ERSATZWAHL
«Mit dem Pensioniertenleben kann ich mich nicht anfreunden»: Der 68-jährige Bruno Kaufmann will neuer Hüttwiler Gemeindepräsident werden

Bruno Kaufmann ist amtierender Gemeinderat, seit drei Jahren im Pensionsalter, arbeitet aber noch vier Tage die Woche als Technischer Redaktor und bedauert es, dass sich weder Jüngere noch Frauen für die Nachfolge des abtretenden Gemeindepräsidenten Hanspeter Zehnder interessieren.

Mathias Frei
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Der amtierende Gemeinderat Bruno Kaufmann kandidiert für das Hüttwiler Gemeindepräsidium.

Der amtierende Gemeinderat Bruno Kaufmann kandidiert für das Hüttwiler Gemeindepräsidium.

Bild: Kevin Roth

Mit schwierigen Hunden kann er es bereits. Nun will Bruno Kaufmann, der in seiner Freizeit als Hundecoach tätig ist, Hüttwiler Gemeindepräsident werden. Dem 68-Jährigen bereitet die Arbeit als Gemeinderat so viel Freude, dass er die Nachfolge des im Sommer abtretenden Hanspeter Zehnder antreten will. Im Jahr 2010 ist Bruno Kaufmann mit seiner Partnerin, die aus der Region stammt, nach Nussbaumen gezogen. Zuvor lebten sie im Aargauischen. Kaufmann hat aber einen starken Nordostschweiz-Bezug, stammt er doch aus Schaffhausen. Seit vier Jahren nun amtet er als Mitglied des Hüttwiler Gemeinderats – zuerst während zwei Jahren im Ressort Gesundheit/Generation/Asyl, seither ist er für die Bereiche Elektrizitätsversorgung, IT und Kommunikation zuständig.

Erschrocken über das eigene Alter

Zehnder hört auf, weil er ins Pensionsalter kommt. Kaufmann wäre eigentlich schon seit drei Jahren Pensionär. Auf sein Alter angesprochen, sagt er:

«Ich erschrecke jedes Mal selber, wenn ich mir dem bewusst werde. Eigentlich fühle ich mich überhaupt noch nicht so alt.»

Er könne sich einfach noch nicht mit dem Leben eines Pensionärs anfreunden. Das zeigt sich auch im Umstand, dass Kaufmann weiterhin ein 80-Prozent-Pensum bei der bekannten Firma Siemens hat. Dort arbeitet er seit 15 Jahren als Technischer Redaktor. Im Gemeinderat hätten alle anderen abgewinkt, sagt Kaufmann. Ein Amt mit einem Pensum zwischen 50 und 70 Prozent sei zwar schwierig, wenn man nicht gerade selbstständig sei. Trotzdem bedauert er, dass sich weder jüngere Leute noch Frauen für das Amt interessiert hätten.

«Dabei wäre es doch langsam auch mal Zeit für die erste Gemeindepräsidentin von politisch Hüttwilen.»
Hanspeter Zehnder tritt per Sommer 2021 als Hüttwiler Gemeindepräsident zurück.

Hanspeter Zehnder tritt per Sommer 2021 als Hüttwiler Gemeindepräsident zurück.

Bild: Reto Martin

Als zweitbeste Wahl sieht sich Kaufmann aber keineswegs. Grund dafür ist seine Begeisterung für die Gemeinde und die Arbeit als Gemeinderat. Er will aber keinen Bonus haben als amtierendes Behördenmitglied. «Die Findungskommission hat mir ziemlich auf den Zahn gefühlt», sagt er. Im Falle einer Wahl würde er seinen Job bei der Siemens aufgeben. Wenn es denn klappt, will er mindestens vier Jahre machen, lieber noch sechs, wie Hanspeter Zehnder. Das wäre dann bis zur übernächsten Gemeinderats-Gesamterneuerungswahl. Sein Vorteil wäre, wie er sagt, dass er keine Anlaufzeit bräuchte, sattelfest ist in den Dossiers, das Gremium kennt er.

Die Seegegend ist wie ein kleines Paradies

Kaufmann kommt aus Schaffhausen, hat bei Georg Fischer die Stifti gemacht als Elektromechaniker. Später machte er ein Technikerstudium, sattelte auf Fernmelde- und Elektronikspezialist um. Er war Fabrikationsleiter und bildete im computerunterstützten Unterricht Spezialisten aus. Das mündete in einer eigenen Ausbildung als Erwachsenenbildner SVEB.

«Diese Ausbildung hat mich kompromissfähiger und diplomatischer gemacht.»

Kaufmann ist selber Hundehalter, sein Falour ist ein zentralasiatischer Schäferhund, ein Herdenschutzhund. Wo er gerne spazieren geht mit Falour, das ist die Seegegend. «Wir leben hier in einem kleinen Paradies, wohin andere in die Ferien kommen. Das müssen wir unbedingt erhalten.» Ökologie sei ihm sehr wichtig, sagt er, genauso wie eine nachhaltige Energieversorgung. Dass Hüttwilen in Sachen erneuerbare Energieversorgung zu den progressivsten Gemeinden im Kanton gehört, macht ihn stolz.

Gefrorener Hüttwilersee im Februar 2021.

Gefrorener Hüttwilersee im Februar 2021.

Bild: Andrea Stalder

Weil ihm das Thema Energie am Herzen liegt, würde er auch gerne diesen Bereich behalten, falls die Wahl gelingt. Das ist durchaus möglich, weil sich der Hüttwiler Gemeinderat inhaltlich selber konstituiert. Dem Gemeindepräsidium obliegt einzig die Repräsentation. Zudem schwebt Kaufmann sowieso vor, das Bauwesen zu professionalisieren. Eine Behörde dürfe nicht in der Hauptsache operativ tätig sein, sondern vielmehr strategisch.

Gräben füllen zwischen den Ortsteilen

Östlicher Ortseingang von Hüttwilen.

Östlicher Ortseingang von Hüttwilen.

Bild: Andrea Stalder

Kaufmann sagt: «Ich bin einer, der versucht, Brücken zu bauen.» Oder auch Gräben auffüllen will. Etwa jenen zwischen Nussbaumen und Hüttwilen. In den Köpfen der älteren Einwohner sei das sicher noch drin. Die Nussbaumer fühlten sich benachteiligt. Dabei sei das nur eine subjektive Wahrnehmung, die obendrein auch nicht stimme.

«Natürlich will ich als Nussbaumer ein Gemeindepräsident für die Nussbaumer sein.»

Sowieso sei es aber für den Gemeinderat als Gremium wichtig, bei den Leuten präsent zu sein, transparent und proaktiv zu kommunizieren, nach Möglichkeit die Bevölkerung auch in politische Prozesse einzubeziehen.

«Natürlich habe ich vor bald zwei Jahren Ja zum Öffentlichkeitsprinzip im Kanton Thurgau gesagt.»

Das Porträt über Roland Schnider, den zweiten Kandidaten, erscheint kommende Woche.