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Erster Bergpreis ist gewonnen: Frauenfeld hat jetzt ein Fuss- und Veloverkehrskonzept

Das städtische Fuss- und Veloverkehrskonzept ist publik. Handlungsbedarf gibt es vor allem für Zweiräder. Das will sich der Stadtrat bis ins Jahr 2026 im Schnitt etwa 350'000 Franken jährlich kosten lassen.
Mathias Frei
Auch Velofahrer: Die Tour de Suisse vergangenen Sommer auf der Grossen Allmend. (Bild: Andrea Stalder)

Auch Velofahrer: Die Tour de Suisse vergangenen Sommer auf der Grossen Allmend. (Bild: Andrea Stalder)

Es geht ums Bewusstsein – aber auch um konkrete bauliche Massnahmen. Frauenfeld ist heute noch keine Velostadt. Aber wenn Bevölkerung und Politik wollen, wird sie zu einer. «Das ist eine Entwicklung», erklärt Urs Ambühl, Leiter Mobilitätsprojekte beim städtischen Amt für Tiefbau und Verkehr. Er macht einen Vergleich zum Frauenfelder ÖV:

«Vor bald 40 Jahren ist in Frauenfeld der Stadtbus eingeführt worden – und heute ist er eine Erfolgsgeschichte.»

Ambühl zeichnet für das Frauenfelder Fuss- und Veloverkehrskonzept verantwortlich, das kürzlich öffentlich wurde. In den vergangenen anderthalb Jahren haben verschiedene Ämter, externe Experten und eine Begleitgruppe an diesem Konzept mitgewirkt. 40 Jahre soll es beim Langsamverkehr aber nicht dauern. Für die Umsetzung sieht der Stadtrat bis 2026 jährlich einen Budgetposten von durchschnittlich 300'000 bis 400'000 Franken vor. Der Stadtrat will also.

Jetzt ist klar, in welchen Bereichen es gut läuft für Fussgänger und Velofahrer und wo es Handlungsbedarf gibt. Definiert sind 31 Massnahmen in den Bereichen Netzinfrastruktur, Marketing und Governance. Bis Ende Juni können Parteien, Quartiervereine und mobilitätsaffine Organisationen Stellung nehmen. Die Inputs werden ausgewertet. Ziel ist die Verabschiedung des Papiers durch den Stadtrat im Herbst.

Mehr Aufenthaltsqualität für Fussgänger

Die Bedingungen für Fussgänger seien verhältnismässig gut, stellt Ambühl fest. Zumindest einseitig gibt es fast an jeder Strasse in der Stadt ein Trottoir. Deshalb fokussiere man sich beim Fussverkehr auf die Zugänge zu zentralen Orten in Quartieren. Die Idee dahinter ist: Wenn man zu Fuss gut an den Talbachkreisel zum Einkaufen kommt, muss man nicht ins Stadtzentrum. Zudem soll an Strassen auch die Aufenthaltsqualität für Fussgänger erhöht werden, zum Beispiel durch Begrünungen. Im Gegensatz zum Veloverkehr sollen aber keine spezifischen Fusswegachsen ins Stadtzentrum definiert werden. Ambühl sagt:

«Fussgänger bewegen sich zu dispers.»

Noch einiges mehr zu tun gibt es für die Velofahrer. Dafür ist eine klare Netzphilosophie erarbeitet worden. «Auch beim Veloverkehr können wir auf Bestehendem aufbauen.» Es gebe schon einige gelungene Streckenabschnitte.

«Aber man stösst als Velofahrer immer wieder an Grenzen.»

Es gehe deshalb darum, diese Mosaiksteine in ein zusammenhängendes Netz zu verwandeln. Nicht selten könne schon mit geringfügigen baulichen Massnahmen einiges für die Velofahrer verbessert werden. Eines der wenigen grösseren Projekte ist hinter dem alten Migros die Velowegverbindung von der Eisenbahnstrasse respektive dem Regio-Radweg hinunter auf den Lindenweg der Murg entlang. Diese wird heuer realisiert. Kostenpunkt: grad etwa das Jahresbudget von 350'000 Franken.

Schnell und direkt oder bequem und sicher

Urs Ambühl, Leiter Mobilitätsprojekte Stadt Frauenfeld. (Bild: PD)

Urs Ambühl, Leiter Mobilitätsprojekte Stadt Frauenfeld. (Bild: PD)

Die für Frauenfeld vorteilhafte Netzphilosophie sieht zum einen zwei Qualitäten von Velorouten vor: Direktrouten, oft direkt auf Hauptverkehrsachsen, für geübte Velofahrer, die schnell von A nach B kommen wollen, und Komfortrouten, auf verkehrsberuhigten Strassen oder separaten Velowegen, wo auch Familien mit kleinen Kindern oder Senioren bequem fahren und sich sicher fühlen. Ambühl erklärt:

«Der Planung der Komfortrouten kommt der Umstand zugute, dass schon viele Frauenfelder Quartiere verkehrsberuhigt sind.»

Oberziel für diese zwei Routenarten ist die Erreichbarkeit des Stadtzentrums vom Quartier aus. Rückgrat der Komfortrouten ist der Regionale Radweg, weshalb die Zufahrten auf diesen wichtig sind. Ebenfalls zentral ist ein kleiner Zentrumsring als Komfortroute. Die Linienführungen der Direktrouten sind gegeben. Wo die Komfortrouten verlaufen, ist auch grösstenteils definiert. Offene Fragen gibt es nur beim noch nicht realisierten mittleren Teilstück des Regio-Radwegs sowie bei den Komfortrouten Herten und Brotegg. Für die Komfortrouten gibt es einen Priorisierungsplan, der auch auf zukünftige Tiefbauarbeiten abgestimmt ist. Ambühl spricht von einer rollenden Planung.

«Velofahrer und Fussgänger werden nicht erst mit Konzeptverabschiedung durch den Stadtrat zu gleichwertigen Verkehrsteilnehmer.»

Schon seit einiger Zeit liege ein Augenmerk auch auf den Bedürfnissen des Fuss- und Veloverkehrs, sagt Ambühl. Querverbindungen zwischen den Quartier – ein grosser Ring – seien auch diskutiert, aber vorerst bis 2026 zurückgestellt worden.

Von Velo-Sharing bis «Walk to school»

Massnahmen im Bereich Marketing betreffen etwa Velo-Sharing, das temporäre Beschildern der Komfortrouten, eine aktuell gehaltene Velokarte oder Aktion wie der Velo-Mittwoch. In Sachen Governance ist zum Beispiel das neue Abstellplatzreglement Thema, das auch zu privaten Veloab­stellplätzen Aussagen macht. Weiter ist ein Monitoring zum Fuss- und Veloverkehr geplant. Es geht bei «Walk to school» um das Mobilitätsverhalten von Schülern. Und es soll verwaltungsintern Weisungen geben, damit bei Umleitungen oder Projektierungen Fussgänger und Velofahrer nicht vergessen gehen.

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