«Es chunnt scho guet»: Der Thurgauer Jan Rutishauser und sein drittes Kabarettprogramm

Der Güttinger Kabarettist Jan Rutishauser feiert mit seinem dritten Soloabend Premiere. Im ausverkauften Theater an der Grenze Kreuzlingen zieht er gekonnt und gewitzt sich selber durch den Kakao.

Julia Nehmiz
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Wieso will jemand zweimal benutztes Salatbesteck online verkaufen? Und wer soll das bitte kaufen? Jan Rutishauser entlarvt in seinem Soloprogramm «Absolute Perfektion» Absurditäten des Alltags.

Wieso will jemand zweimal benutztes Salatbesteck online verkaufen? Und wer soll das bitte kaufen? Jan Rutishauser entlarvt in seinem Soloprogramm «Absolute Perfektion» Absurditäten des Alltags.

Bild: Fabian Rölli

Das kleine Theater an der Grenze in Kreuzlingen ist bis auf den letzten Platz besetzt. Die Theaterleiter sind stolz, hier wird schliesslich nicht alle Tage eine Premiere gefeiert. Für den Güttinger Kabarettisten Jan Rutishauser wird der Samstagabend zum Heimspiel. Gleich mit seiner ersten Anmoderation hat er das Publikum für sich eingenommen.

Er sei «scheiss-nervös», gesteht er sympathisch-offenherzig, zeigt seine zitternden Hände, mit denen er die Zuschauer jetzt super massieren könne, fantasiert von Fluchtgedanken («Jan, du hast ein GA, du könntest nach Lausanne fahren und sie würden dich nicht finden»).

Natürlich flieht er nicht, sondern unterhält sein Publikum eineinhalb Stunden. «Absolute Perfektion» heisst sein neues Soloprogramm, und es sei sicher nicht perfekt, behauptet Rutishauser zu Beginn. Doch dann legt er los.

«Jan, es chunnt scho guet» - die Freundin von Jan Rutishauser bringt ihn mit ihrem Lebensmotto zuerst auf die Palme, und dann in die gemeinsame Wohnung.

«Jan, es chunnt scho guet» - die Freundin von Jan Rutishauser bringt ihn mit ihrem Lebensmotto zuerst auf die Palme, und dann in die gemeinsame Wohnung. 

Bild: Fabian Rölli

Bestechende Wirkung: Er allein auf der leeren Bühne

In die scheinbar total privaten Anekdoten – über welche Fallstricke man stolpert, wenn man mit der Freundin zusammenzieht – flicht Jan Rutishauser abstrakt-absurde Querverbindungen ein. Vom mantraartig wiederholten Lebensmotto seiner Freundin («es chunnt scho guet») ausgehend kommt er auf Impfgegner, das wahre Motto der olympischen Spiele, den Vorteil von Scheitertrophäen, Secondhand-Salatbesteck bis zu alternativen Einsatzgebieten für Laubbläser.

Rutishauser verzahnt die vielen Gedankengänge und Handlungsstränge klug ineinander. Manches kennt man aus seinen Kolumnen, die er für das Kulturmagazin «Saiten» schreibt, anderes aus früheren Auftritten. Doch live vorgetragen, er allein auf der leeren Bühne, die er mit grosser Präsenz ausfüllt, entfaltet sein feiner Humor eine bestechende Wirkung.

Das kleine Foyer ist schon voll, also trifft man sich draussen: Sie Premiere von Jan Rutishauser im Theater an der Grenze Kreuzlingen ist ausverkauft.

Das kleine Foyer ist schon voll, also trifft man sich draussen: Sie Premiere von Jan Rutishauser im Theater an der Grenze Kreuzlingen ist ausverkauft. 

Bild: Fabian Rölli 

Zu Beginn dem typischen, überbetonenden Poetry-Slam-Duktus verhaftet, findet Rutishauser bald seinen eigenen Ton, reagiert gewitzt auf das Publikum – und nimmt sich meist selber als Zielscheibe seiner Pointen. Ja, seine Freundin hat recht: Es kommt wirklich gut.

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