Eine Windenergie-Anlage ist in Sirnach möglich, aber noch in weiter Ferne

Der Kanton Thurgau will ein potenzielles Windenergie-Gebiet in der Gemeinde in den Richtplan aufnehmen. Dies zwar in der niedrigsten Dringlichkeitsstufe, der Gemeinderat ist darüber dennoch wenig erfreut.

Roman Scherrer
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Blick vom Roset auf Sirnach: Der Kanton sieht den Hügelzug als Windenergie-Gebiet. (Bild: Olaf Kühne)

Blick vom Roset auf Sirnach: Der Kanton sieht den Hügelzug als Windenergie-Gebiet. (Bild: Olaf Kühne)

Mittlerweile könnte am östlichen Rand des Hinterthurgaus ein Windpark stehen. Damit rechnete 2013 zumindest das Westschweizer Windenergie-Unternehmen Ennova SA, als es plante, zwischen Braunau und Wuppenau Windräder aufzustellen. Breiter Widerstand aus der Bevölkerung brachte das Projekt aber zum Stillstand.

Kurt BaumannGemeindepräsident Sirnach

Kurt Baumann
Gemeindepräsident Sirnach

Derzeit befasst sich der Sirnacher Gemeinderat mit dem Thema Windenergie. Der Kanton Thurgau beabsichtigt nämlich, das Windenergie-Gebiet «Sirnach/Littenheid» in den kantonalen Richtplan aufzunehmen. Es ist das Ergebnis einer Neubeurteilung der acht potenziellen Windenergie-Gebiete im Thurgau. Von ursprünglich zweien im Hinterthurgau ist nun noch das Gebiet in der Gemeinde Sirnach übrig (siehe Infobox). Dieses betrifft den Hügelzug zwischen Littenheid und Sirnach, wie Gemeindepräsident Kurt Baumann erklärt. Weiter sagt er:

«Laut der Standortevaluation sind zwischen Sirnach und Littenheid theoretisch drei bis fünf Windräder möglich.»

Dabei spreche man von Grosswindanlagen, die eine Gesamthöhe von rund 200 Metern aufweisen.

Zu geringe Mitwirkung kritisiert

Vertreter der Abteilung Energie des Kantons Thurgau haben den Sirnacher Gemeinderat kürzlich an dessen Sitzung über die Aufnahme von «Sirnach/Littenheid» in den Richtplan informiert. Über die Pläne des Kantons ist die Gemeindebehörde «wenig erfreut», wie sie in ihrer Mitteilung schreibt. Sie werde sich mit der Vorlage befassen und in der Vernehmlassung zur Richtplanänderung reagieren, welche voraussichtlich von Dezember bis Januar stattfindet. Die Behörde schreibt weiter:

«Aus Sicht des Gemeinderats war die Mitwirkung der Gemeinde in den bisherigen Abklärungen unzureichend.»

Die Aufnahme in den Richtplan ist momentan erst ein laues Lüftchen in Richtung eines konkreten Windenergie-Projekts in Sirnach. «Sollten alle Ampeln auf grün stehen, wäre eine Umsetzung in zehn bis zwölf Jahren möglich», sagt Kurt Baumann. Er weist aber darauf hin, dass es dazu viele weitere Schritte benötigt. Nach weiteren Abklärungen wie Windmessungen müsste der Kanton nämlich bei einer weiteren Richtplanänderung das Gebiet «Sirnach/Littenheid» von der tiefsten in die höchste Dringlichkeitsstufe anheben.

Anschliessend wäre eine Änderung des kommunalen Zonenplans nötig, worüber die Sirnacher Stimmbürger entscheiden würden. «Zudem müsste dann ein Investor Interesse haben, hier eine Windanlage zu bauen», sagt Baumann. Und selbst wenn es soweit kommen sollte, müsste das Projekt schliesslich noch ein Baubewilligungsverfahren mit öffentlicher Auflage durchlaufen.

Windenergie-Gebiete verkleinert

Bei der Revision des Richtplans 2017 hat der Kanton Thurgau festgelegt, dass die acht potenziellen Windenergie-Gebiete neu beurteilt werden sollen. Die Neubeurteilung ist mittlerweile erfolgt, unter anderem hinsichtlich Sichtbarkeit, Schallimissionen oder Konfliktpotenziale mit Vögeln.

Die bisherigen Windenergie-Gebiete im Kanton wurden dadurch massiv verkleinert. Im Hinterthurgau ist das Gebiet «Bichelsee/Fischingen» gar gestrichen worden, während sich das ursprüngliche Gebiet «Eschlikon/Littenheid» neu auf «Sirnach/Littenheid» beschränkt.