Erste Thurgauer Gemeinden rufen zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser auf

Auf dem westlichen Seerücken im Thurgau versiegen wegen der anhaltenden Trockenheit erste Quellen. Mehrere Gemeinden warnen vor Wasserknappheit und informieren die Bevölkerung, wie sie mithelfen kann.

Samuel Koch
Drucken
Teilen
Aufs Rasensprengen sollte während der aktuellen Trockenphase verzichtet werden. (Bild: Getty Images)

Aufs Rasensprengen sollte während der aktuellen Trockenphase verzichtet werden. (Bild: Getty Images)

Die Lage spitzt sich zu. Die Gemeinde Eschenz spricht von «einer akuten Wasserknappheit in der öffentlichen Wasserversorgung». Hüttwilen informiert seine Bewohner, dass die Wasserversorgung Seerücken West (WSW) seit kurzem nicht mehr in der Lage ist, die Hochzone am Seerücken mit Wasser zu versorgen. Nebst Eschenz und Hüttwilen sind mit Herdern, Homburg und Mammern drei weitere Gemeinden aus dem Bezirk Frauenfeld an die WSW geschlossen.

Verantwortlich für den aktuellen Engpass zeichnen nebst der Hitzewelle mit fehlendem Niederschlag auch die Nachwirkungen des vergangenen Sommers. WSW-Präsidentin Ingrid von Känel sagt:

«Viele Quellen konnten sich über den Winter nicht richtig erholen.»
Ingrid von Känel, Präsidentin der Wasserversorgung Seerücken West. (Bild: Reto Martin)

Ingrid von Känel, Präsidentin der Wasserversorgung Seerücken West. (Bild: Reto Martin)

Wo gewöhnlich bis zu 100 Liter Wasser pro Minute aus einer Quelle sprudeln, geht teils gar nichts mehr. «Einige schlechtere Quellen sind schon versiegt», sagt von Känel. Im vergangenen Jahr lag der Gesamtverbrauch der WSW bei rund 190'000 Kubikmetern Wasser, was dem Inhalt von rund 1,9 Millionen Badewannen entspricht.

Kein Autowaschen oder Bewässern des Gartens

Die betroffenen Gemeinden warnen nicht nur vor dem Engpass, sondern rufen auch zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser auf. Aufs Autowaschen sei ebenso zu verzichten wie aufs Befüllen des Schwimmbades. «Am unnötigsten ist jetzt, seinen Rasen zu bewässern», meint von Känel. Wer bei gleissender Hitze seinen Privatgarten sprenge, laufe sowieso Gefahr, dass der Rasen regelrecht verbrennt. Seit vergangener Woche gar von einem Trinkwasserverbot betroffen ist die Landwirtschaft. Sie meint:

«Leider konnten sich nach dem vergangenen Trockenjahr nicht alle Bauern über eigene Leitungen Zugang zu grösseren Gewässern schaffen.»

Grund dafür seien die teils hohen Investitionen. «Deshalb muss jetzt ein Umdenken stattfinden», meint von Känel. Es brauche die Planung von Auffangbecken, sodass Landwirte ihre Kulturen nicht mehr mit Trinkwasser bewässern müssten. Von Känel will aber auch erwähnen, dass sich die Bevölkerung an die aktuellen Gebote hält: «Wir sehen klar, dass der Verbrauch jetzt zurückgeht.»

Ueli Meier, Wasserwart der Gemeinde Mammern, und Ingrid von Känel, Präsidentin der Wasserversorgung Seerücken West, inspizieren das Quellwasser im Wald unterhalb des Schlosses Liebenfels in Mammern. (Bild: Reto Martin).

Ueli Meier, Wasserwart der Gemeinde Mammern, und Ingrid von Känel, Präsidentin der Wasserversorgung Seerücken West, inspizieren das Quellwasser im Wald unterhalb des Schlosses Liebenfels in Mammern. (Bild: Reto Martin).

Dramatisierung Fehlanzeige

Kantonale Empfehlungen nimmt die WSW zur Kenntnis, die ihr Wasser seit Jahren über eine Leitung vom Seewasserwerk Steckborn speist, um es dann je nach Bedarf an ihre Gemeinden zu verteilen. «Früher handelte jede Gemeinde autonom», meint von Känel. Seit dem Hitzesommer 2003 versuche die vier Jahre zuvor gegründete WSW, weitsichtig zu planen. Dramatisieren will von Känel die aktuelle Lage nicht: «Es gibt noch genügend Trinkwasser. Wir rufen jetzt nur zum sparsamen Umgang damit auf.»

Ähnlich sieht es Robert Göttelmann, Hydrologe beim kantonalen Amt für Umwelt. Er und seine Kollegen haben die Trockenheit schon seit Anfang Jahr im Auge, als sich die Grundwasserspeicher nach der letztjährigen Trockenheit nicht erholen konnten. Weil sich die Aussichten trotz prognostizierten Gewittern nicht markant verbessern, könnte Ende Woche erstmals der Fachstab Trockenheit tagen und über flächendeckende Massnahmen befinden.

Frauenfelder Werkbetriebe helfen Hüttwilen aus

Im Gegensatz zum Seerücken ist die Trinkwassersituation für die Stadt Frauenfeld «recht komfortabel», wie Ulrich Berger von den Frauenfelder Werkbetrieben (WBF) erklärt. Seit den 1990er-Jahren besteht eine Wasserleitung nach Hüttwilen. Die Gemeinde im Seebachtal hat mit den WBF einen Vertrag über die Möglichkeit eines mengenmässig festgelegten Wasserbezugs pro Tag. Hüttwilen zahlt dafür eine fixe Jahrespauschale und zusätzlich pro Kubikmeter. Die WBF beliefern zudem zur Spitzendeckung Gachnang, Felben-Wellhausen sowie Ortsteile von Thundorf, Aadorf und Matzingen mit Wasser. (ma)

«Gemeinden, die einen 1.-August-Funken in Waldesnähe planen, sollten sich zur Sicherheit eine Alternative überlegen» – Kanton Thurgau mahnt zu erhöhter Vorsicht im Umgang mit Feuer

Während Bodensee, Rhein und Thur noch mehrheitlich genügend Wasser führen, ist dies in kleineren Fliessgewässern bereits nicht mehr der Fall. Wegen der Trockenheit ruft der Kanton Thurgau nun zu Sparsamkeit bei der Wasserentnahme auf. Im Umgang mit Feuer im Freien ist zudem Vorsicht geboten.
Larissa Flammer