wassers rund 55 Grad. «Wie es sich entwickelt, wissen wir nicht», sagt Marco Baumann von der kantonalen Abteilung Wasserbau. Das Wasser riecht salzig, Baumann beschreibt es als erdig und dumpf. «So muss man beim Spaghettikochen gar nicht mehr salzen», witzelt Patrik Eicher, Gemeinderat von Basadingen-Schlattingen.

Erleichterung aus Speziallabor in Ägypten

Zum Spassen war Gemüsebauer Grob jedoch nicht immer zu Mute. Obwohl auch die Behörden das Projekt immer unterstützten, musste die Geothermieanlage im Februar vor zwei Jahren nach einer Havarie nach nur wenigen Monaten in Betrieb wieder stillgelegt werden, als mit Öl verschmutztes Wasser in den Rhein gelangte. Grob vermutete Sabotage, bis genauere Untersuchungen in einem Speziallabor in Ägypten ergaben, dass es sich um natürliches Erdöl aus dem Untergrund handelte. «Das konnte man ja so vorher nicht erahnen», sagt Erich Müller, der bis 2009 das kantonale Amt für Umwelt leitete und das Projekt noch heute verfolgt.

Wasseraufbereitung zum Schutz der Umwelt

Das Tiefenwasser fliesst nach der Verwendung über eine Leitung in den Rhein oberhalb von Diessenhofen ab. Davor durchläuft es eine aufwendige Aufbereitungsanlage. Zuerst wird das aus der Tiefe noch unter Druck stehende Wasser entlastet, sowie von Schadstoffen wie etwa Schwefelwasserstoff befreit. Danach filtert die Anlage in mehreren Schritten Arsen heraus, das sich natürlich im Gestein befindet und als Schlamm entsorgt wird. Ebenfalls in mehreren Phasen scheidet sie Öl ab, das in marginalen Mengen als natürliche Ressource im Untergrund vorkommt. Ein Messsystem im neu installierten Durchlaufbecken beobachtet ständig die Wasseroberfläche. Bei Ölspuren über einem Prozent erfolgt ein Alarm, übertreffen sie zwei Prozent, stellt die Geothermieanlage automatisch ab. Die Temperatur des in den Rhein geführten Wassers beträgt dann lediglich noch 30 Grad. (sko)

Die Grafik zeigt die neue Wasseraufbereitungsanlage bei Gemüsebauer Grob. (Bild: PD)

Die Grafik zeigt die neue Wasseraufbereitungsanlage bei Gemüsebauer Grob. (Bild: PD)

Langfristiger Vertrag sichert Kanton die Rückzahlung

Insgesamt investierte die Familie Grob bisher rund acht Millionen Franken ins Geothermieprojekt, dass nach der Havarie mit einer aufwendigen Wasseraufbereitung ausgestattet wurde. Rund ein Viertel der Summe stammt vom Bundesamt für Energie, Nagra und Klimastiftung, ein weiterer Viertel vom Kanton. Kommt die Anlage zum Laufen, zahlt Grob dem Kanton sein Geld mit einem Rappen pro Kilowattstunde Energie über eine Laufzeit von 15 Jahren wieder zurück. «So lassen sich vielleicht weitere ähnliche Projekte unterstützen», sagt Andrea Paoli vom kantonalen Kompetenzzentrum für Energie. Läuft während der rund einjährigen Versuchsphase alles nach Plan, und liefern die Tests zufriedenstellende Resultate, entscheidet der Kanton voraussichtlich im nächsten Jahr über das Konzessionsgesuch.

Ohne Geothermie jedenfalls verbraucht der Gemüsebaubetrieb bis zu 0,9 Millionen Liter Heizöl jährlich, was zu CO2-Ausstoss von zirka 4000 Tonnen führt. Das Ziel der Familie Grob ist klar: «Mittel- und langfristig wollen wir unabhängig werden von fossiler Energie.» Die teils schwierige Vergangenheit hat Hansjörg Grob hinter sich gelassen und er schaut zuversichtlich in die Zukunft. Ob die Kleinstmengen natürliches Erdöl brauchbar sind, bleibt indes ungewiss. Hydrologe Baumann hat aber schon eine Idee: «Vielleicht verkaufen es die Grobs irgendwann als ‹Oil of Thurgau›.»

Warmes Wasser aus tiefen Gesteinsschichten

Das Familienunternehmen Grob ist eine der grössten Gemüsebaubetriebe des Landes mit einer Anbaufläche von total 70 Hektare und 180 teils saisonal angestellten Mitarbeitern. Um die zwei Treibhäuser auf einer Fläche von sieben Hektare ohne fossile Brennstoffe und CO2-arm zu beheizen, betreibt es seit 2015 eine Geothermieanlage, mit welcher rund 65 Grad warmes Wasser aus einer Tiefe von rund 1500 bis 2000 Metern an die Oberfläche gepumpt wird. Im Frühjahr 2016 folgte bei einem ersten Pumpversuch nach der Bewilligung des Kantons eine der grössten Havarien seit langem, als mit Öl verschmutztes Wasser in den Rhein gelangte, und die Anlage stillgelegt wurde. Seither hat Gemüsebauer Grob diese mit Sicherheits- und Schutzmassnahmen versehen, die ähnliche Vorfälle verhindern sollen. (sko)

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