Ersatzwahl
«Wir tragen eine grosse Verantwortung»: Die Sirnacherin Simone Ender-Truniger kandidiert als Bezirksrichterin

Durch den Wegzug von Sabina Peter Köstli aus dem Bezirk kommt es am 26. September zu einer Ersatzwahl für das Bezirksgericht Münchwilen. Die Bezirks-CVP hat die Sirnacherin Simone Ender-Truniger als neue Bezirksrichterin nominiert.

Olaf Kühne
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Simone Ender-Trunigers Arbeitsort seit 2016: Der Gerichtssaal des Bezirksgerichts Münchwilen.

Simone Ender-Trunigers Arbeitsort seit 2016: Der Gerichtssaal des Bezirksgerichts Münchwilen.

(Bild: Nana Do Carmo)

Mit der landläufigen Bezeichnung «Laienrichter» wird man Simone Ender-Truniger definitiv nicht gerecht. «Man nennt uns halt so, damit habe ich kein Problem», sagt die Sirnacherin zwar. Indes ist die 44-Jährige am Bezirksgericht Münchwilen bereits seit 2016 Ersatzrichterin, so die offizielle Funktionsbezeichnung.

Simone Ender-Truniger ist seit 2016 Ersatzrichterin. Nun kandidiert sie als Bezirksrichterin.

Simone Ender-Truniger ist seit 2016 Ersatzrichterin. Nun kandidiert sie als Bezirksrichterin.

(Bild: PD)

Die Juristerei hat sie aber schon sehr viel länger im Blut. Einst hat sie in Fribourg Rechtswissenschaften studiert. «Deutsch und Französisch – weil mir Sprachen liegen», sagt sie. Nach dem Studium erlangte sie im Kanton St.Gallen das Anwaltspatent, arbeitete danach als Gerichtsschreiberin am Kreisgericht St.Gallen.

Auch in der Privatwirtschaft konnte Simone Ender-Truniger schon Erfahrungen sammeln: In der Geldwäschereibekämpfung kam sie bei der Raiffeisen Schweiz zum Einsatz, wenn Genossenschaften Verdachtsfälle meldeten. «Da gab es die unterschiedlichsten Fälle, ich musste mich mit nationalen und internationalen Sachverhalten befassen», blickt sie zurück.

«Das war sehr interessant.»

Zwischenzeitlich war die Mutter dreier schulpflichtiger Kinder Vollzeit als Familienfrau engagiert. Doch nun will sie vermehrt am Bezirksgericht tätig sein: Sie kandidiert in der Ersatzwahl vom 26. September als Bezirksrichterin. Als Kandidatin der CVP-Bezirkspartei wird sie somit aller Voraussicht nach die Nachfolge von Sabina Peter Köstli antreten, die wegen ihres Wegzugs aus dem Bezirk das Amt per Ende September niederlegen muss.

Im Gespräch mit unserer Zeitung bringt Simone Ender-Truniger die Faszination des Richteramtes auf den Punkt: «Man ist sehr nahe am Leben.» So etwas wie Routine gebe es dabei kaum. «Auch wenn man schon hundert Scheidungen verhandelt hat, keine ist wie die andere.» Deshalb sei am Gericht eines besonders wichtig: der Respekt vor Menschen, vor allen Menschen. «Ob Angeklagte oder deren Opfer, ob Zivilkläger oder eben Eheleute, die sich scheiden lassen», sagt Simone Ender-Truniger, «es sind immer Menschen mit all ihren Geschichten.» Für sie alle sei ein Gerichtsurteil immer einschneidend, oftmals für Jahre oder gar Jahrzehnte.

«Wir Richterinnen und Richter tragen deshalb eine grosse Verantwortung.»

Es ist aber nicht nur die Arbeit, die Simone Ender-Truniger zu ihrer Kandidatur motiviert, es ist auch der Arbeitsort. «Wir sind ein super Team am Bezirksgericht Münchwilen», sagt sie. «Vom Gerichtspräsidenten bis zur Praktikantin begegnen sich alle auf Augenhöhe. Deshalb komme ich immer mit einem guten Gefühl hierher.»

Andere Bezirksparteien verzichten

Nicht zuletzt weil Simone Ender-Truniger voraussichtlich die einzige Kandidatin bleiben wird – die anderen Bezirksparteien verzichten auf eine Kandidatur –, wollen sie und ihre Partei keinen ohnehin obsoleten Wahlkampf betreiben. «Es muss nicht sein, dass im ganzen Bezirk Plakate mit meinem Gesicht hängen», sagt sie und lacht. Zumindest an ihrem Wohnort Sirnach kenne man sie aber bereits jetzt schon als Richterin. Immer wieder mal werde sie darauf angesprochen, auch von Eltern von Mitschülern ihrer Kinder. «Das ist verständlich. Wer kennt schon eine Richterin?», sagt sie. «Zudem ergeben sich daraus oftmals spannende Gespräche.»