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Erste Schritte für ein naturnahes Rheinufer zwischen Schlatt und Wagenhausen

Das Amt für Umwelt präsentiert ein Konzept zur Revitalisierung des Thurgauer Abschnittes des Hochrheins. Die umstrittene Ufermauer bei Diessenhofen stellt der Kanton vorerst hintan.
Stefan Hilzinger

Rheinufer vor und nach einer Sanierung

So sieht es aus, wenn eine Ufermauer durch ein Flachufer ersetzt wird

Die Ufer von Flüssen sollen in der Schweiz weniger von Steinen und Beton als von Sand und natürlichen Böschungen gesäumt sein. So will es das neue eidgenössische Gewässerschutzgesetz von 2011. Im Thurgau geht es da namentlich um das Ufer des Hochrheins zwischen dem Kloster Paradies und Wagenhausen (siehe Karte). Für die Rückführung des rund 16,5 Kilometer langen Abschnittes in einen möglichst naturnahen Zustand ist der Kanton verantwortlich.

Nun hat das Amt für Umwelt (AfU) ein Konzept ausgearbeitet, wie die Revitalisierung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten angepackt werden soll, wie das AfU am Donnerstag mitteilte. «Das Ufer soll so gestaltet werden, dass es den Bedürfnissen der Natur, der Anwohner und der Erholungssuchenden gerecht wird sowie möglichst tiefe Unterhaltskosten verursacht», heisst es in der Mitteilung.

In der Regel bedeutet dies den Rückbau von harten Verbauungen aus Beton oder Steinen. Die Strecke von der Zürcher Kantonsgrenze hoch bis kurz vor Stein am Rhein teilt das Konzept in rund 40 mehr oder weniger lange Abschnitte ein.

Es gibt auch Bereiche, bei denen nichts gemacht werden soll. So wird etwa die Uferverbauung im Bereich der Diessenhofer Altstadt belassen. Den anderen Teilstrecken wurden Sanierungstypen und zeitliche Prioritäten zugeordnet. Das Bundesgesetz gibt einen Zeitrahmen von 80 Jahren vor, Sanierungen der Prioritätsstufe 1 müssen innerhalb der ersten zwanzig Jahre umgesetzt sein.

Beim «Schupfen» soll es losgehen

Claudia Eisenring, Projektleiterin AfU

Claudia Eisenring, Projektleiterin AfU

Doch einen konkreten Zeitplan, um die Massnahmen umzusetzen, hat das AfU derzeit noch nicht. «Nein, dieser wird sich erst ergeben, wenn die ersten Vorhaben konkret angepackt werden», sagt Projektleiterin Claudia Eisenring von der Abteilung Wasserbau und Hydrometrie im AfU. Als ersten Abschnitt will der Kanton das Rheinufer beim Restaurant Schupfen zwischen Diessenhofen und Rheinklingen renaturieren lassen – Abschnitte der Prioritätsstufe 1.

Das Verfahren und die Beteiligten

Der Bund schreibt im eidgenössischen Gewässerschutzgesetz von 2011 die Revitalisierung von Flussufern vor.

Die Kantone stehen in der Pflicht, die Vorgaben des Bundesgesetzes in einem Zeitraum von 80 Jahren umzusetzen.

Im Thurgau ist das Amt für Umwelt (AfU) im Departement für Bau und Umwelt für die Revitalisierungen des Hochrheins zuständig, wofür das AfU nun ein Konzept vorstellt.

Der Energieversorger «SH Power» (Stadt Schaffhausen) führte und führt in ihrem Konzessionsgebiet unterhalb Diessenhofen selbst Revitalisierungen durch – unter anderem beim Reservat Schaarenwald.

In den Gemeinden Schlatt, Diessenhofen und Wagenhausen werden die einzelnen Projekte öffentlich aufgelegt. Die Kosten für die Revitalisierung teilen sich Bund, Kanton und Gemeinde, wobei der Anteil der Gemeinde laut Thurgauer Gewässerschutzgesetz fünf Prozent beträgt.

Die Interessengemeinschaft Rheinuferaufwertung setzt sich für eine möglichst naturnahe Gestaltung des Ufers ein.

Die Gruppierung für den Erhalt unserer Rheinlandschaft setzt sich für den Erhalt der rund 1,6 Kilometer langen Ufermauer östlich von Diessenhofen ein. (hil)

Eben so wenig wie zum Zeitplan ist beim Kanton derzeit zu erfahren, wie viel es kosten wird, das Rheinufer naturnah umzugestalten. «Die Kosten zu ermitteln, war nicht Teil der Konzeptarbeit», sagt Eisenring. Gesetzlich geregelt ist, dass sich Bund und Kanton den Grossteil der Kosten teilen. Ein kleiner Teil fällt auf die Gemeinden.

Die Mauer oberhalb der Rheinbadi bleibt vorerst

Es wird noch viel Wasser gen Basel fliessen, bis die Thurgauer Strecke des Hochrheines renaturiert ist, zumal die Massnahmen bei der Bevölkerung nicht auf ungeteilte Gegenliebe stossen. Umstritten ist etwa der Rückbau der Ufermauer zwischen der Diessenhofer Badi und dem Camping Läui/Schupfen. Hier hat der Kanton im Konzept einen von beiden Abschnitten von Priorität 1 auf Priorität 2 zurückgestellt. Der andere Abschnitt hat gar Priorität 3.

Bei der Diessenhofer Interessengemeinschaft Rheinuferlandschaft (Igra) ist man zwar grundsätzlich zufrieden mit dem Konzept; aber nicht erfreut über die Rückstufung. Igra-Präsident Günter Rieker sagt:

«Hier ist die Politik unter dem Druck der Petition der Pontoniere eingeknickt.»

Schon 2017 hatte die «Gruppierung für den Erhalt unserer Rheinlandschaft» in der Region Diessenhofen 1738 Unterschriften für den Erhalt der Ufermauer gesammelt. Die Mauer sei ein historisches Kulturgut, dass zur Diessenhofer Badekultur gehöre und geschützt werden müsse.

Hinweis
Die Interessengemeinschaft Rheinuferaufwertung veranstaltet im Anschluss an ihre Jahresversammlung einen Informationsanlass mit Vertretern des Amtes für Umwelt. Montag, 15. April, 19.30 Uhr, Pizzeria Pulcinella, Diessenhofen.

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